Klosterkreuzberg
MESSPUNKT

Wie genau ist das GPS?

Am Kreuzberg gibt es jetzt einen Geodätischen Messpunkt. Dort kann nun jeder die Messgenauigkeit seines GPS beispielsweise im Handy kontrollieren - und das kostenlos.
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Das wurde doch gleich mal getestet, wie genau das eigene Gerät funktioniert. Foto: Marion Eckert
Das wurde doch gleich mal getestet, wie genau das eigene Gerät funktioniert. Foto: Marion Eckert
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Ob für Smartphones, Smartwatches oder Navigationsgeräte - zur exakten Positionsbestimmung werden Koordinaten benötigt. Die Welt ist von einem unsichtbaren Koordinatensystem überzogen. Ohne dieses wäre das moderne Leben in der High-Tech-Gesellschaft gar nicht möglich. Navigationssatelliten umkreisen in circa 20 000 Kilometer Höhe ständig die Erde. Es gibt bereits eine Vielzahl an Referenzpunkten, doch auf diese haben nur Fachanwender wie das Vermessungsamt oder Ingenieur- und Planungsbüros Zugriff, da sie unterirdisch vermarkt sind. Die Bayerische Vermessungsverwaltung will allen Bürgerinnen und Bürgern kostenlos ermöglichen, die Genauigkeit ihres GPS-Empfängers vor Ort zu überprüfen. Auf dem Kreuzberg, zwischen dem Bruder-Franz-Haus und dem Klosterladen steht jetzt dafür ein solcher Punkt, ein sogenannter Geodätischer Referenzpunkt  zur Verfügung.

Zur Vorstellung war eigens Wolfgang Bauer, der Präsident des Landesamts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung von München in die Rhön gekommen. In Bayern soll in jedem Landkreis mindestens ein öffentlicher Geodätischer Referenzpunkt für die Bevölkerung kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, erläuterte er den Hintergrund. Ministerpräsident Markus Söder habe, noch in seiner Funktion als Bayerischer Heimatminister, diese Idee gehabt. Der Punkt im Landkreis Rhön-Grabfeld auf dem Kreuzberg sei der 67. Referenzpunkt in Bayern. Nun haben die Bürger also die Möglichkeit die Genauigkeit ihrer Geräte auf dem Heiligen Berg der Franken zu überprüfen. Es gebe im Privatbereich zahlreiche Anwender, wie beispielsweise Wanderer, Auto- oder Fahrradfahrer, die  GPS-Empfänger als Navigationshilfe beruflich oder in ihrer Freizeit nutzen. In Deutschland seien zudem viele aktive Geocacher unterwegs, also Menschen die in ihrer Freizeit über 300 000 versteckte Schätze, die "Geocaches" aufspüren. Die Genauigkeit dieser Geräte liege üblicherweise zwischen fünf bis 30 Meter Abweichung. Wie ungenau die Geräte wirklich sind, das kann nun am Geodätischen Referenzpunkt am Kreuzberg ausgetestet werden. Ein Geodätischer Referenzpunkt sei quasi eine Eichstelle für GPS-Geräte, nur leider können die meisten Geräte nicht nachjustiert werden, aber der Nutzer weiß zumindest, wie weit sie abweichen.

Folgende Koordinaten weist der Referenzpunkt auf dem Kreuzberg auf: 50° 22,2957‘ nördl. Breite,  09° 58,5725' östl. Länge, UTM: 32U 569420,6 E, 5580403,1 N und 861,3 Meter über NHN (Normalhöhennull). Will man ein GPS-Gerät, das Navi oder das Handy prüfen, stellt man es auf das Bezugssystem WGS84 und das Koordinatensystem auf Geografisch oder UTM ein. Dann legt man das Gerät auf den geodätischen Referenzpunkt und lässt die Koordinaten bestimmen. Dann vergleicht man die gemessenen Koordinaten mit den Koordinaten des Referenzpunktes. Der Standort im Zugangsbereich zum Kloster Kreuzberg sei ideal gewählt, betonte Bauer. Denn der Kreuzberg locke mit seinem Kloster viele Besucher und aufgrund seines umfangreichen Rad- und Wanderwegenetzes auch viele Wanderer und Radsportler an. "So kann jeder sein GPS-Gerät ohne großen Aufwand einfach - im Vorbeigehen oder -fahren - kostenlos überprüfen und sich über mathematische und geodätische Details informieren."

Wo weitere Geodätischer Referenzpunkte zu finden sind, ist auf der Internetseite der Bayerischen Vermessungsverwaltung abzurufen. Ein QR-Code auf der Tafel des Referenzpunktes am Kreuzberg führt direkt zu einer ausführlichen Beschreibung im BayernAtlas. Der stellvertretende Landrat Peter Suckfüll freute sich sehr, dass im Landkreis nun ein öffentlich zugänglicher Geodätischer Referenzpunkt zu finden ist, an dem Nutzer von Smartphones und GPS-Geräten die Genauigkeit ihrer Geräte überprüfen können. Dies sei eine moderne Aufwertung im Bereich Digitalisierung und ein technisches Highlight für die gesamte Region. Besonders gefällt Suckfüll die Umsetzung auf einer Basaltsäule. Auf dieser hüfthohen Säule befindet sich eine Platte, in die Daten wo man sich geografisch gerade befindet, eingraviert sind. Der Leiter des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Bad Kissingen mit seiner Außenstelle in Bad Neustadt Albert Köder freute sich, dass unter den vielen Gästen auch Sandro Kirchner (MdL) und Bürgermeister Georg Seiffert gekommen waren. Für Kirchner ist der Kreuzberg der richtige Punkt für einen Geodätischer Referenzpunkt, sei der Kreuzberg doch ein Ort der Orientierung in ganz unterschiedlicher Weise. Stolz ist Bürgermeister Seiffert, dass dieser Punkt in den Bereich der Stadt Bischofsheim kam. Mit einem Augenzwinkern meinte er: "Am Kreuzberg ist ohnehin der Mittelpunkt der Erde". Eine weitere Spielerei hatten die Mitarbeiter des Vermessungsamtes mitgebracht, den humanoiden Roboter Nao, der die Gäste begrüßte und künftig im Bad Neustädter Amtsgebäude sein zu Hause haben wird. Im übrigen wird es in Kürze im Vermessungsamt in der Kreisstadt auch einen Geodätischen Referenzpunkt geben.

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