Kothen
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Trockenheit in der Rhön: Die Kleine Sinn ist partiell trocken

Die Kleine Sinn ist auf mehreren hundert Metern ausgetrocknet. Das hat Auswirkungen für die Bachlebewesen, ein Fischsterben gab es bislang jedoch nicht.
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Das trockene Bachbett der  Kleinen Sinn. Foto: Stefanie Elm
Das trockene Bachbett der Kleinen Sinn. Foto: Stefanie Elm
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Keiner der Bewohner in Kothen hat das schon einmal erlebt, auch nicht davon gehört. Aber nach diesem Sommer hat es auch die Kleine Sinn getroffen: Sie ist trocken, zumindest partiell. Von der Grenze des Truppenübungsplatzes aus kann man auf circa 500 Metern trockenen Fußes im Bachbett spazieren gehen. Jenseits des Grenzzauns ebenfalls ein trockenes Bachbett soweit das Auge reicht. Christoph Spiekermann vom Bundesforst ist zuständig für den Bereich Schmelzhof bis zur Grenze und schätzt, dass in der Kleinen Sinn in seinem Revier auf circa 200 Metern kein Wasser mehr sei. Die Quellen schütten wohl noch, zumindest hat sein Kollege Manfred Öldemann am Oberlauf des Baches noch Wasser gesehen.

Auch aus dem letzten der beiden Biberdämme fließt noch Wasser heraus. Die Biberbauten werden in Teilen der Bevölkerung dafür verantwortlich gemacht, dass sie das Wasser entnehmen. "Das kann ich mir nicht vorstellen", so Spiekermann. Zwar halte der Biber Wasser kurzfristig "für den Eigengebrauch" zurück, doch dann fließe das Wasser wieder weiter. Durch die lange Trockenheit jedoch gibt es von den Quellen am Dammersfeld natürlich "einen geringeren Zufluss", so der Revierleiter.

Dagmar Mußhoff vom Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen bestätigte zwar, dass der Zustand der Gewässer in Unterfranken kontrolliert und dokumentiert wird, doch kann nicht jedes kleine Gewässer untersucht werden. Über die Kleine Sinn im Bereich Kothen liegen dem Amt keine Daten vor. Die Messstelle in Bad Brückenau misst und übermittelt jedoch täglich den Pegelstand der Großen Sinn, in die die Kleine Sinn mündet. Seit zwei Monaten wird die dortige Abfluss-Situation mit "sehr niedrig" bezeichnet, nur am 23. September war die Wassermenge der Sinn im grünen Bereich. Von bestimmten Bächen wisse man, dass sie regelmäßig austrocknen. "Bei extremen Witterungsbedingungen fallen weitere Abschnitte trocken", sagt Mußhoff.

Wenn nun die Quellen der Sinn weiterhin sprudeln, wenn auch nicht so ergiebig wie üblich, und die Biberdämme das Wasser nur kurzfristig aufhalten, wo ist das Wasser geblieben? Auch mehrere alte Mühlgräben entnehmen Wasser, führen es dem Bach aber wieder zu. "Fließgewässer stehen im Austausch mit dem Boden und dem Grundwasser", erklärt Mußhoff. So könnte Wasser versickert, abhängig von den Lufttemperaturen auch verdunstet sein.

Vereinzelt finden sich in dem ansonsten trockenen Bachbett Mulden, in denen tiefdunkles, fast schwarzes Wasser steht. Ingo Queck, vom Bund Naturschutz und Biologielehrer am Franz-Miltenberger-Gymnasium, kann, ohne selbst vor Ort gewesen zu sein, nur Vermutungen anstellen: "Das könnte darauf hindeuten, dass dort Humus gelöst ist". Das Wasser könnte aus dem umgebenden Untergrund in die tiefere Senke zusammengeflossen sein und Stoffe aus der Erde mitgenommen haben. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass Zersetzungsprozesse in der Senke für die dunkle Färbung sorgen.

Auswirkungen werden die extremen Bedingungen dieses Sommers auf die Lebewesen im Bach haben. Fällt ein Bach trocken, ist der natürliche Lebensraum für Wasserkäfer, Insekten und Flohkrebse weg. Deren Möglichkeiten bestehen im Ausweichen oder Anpassen, erklärt die Fachfrau vom Wasserwirtschaftsamt. Entweder finden die Tiere eine andere Nische, oder sie können "im Untergrund eine Weile überleben". Doch auf lange Sicht fehle ihnen die Lebensgrundlage. "Kurioserweise gab es dieses Jahr relativ wenig Fischsterben", berichtet Mußhoff. Wenn das Wasser langsam zurückweicht, haben die Tiere vielleicht einen Rückzugsort gefunden.

Wo die circa 100 Eschen und Rhönforellen geblieben sind, die Hans Bauer im Mai dieses Jahres ausgesetzt hatte, fragt er sich auch. Am Alten Sportplatz, am Campingplatz und im Unterdorf hatte der Eigentümer des Fischrechts in Kothen die Jungfische ins Wasser gelassen, damit sie sich vermehren. "Das kann ich jetzt vergessen", klagt Hans Bauer. "So finde ich keinen Pächter. Zu unlukrativ." Seit zwei Wochen sei das Bachbett der Kleinen Sinn schon "staubtrocken", wo seine Fische geblieben sind, ist ihm ein Rätsel. Denn tote Fische hat er an besagtem Abschnitt nicht gefunden.

Eventuell haben sie bachabwärts eine neue Bleibe gefunden. Denn noch oberhalb des Biberdamms am Pilsterfelsen speist eine recht ergiebige unterirdische Quelle die Kleine Sinn. In Kothen selbst und in Speicherz fließt also noch etwas Wasser.

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