Bad Brückenau
fairtrade

Weltladen ist längst feste Größe

Die Fairtrade-Stadt Bad Brückenau und der Weltladen standen im Mittelpunkt eines Stadtgesprächs. Beide Projekte sind untrennbar verbunden und ergänzen sich.
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Raum ist in der kleinsten Hütte. Mit Leben erfüllt wurde dieses Sprichwort beim PWG-Stadtgespräch im Bad Brückenauer Weltladen in der Ludwigstraße. Die Teilnehmer staunten über die Vielfalt des fair gehandelten Warenangebots, das regelmäßig erweitert wird.    Rolf Pralle
Raum ist in der kleinsten Hütte. Mit Leben erfüllt wurde dieses Sprichwort beim PWG-Stadtgespräch im Bad Brückenauer Weltladen in der Ludwigstraße. Die Teilnehmer staunten über die Vielfalt des fair gehandelten Warenangebots, das regelmäßig erweitert wird. Rolf Pralle
Interessante Zahlen und Fakten hatte Maja Kirchner vom Weltladen-Team für die Teilnehmer des Stadtgesprächs parat, das die Parteilosen Wählergruppe (PWG) organisiert hatte. Dabei fiel auch immer wieder der Name Dirk Hönerlage, der als Gründungsmitglied und Vernetzer zwischen Verein, Weltladen und Steuerungsgruppe der Stadt aus der Arbeit nicht wegzudenken sei. "Er treibt unser Anliegen mit viel Energie voran", so die Referentin. Kirchner blickte kurz auf die Entwicklung des fairen Handels in Bad Brückenau zurück. 1987 gründete sich die "Dritte-Welt-Initiative", aus der 2001 der Verein "Eine-Welt-Gruppe" wurde. 2005 erfolgte die Eröffnung des ersten Weltladens in der Oberen Badersgasse. Heute hat das Geschäft seinen Standort in der Ludwigstraße.
 
"Wir arbeiten nicht gewinnorientiert", machte die Rednerin mehrfach deutlich. Die Erlöse würden ausgewählten Projekten in den Erzeugerländern zufließen. Man nehme für sich durchaus in Anspruch, persönliche Kontakte zu den Projektleitern und Helfern vor Ort zu pflegen und möchte mit den Geldern "Hilfe zur Selbsthilfe" ermöglichen.
 
Das Engagement im Weltladen läuft von Beginn an Hand in Hand. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter teilen sich die Aufgaben wie Bestellung, Putzen, Dekoration, Ladenausbau und Abrechnung untereinander auf. Die fünf Partner des Weltladens sind GEPA, GLOBO, dwp, El puente, Fair-Handel Münsterschwarzach und auf regionaler Ebene Lebenshilfe und Lebenswurst.
 
Die Teilnehmer erfuhren vor Ort auch, dass es zehn Fairtrade-Standards gibt, die beim Verkauf der Produkte eingehalten werden. Dazu gehören Chancen für benachteiligte Produzenten, Transparenz und Rechenschaftspflicht. Wichtige Rollen spielen darüber hinaus die Handelspraktiken und die Bezahlung. Es darf keine ausbeuterische Kinderarbeit oder Zwangsarbeit geben. Weitere Stichworte waren unter anderem Versammlungsfreiheit und Geschlechtergerechtigkeit, gute Arbeitsbedingungen, Aus- und Weiterbildung sowie Schutz der Umwelt. "Mit Hilfe dieser Standards können unsere Ziele wie bessere Bildung, Gleichstellung von Mann und Frau, Nachhaltigkeit, Achtung der Menschenrechte und vieles mehr erreicht werden", so Kirchner.


Vorreiterrolle

Bad Brückenau wurde 2012 die erste Fairtrade-Stadt in der bayerisch-hessischen-thüringischen Rhön. Diese Zertifizierung wird in regelmäßigen Abständen von verantwortlicher Seite überprüft. Mittlerweile sind es rund 30 Unternehmen, die im Ortskern und in der unmittelbaren Umgebung fair gehandelte Waren in ihrem Sortiment haben.
 
"Wir sind sehr innovativ im ehrenamtlichen Engagement mit allen Mitarbeitern, bunt im Stadtbild und vorbildlich im Versuch, den Handel gerechter zu gestalten", brachte Maja Kirchner die Intention aller Beteiligten auf den Punkt. "Wir möchten viele weitere kleine Schritte in die richtige Richtung gehen", sagte sie in einem kurzen Ausblick. Der Weltladen beteilige sich an vielen Aktionen wie Pinklauf, Lichterglanz, Stadtfest oder Ferienprogramm und trage somit sowohl zur Steigerung der Lebensqualität in Bad Brückenau als auch zur Vernetzung auf überregionaler Ebene bei. Man freue sich, dass laut des aktuellen Fairtrade-Jahresberichtes der Absatz von gerecht gehandelten Waren steige. "Wir glauben, dass viele Menschen verstehen, dass Mensch und Natur schützenswert sind und so nachhaltig auch Fluchtursachen bekämpft werden können", ist sich die Referentin sicher.

Bad Brückenaus 2. Bürgermeister Jürgen Pfister (PWG), der selbst der Steuerungsgruppe angehört, machte einige Ausführungen aus Sicht der Stadt. Großes Lob zollte er allen Ehrenamtlichen für deren unermüdlichen Einsatz. Der Weltladen sei von Beginn an eine Bereicherung für die Kommune gewesen.

Etwas mehr Resonanz beim Bürgergespräch hätte sich PWG-Vorsitzender Jonathan Kirchner gewünscht. Angesichts der brütenden Hitze konnte er aber durchaus verstehen, "dass die Leute momentan andere Dinge im Kopf haben und sich lieber im Schatten ausruhen".


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