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Bad Brückenau
Medizinische Versorgung

Wie gut geht es der Franz-von-Prümmer-Klinik?

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) besuchte das Bad Brückenauer Krankenhaus, um sich von Verwaltungsdirektorin Sabine Hein Sorgen und Nöte aus dem laufenden Betrieb eines kleinen Krankenhauses anzuhören.
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Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) informierte sich über den Betrieb sowie Sorgen und Nöte in der Franz-von-Prümmer-Klinik. Foto: Steffen Standke
Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) informierte sich über den Betrieb sowie Sorgen und Nöte in der Franz-von-Prümmer-Klinik. Foto: Steffen Standke
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Der Appell von Sabine Hein an Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) war eindeutig: "Es ist schwierig; wir haben existenzielle Probleme im Betrieb", sagte die Verwaltungsdirektorin der Capio Franz-von-Prümmer-Klinik bei deren Besuch in Bad Brückenau. Und sie schob nach: "Wenn dieser Standort mittel- und langfristig erhalten bleiben soll, brauchen wir Unterstützung."

Die Idee für einen Besuch der Staatsministerin entstand schon im Sommer 2019 bei einer Ausbildungsmesse. "Der Wunsch war da, dass die Probleme kleiner Kliniken geschildert werden können", sagt CSU-Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner auf Nachfrage. Vor zwei Wochen habe Huml dann endgültig zugesagt. Zwar hatte sie schon einmal vor Jahren in der Georgi-Kurhalle über die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum gesprochen. In der Franz-von-Prümmer-Klinik war sie noch nie.

Dieses Krankenhaus der Daseinsvorsorge mit 200 Mitarbeitern und 113 Betten (83 im Akutbereich der Abteilungen Innere, Chirurgie und Akutgeriatrie; 30 in der Geriatrischen Rahabilitation) setzte im vergangenen Jahr 11,8 Millionen Euro um. 2864 Fälle liefen im Jahr 2019 auf; die Belegungstage der einzelnen Patienten summierten sich auf rund 21 000.

Es sind vor allem bestimmte, zuletzt neu gefasste Gesetze, die die Klinik hart treffen, führte Sabine Hein in ihrem Vortrag aus: das MDK-Reformgesetz, die Ausgliederung der Pflegekosten aus den Fallpauschalen, die Pflegepersonal-Untergrenzen. Letztere schreiben fest, wie viel e Pflegekräfte auf eine bestimmte Zahl von Patienten mindestens angesetzt werden müssen. "Oft ist nicht nachvollziehbar, mit welchem Maß da gemessen wurde", so Hein.

Sie erläuterte das Dilemma an Beispielen. So sei für zehn Patienten in der Akutgeriatrie mindestens eine examinierte Pflegekraft angesetzt; einen elften Patienten dürfte diese schon nicht mehr mitbetreuen. Unter Umständen würde aber auch eine geringere Zahl an Patienten die Pflegekraft überfordern, nämlich dann, wenn ihre Betreuung extrem aufwendig wird. Hält ein Krankenhaus die Untergrenzen fürs Pflegepersonal nicht ein, drohen ihm Strafzahlungen.

Auch der Fachkräftemangel stellt laut Hein für die Prümmer-Klinik ein großes Problem dar. "Die Bewerberauswahl wird immer schlechter", so die Verwaltungsdirektorin. Die Bewerber hätten oft nicht die gesuchte medizinische Ausbildung; Ärzten aus dem Ausland mangele es oft an Deutsch-Kenntnissen. Ähnlich sieht es laut Hein beim Pflegepersonal aus. Auf 100 offene Stellen kämen 25 Bewerber. "Aus denen müssen wir dann auswählen und sie zusätzlich überzeugen, nach Bad Brückenau zu kommen."

Ines Seitz, in der Prümmer-Klinik zuständig für Controlling und Qualitätsmanagement, machte den hohen Aufwand deutlich, den die Vielzahl der relativ neuen Gesetze der Krankenhaus-Verwaltung neben dem alltäglichen Geschäft bereiten. "Ihre Umsetzung kostet viel Zeit." Ein größeres Krankenhaus fange so etwas besser weg als ein kleines wie das in Bad Brückenau. "Die Finanzierung durch die Krankenkassen lässt leider keinen größeren Verwaltungsetat zu", sagte Seitz.

Staatsministerin Huml, selbst Ärztin, kennt das Problem der Untergrenzen beim Pflegepersonal. "Der Gesetzgeber sagt ja: Eigentlich müsste ja mehr als dieses Mindestmaß an Betreuern da sein." Die politische Idee hinter dem System sei gut; es hapere an der Umsetzung. Solche Dinge müssten vor Ort entscheidbar sein.

Chancen durch Generalistik

Sabine Hein ließ durchblicken, dass die deutsche Geschäftsführung des Krankenhausbetreibers Capio das Wirtschaftliche der Prümmer-Klinik mittragen würden. Andere Konzerne seien da nicht so kulant. Sie sieht große Chancen, durch die sogenannte Generalistik mehr Personal zu gewinnen. Generalistik bedeutet, dass sowohl angehende Kinderkrankenpfleger, Altenpfleger als auch Gesundheits- und Krankenpfleger zwei Jahre dieselben Ausbildungsinhalte vermittelt bekommen, ehe sie sich im dritten Jahr spezialisieren. Die Prümmer-Klinik besitze dahingehend eine Kooperationsvereinbarung mit dem Klinikum Fulda. Auch sei eine Absichtserklärung da, mit dem Beruflichen Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft (bfz) zusammenzuarbeiten.

Wie angespannt die Lage ist, machte Sabine Hein deutlich, als sie erwähnte, dass die Prümmer-Klinik 2016 bei der Staatsregierung in München einen sogenannten Sicherstellungszuschlag beantragt hatte. Der sollte helfen, den wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen. Den bekam sie nicht, weil einbestimmtes Kriterium nicht erfüllt war. Dabei ging es um die Anzahl von Patienten, die nicht zeitnah versorgt wären, wenn es die Prümmer-Klinik nicht mehr gäbe. In ihrem Einzugsgebiet waren es zu wenige.Und so sagt Hein: "Wir kämpfen und kämpfen. Man fühlt sich an der ein oder anderen Stelle schon verlassen."

Ein letzter Punkt, der ihr aufstieß, ist "die Abrechnung der akutgeriatrischen Komplexpauschale". Um einzelne Fälle von Patienten abrechnen zu dürfen, müssen bestimmte vorgegebene Strukturmerkmale erfüllt sein. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen sah das bei der Prümmer-Klinik nicht erfüllt. Er wandte bei der Beurteilung Landesrecht an, laut Hein hätte es aber Bundesrecht sein müssen. "Die Krankenkassen zahlten nun nicht nur die Pauschale nicht, sondern verweigerten teilweise die Zahlung kompletter Fälle." Die Klinik habe dadurch "Liquiditätseinbußen" gehabt. "Das, was die Kassen sich da erlaubt haben, war unter aller Sau", wurde Hein drastisch.

Melanie Huml bekräftigte, dass es "uns und mir wichtig ist, Krankenhäuser in der Fläche zu haben". Da sei man mit der Klinik, dem Medizinischen Versorgungszentrum und dem geplanten MedZentrum in Bad Brückenau sehr aktiv. Eine Überlegung sei, ob der Freistaat nicht finanzielle Defizite einzelner Häuser über einen gewissen Zeitraum ausgleichen könne. Landrat Thomas Bold (CSU) meinte, es müsse einen "allgemeinen Zuschlag für kleine Krankenhäuser" geben. MdL Kirchner versprach nachfassen, was die Untergrenzen beim Pflegepersonal angeht.

Alle beide und Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) setzten sich für das an der Prümmer-Klinik geplante MedZentrum ein. Meyerdierks sieht es als Sicherung der medizinischen Versorgung in der Region, auch, falls es das Krankenhaus mal nicht mehr geben sollte.

Klinikdirektorin Hein äußerte auf Nachfrage den Eindruck, "dass die Ministerin sehr wohl weiß, wovon wir gesprochen haben und dass sie unsere Anliegen wahrnimmt". Sie erwartet nun, dass nachgearbeitet wird und zeitnah aus dem Gesundheitsministerium Antwort kommt.