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Bad Brückenau
Medizinversorgung

Wer will ins geplante Bad Brückenauer Medzentrum einziehen?

Das im Georgi-Kurpark geplante Medzentrum beschäftigt die Bad Brückenauer. Und zwar nicht erst, seit eine Bürgerinitiative Unterschriften gegen den Standort direkt an der Prümmer-Klinik sammelt. Doch wer möchte in das Haus einziehen? Eine Spurensuche.
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Das direkt an der Capio Franz von Prümmer-Klinik in Bad Brückenau geplante Medzentrum wird derzeit viel diskutiert. Aber wer möchte sich dort überhaupt einmieten? Archiv/Ulrike Müller
Das direkt an der Capio Franz von Prümmer-Klinik in Bad Brückenau geplante Medzentrum wird derzeit viel diskutiert. Aber wer möchte sich dort überhaupt einmieten? Archiv/Ulrike Müller
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"Zahnarzt, Orthopäde, Hausärzte, Augenärzte, Optiker, Sanitätshaus. Es liegen von allen Akteuren der Gesundheit bereits unterschriebene Verträge vor" - So antwortet Investor IWG Ideenwelt Gesundheitsmarkt GmbH aus dem hessischen Gießen auf die Nachfrage, wer sich definitiv entschieden oder zumindest lose Bereitschaft erklärt hat, in das geplante Medzentrum zu gehen.

"Die Anzahl an Mietern ermöglicht nicht nur einen sehr baldigen Projektstart und Baubeginn", verspricht der Investor. Vielmehr seien einige der Praxen dringlich auf geeignete Flächen im neuen Ärztezentrum angewiesen, die sie nutzen könnten.

Allerdings werden in der Stellungnahme keine Namen genannt. Und auch, ob die "unterschriebenen Verträge" bloße Willenserklärungen oder schon rechtlich bindende Vereinbarungen darstellen, war nicht zu erfahren.

Also hat sich diese Redaktion - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - in Bad Brückenau umgehört, wer zu den "Akteuren der Gesundheit" gehört. Vielleicht ein Allgemeinmediziner? Dr. Rainer Nelkenstock, der in der Ernst-Putz-Straße praktiziert, würde ins Ärztehaus ziehen, "wenn es gebaut wird". So ließe sich "die hausärztliche Versorgung in Bad Brückenau auf breitere Beine stellen". Dem 58-Jährigen schwebt eine Praxis in einem modernen Haus vor, in dem "zusätzlich zwei bis drei junge Kollegen" mitarbeiten. Das läge im Trend. Nelkenstock hätte sogar gern schon die Räume geplant.

Cosmas Wildenauer, der seine Praxis in der Kernstadt betreibt, liebäugelt nicht mit einem Umzug an die Prümmer-Klinik. "Für mich als Arzt einer Einzelpraxis ist das Ärztehaus uninteressant." Zu einen verfüge er in der Kapellengasse über familieneigene Räume; zum anderen sei ein Umzug "mit immensen Investitionen" verbunden. In seiner Praxis beobachte er aktuell einen hohen Zulauf an Patienten - obwohl der Standort nicht optimal sei. Wildenauer bezweifelt, den wohl noch größeren Zustrom an der Bahnhofstraße mit seinem Personal stemmen zu können.

Keine klare Antwort kommt aus der Praxis von Dr. Helge Zimmermann in der Altstadt 1a. "Dazu kann ich nichts sagen", teilt seine Frau Adelheid Zimmermann auf Anfrage mit. Als FDP-Stadträtin kritisiert sie den geplanten Standort unmittelbar an der Prümmer-Klinik und stimmte wie sechs weitere Räte im Juli gegen diesen.

Daniel Richter, Inhaber des gleichnamigen Sanitätshauses an der selben Adresse, bestätigt sein prinzipielles Interesse, ins Ärztehaus zu ziehen. "Aber es ist noch nichts entschieden oder unterschrieben." Ein Apotheker aus der Region beabsichtigte ebenfalls, ins Ärztehaus zu gehen. Das Interesse bestehe aber nicht mehr. Von Investor IWG heißt es dazu: "Hier stehen wir mit drei Apothekern in Verhandlungen, priorisieren nach Möglichkeit einen regionalen Akteur."

Sabine Hein, Verwaltungsdirektorin der Prümmer-Klinik, auf deren Gelände sich jetzt schon ein Medizinisches Versorgungszentzrum (MVZ) befindet, sagt: "Nach wie vor ist es das Ansinnen, dass das MVZ mit seinen vorhandenen Arztsitzen ins Medzentrum mit einzieht." Eine verbindliche Unterschrift gebe es aber noch nicht.

Unterdessen bekräftigt die IWG in einer Pressemitteilung noch einmal, dass "das geplante Ärzte- und Gesundheitszentrum ausschließlich im Eingangsbereich der Capio Franz von Prümmer-Klinik Realisierung finden" kann. "Die Eingriffe in den Kurpark werden minimal sein. Alternative Standorte wurden geprüft und in Abstimmung mit der Stadt verworfen." In bereits drei öffentlichen Sitzungen des

Stadtparlaments sei erarbeitet worden, dass ausschließlich die Grundstücksfläche im Eingangsbereich der Prümmer-Klinik für das Ärzte- und Gesundheitszentrum geeignet sei.

"Gründe sind die perspektivisch fortschreitende Verzahnung der ambulanten und

stationären Versorgung, die nicht ausreichende Fläche auf den Alternativgrundstücken,

um den Baukörper mit seinem für medizinische Anforderungen notwendigen Raumtiefen

zu realisieren, die Optimierung der Parkplatzsituation und nicht zuletzt die zu beachtende Zeitschiene." Auch weil die Planung für das Medzentrum weit vorangetrieben sei, "wäre eine Realisierung des Vorhabens an einem anderen Standort nun nicht mehr möglich".

Allerdings erklärt der Investor auch den Erhalt des Georgi-Kurparkes für relevant - und damit "möglichst wenig Eingriffe in die Natur im Zuge der Realisierung". Daher wolle man sich in einem "gemeinsamen Pressegespräch mit Vertretern des Krankenhauses und der Stadt, wie auch den

Initiatoren des Bürgerbegehrens" der Diskussion und Fragen stellen.

Unterdessen füllen sich die Listen, die Gegner des Standortes direkt an der Prümmer-Klinik in der ganzen Stadt ausgelegt haben. Tanja Neubauer, Mitorganisatorin der "Initiative PRO Bad Brückenau", spricht von "knapp 200 Unterschriften", die für das Bürgerbegehren zusammengekommen sind.

Augenfällig sei, dass besonders viel an den Orten in der Stadt unterschrieben werde, wo die Menschen leicht hinkämen, zum Beispiel bei Blumen Hurrlein oder dem Weltladen in der Ludwigstraße. Wie berichtet, bräuchte die Initiative nach jetzigem Stand mindestens 503 Unterschriften, um einen Bürgerentscheid anstoßen zu können. Das entspräche zehn Prozent der wahlberechtigten Bad Brückenauer.

Auch zum Bürgerbegehren nimmt Investor IWG übrigens auf Nachfrage Stellung: Man gehe davon aus, "dass die parlamentarisch zweimal bestätigten Zusagen der Stadt Bad Brückenau den Standort betreffend eingehalten werden." Das Bürgerbegehren zeige, dass der Dialog mit der Bevölkerung weiter geführt werden müsse, um Verständnis und Akzeptanz zu schaffen, warum der gewählte Standort verhältnismäßig und sinnvoll sei. "Das Vertrauen in demokratisch legitimierte, öffentlich diskutierte Entscheidungen sollte im Interesse der Stadt aber nicht gefährdet werden. Andernfalls wäre die Realisierung des Ärzte- und Gesundheitszentrums grundsätzlich gefährdet, insbesondere bei Verzögerungen auf der Zeitachse."