Fast ist der Weiler "Silberhof" schon in Vergessenheit geraten. Lediglich wer sich näher mit der Geschichte des Truppenübungsplatzes Wildflecken und den abgesiedelten Dörfern befasst, dem ist der Name noch ein Begriff. Der Silberhof lag am Nordosthang des Großen Auersbergs, doch mit dem Bau des Truppenübungsplatzes kam das Aus für den kleinen Ort. Heute erinnert nichts mehr an den Silberhof, die ehemaligen Höfe und Gebäude sind verschwunden.

Doch es gibt noch Fotografien, und in alten Dokumenten finden sich Hinweise. Diese hat der Ortschronist von Wildflecken, Walter Kömpel, zusammengetragen und nun in einem Buch veröffentlicht. Mit Leidenschaft für Geschichte und vor allem für die alten Dörfer des Truppenübungsplatzes, seinem Eifer und fundierten Fachwissens ist es ihm gelungen, durch die Befragung von Zeitzeugen und Recherchen im Staatsarchiv und Diözesanarchiv in Würzburg, dass dieses Stück Heimatgeschichte für künftige Generationen erhalten bleibt. "Von Kindesbeinen an interessierte ich mich für die abgesiedelten Dörfer", berichtet Kömpel von seiner Faszination.

Nach den Chroniken über die Auersberghöfe und Rothenrain hat er sich nun des Silberhofs angenommen.

216 Seiten

In 31 Kapiteln wird auf 216 Seiten die Geschichte des kleinen Weilers zum Leben erweckt. Fotos, Ausschnitte aus alten Zeitungen und amtliche Bekanntmachungen zeichnen ein Bild von einem harten Leben in einem Rhöndorf zu früherer Zeit.

Zu seinem Namen kam der Weiler Silberhof, der 1696 erstmals urkundlich erwähnt wurde, weil die ersten Siedler noch im Glauben waren, dass sie bei Grabungen auf Silber gestoßen seien. Sie mussten sich jedoch bald damit abfinden, dass es sich bei den Schürfungen lediglich um Schwerspat handelte. Dieser Schwerspat aber sollte die wirtschaftliche Situation rund um den Großen Auersberg bis Anfang der 1970er Jahre beeinflussen.

Der Silberhof war ein kleiner Weiler, eine Streusiedlung und gehörte zur Gemeinde Reußendorf. Das Leben war von Armut und Entbehrungen geprägt, die Bewohner lebten von der kargen Landwirtschaft, der Herstellung von Pottasche, der Waldarbeit, dem Abbau von Schwerspat oder handelten mit selbst hergestellter hölzerner Ware oder irdenem Geschirr. Dieser Handel führte sie vor allem ins Franken- und benachbarte Hessenland. Die Not trieb allerdings auch viele Einwohner weg vom Silberhof. Sie wanderten zunächst nach Ungarn und später nach Nordamerika aus und versuchten dort ihr Glück. Der Silberhof wurde als ärmstes Dorf Unterfrankens bezeichnet.

Große Herausforderung

Vor 80 Jahren mussten die letzten Bewohner ihren Heimatort verlassen. "Die Geschichte des kleinen beschaulichen Orts zu erfassen, war eine große Herausforderung für mich. Gemeindeunterlagen sind unauffindbar. Es erfolgte nur eine einmalige Aktenabgabe an das Staatsarchiv in Würzburg. Der Verbleib der übrigen Dokumente liegt im Dunkeln", berichtete Kömpel. Wertvolle Hinweise lieferten die erhaltenen Kirchenbücher und diverse andere Unterlagen.

Eine weitere Herausforderung war, in Silberhof geborene Personen beziehungsweise deren Nachfahren ausfindig zu machen, um an Fotomaterial und mögliche Aufzeichnungen zu gelangen. "Nach Sichtung der erhaltenen Unterlagen war ich fasziniert. Was hatte dieser kleine Ort an Gewerbe, Vereinsleben und weiteren interessanten Aspekten zu bieten." Elf Vereine gab es, einen Kriegerverein, eine Freiwillige Feuerwehr, einen Darlehnskassenverein, einen Rhönklub-Zweigverein, eine Musikkapelle, eine Ortsgruppe Kriegsbeschädigter, eine Kleinbauerinnung, einen Fußballverein, einen Ortsbienenverband und in späteren Jahren die Hitler-Jugend.

An Gewerbetreibenden werden Müller, Glasmacher, ein Gastwirt, Pottaschensieder, Aschensammler, Weber, Ziegler, Schneider, Schuhmacher, Maurer und Steinhauer genannt. Es gab Gemeinde- und Polizeidiener, Wald- und Flurhüter, Leichenschauer und eine Hebamme. Wie viele Menschen wirklich im Silberhof lebten, ist schwer zu sagen, doch bekannt ist, dass bei der Absiedlung 171 Silberhofer ihre Heimat verlassen mussten.

Zuordnung der Hausnummern

Schwierig gestaltete sich für Walter Kömpel die Zuordnung der Hausnummern, die sich im Laufe der Zeit geändert haben, ohne dass ein Schema zu erkennen war. "Die Zuordnung von Familien zu den Häusern und Hausnummern war sehr schwierig. Hinzu kamen die vielen Namensgleichheiten. Söhne wurden nach dem Vater benannt, und war ein Kind verstorben, erhielt das Nächste einfach den gleichen Namen. Es gibt unübersichtlich häufig Johann und Johannes."

Unterstützung fand Walter Kömpel bei Matthias Elm bei der Erstellung der Hauschronik und Karl Hahn, der für das Layout zuständig war. Ein Kapitel des Buches stammt von Nadine Kleinhenz, deren familiäre Wurzeln im Silberhof liegen. Sie beschreibt, wie es den Familien erging, die Silberhof verlassen und eine neue Zukunft aufbauen mussten. Herbert Schneider gestaltete das Cover sowie weitere Bilder im Inneren des Buches.

Der Erwerb des Buches ist im Rathaus Wildflecken und bei Walter Kömpel, Am Küppel 14 in Oberbach, Tel. 09749/614 oder per E-Mail wkoempel@t-online.de möglich.

Silberhof - Blick in die Historie

Die Gründung des kleinen Ortes Silberhof liegt in der Zeit zwischen 1687 und 1696. Mit den Rodungen wurde 1687 begonnen, die erste Trauung und damit urkundliche Nennung fand 1696 statt. Mit der Gründung des kleinen Ortes wurde eine Mühle errichtet. Unweit der Mühle lagen die Glashütte und eine Pottaschensiederei. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in Silberhof eine Ziegelhütte betrieben. Ein Dorfgasthaus gab es erst ab 1837, obwohl das Schankrecht bereits 1769 gewährt worden war. 1860 wurde der Bau eines Schulhauses genehmigt, der Bau begann jedoch erst 19 Jahre später. Ab den 1880er Jahren wurde Schwerspat abgebaut. Kirchlich gehörten die Bewohner Silberhofs zur Pfarrei Oberbach und auch die Toten wurden hier bestattet. Politisch gehörte der Ort mit der dazugehörigen Mühle nach der Gründung zu Bischofsheim. 1862 wurden die Bezirksämter neu geordnet. Der Weiler Silberhof, der 1818 schon Reußendorf zugehörig erklärt wurde, kam gemeinsam mit Oberbach, Wildflecken, Rothenrain und Reußendorf zum Bezirksamt Bad Brückenau. Immer wieder gab es Versuche der Silberhöfer, sich von Reußendorf zu lösen (zuletzt 1926). 1938 musste Silberhof, wie auch Alt- und Neuglashütten, Reußendorf, Rothenrain und Werberg für den Bau des Truppenübungsplatzes verlassen werden.