Eckarts

Von Eckarts nach Brasilien

Julia Hildmann lebte insgesamt schon mehrere Jahre in Brasilien. Nun zieht es die junge Frau erneut in die Ferne. Für ihr Projekt sucht sie Unterstützer.
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Im Sommer hat Julia Hildmann in Eckarts einen Dorfgemeinschaftsgarten aufgebaut. Foto: Yukio Tee
Im Sommer hat Julia Hildmann in Eckarts einen Dorfgemeinschaftsgarten aufgebaut. Foto: Yukio Tee
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Bunte Post-its mit Terminen hängen an ihrer Wand. An einer Stange baumeln Flaschenkürbisse. Julia Hildmann lässt sie trocknen, um damit einen Berimbau zu basteln, ein Musikinstrument aus dem Nordosten Brasiliens. Dorthin zieht es die 28-Jährige, die aus dem kleinen Ort Eckarts im Sinntal stammt, immer wieder. Für die Bildungsbewegung "Prece" im Sertão, der ärmsten Region des lateinamerikanischen Landes, möchte sie ab kommendem Frühjahr arbeiten, zunächst selbst finanziert. Dafür sucht sie in ihrer Heimat Unterstützer.

"Seit meinem ersten Besuch in Brasilien interessiert mich das Thema Armutsbekämpfung", sagt Hildmann. Das war gleich nach dem Abitur. Ein Jahr lang arbeitete sie mit der Marburger Mission erst in Slums und unterstützte später die kirchliche Jugendarbeit auf dem Land. Sie erzählt von einer Fußballschule, die sie damals aufbaute, und dass unheimlich viele junge Menschen ihre Heimat verlassen, weil sie sich in der Stadt ein besseres Leben erhoffen - und häufig nicht finden.

Zurück in Deutschland studierte Julia Hildmann Soziologie. Den Bacherlor machte sie in Bamberg, den Master mit dem Schwerpunkt Organisationsentwicklung von Non-Profit-Organisationen in Heidelberg. Eigentlich hatte sie beschlossen, nach insgesamt 29 Monaten in Brasilien nicht mehr in der Entwicklungszusammenarbeit aktiv zu sein, sie wollte keinen Neokolonialismus, bei dem westliche Helfer Einheimische belehren. Dann aber traf sie auf "Prece".


Initiative direkt aus der Region

"Prece" ist eine Bildungsbewegung, die im Jahr 1994 von sieben arbeitslosen Brasilianern ins Leben gerufen wurde. Einer von ihnen ist Manoel Andrade, inzwischen Hochschulprofessor für Chemie, berichtet Hildmann. Die jungen Leute motivierten sich gegenseitig, ihren Träumen zu folgen und an den Dingen, die sie gut können, zu arbeiten. Ihre Strategie nannten sie "kooperatives Lernen". Heute gebe es 13 lokale Schülervereinigungen im Sertão, die dieses Prinzip anwenden. "Nicht jeder, der diese Gruppen besucht, hat eine Chance, auf die Uni zu kommen", bleibt Hildmann realistisch. Aber: "Prece hat eine Methode entwickelt, die einzigartig ist in der Region und die funktioniert."

Für ihre Masterarbeit sprach die junge Frau mit Manoel Andrade. Er schilderte ihr, dass er nach der politischen Krise im vergangenen Jahr die Kürzung von Geldern im Bildungsbereich befürchte. "Prece" müsse dringend selbst Gelder sammeln - sei es bei privaten Unternehmen, der Zivilgesellschaft oder durch die Vermarktung der eigenen Methode zum Beispiel an Privatschulen. Zum anderen interessierten sich Nachbardistrikte oder beispielsweise Jugendgefängnisse für den Ansatz des "kooperativen Lernens". Hier Bildungsarbeit zu leisten, sehe "Prece" als ein wichtiges Ziel für die Zukunft an. "Das Faszinierende ist, dass sie schon jetzt mit dem staatlichen Bildungssystem zusammenarbeiten und 600 Lehrer an 300 Schulen mit der Methode vertraut gemacht haben", berichtet Julia Hildmann.

Nun sammelt die junge Frau Geld mittels Crowdfunding - ein Finanzierungsmodell, bei dem viele Menschen mit kleinen Beträgen ein Projekt verwirklichen. Denn das erste Jahr, in dem sie "Prece" unterstützen wird, muss sie selbst finanzieren. Sie wird Kontakte knüpfen und eine Strategie entwickeln, mit der die Bildungsbewegung finanziell unabhängiger wird und Leute dafür bezahlen kann, die Lernmethode weiterzugeben. Mehr Infos gibt's im Internet.
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