Bad Brückenau
Bauvorhaben

Therme Sinnflut: Teilneubau ist wirtschaftlicher

Noch immer laufen die Verhandlungen über Fördergelder mit der Regierung von Unterfranken. Das Prozedere dauert so lange, weil der erste Vorschlag einer Generalsanierung inzwischen verworfen wurde.
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Kurz vor der Fertigstellung: Die Außenanlagen müssen noch gemacht werden. Eröffnet wurde das Freizeitbad Sinnflut im Februar 1996. Foto: Therme Sinnflut
Kurz vor der Fertigstellung: Die Außenanlagen müssen noch gemacht werden. Eröffnet wurde das Freizeitbad Sinnflut im Februar 1996. Foto: Therme Sinnflut
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Seit Langem wird in der Stadt über die anstehende Sanierung der Therme Sinnflut gesprochen. Die Erneuerung des Umkleidebereichs - hier lässt sich der Reparaturbedarf besonders deutlich ablesen - sollte schon vor drei Jahren angepackt werden. Doch es ergibt einfach keinen Sinn, jetzt noch Geld hineinzustecken, wenn ohnehin klar ist, dass bald das gesamte Bad zur Baustelle wird.

Mehr als zwei Jahre schon beschäftigen sich die Stadtwerke mit den nötigen Arbeiten. Stadtwerke-Chef Michael Garhamer geht von einer Bauzeit von bis zu zwei Jahren aus. Während dieser Zeit müsste die Sinnflut wohl schließen. Als Investitionssumme steht ein Betrag zwischen 20 und 25 Millionen Euro im Raum. Auch wenn Garhamer diese Zahlen als "wenig belastbar" ansieht, vermitteln sie doch einen Eindruck von der Dimension des Bauvorhabens.

"Es werden Gespräche mit der Regierung von Unterfranken über die Höhe des Fördersatzes geführt", gibt Zweiter Bürgermeister Jürgen Pfister (PWG) Auskunft. Die dauern schon eine ganze Weile. Der Grund: Zunächst waren die Planer von einer Generalsanierung ausgegangen. Doch inzwischen ist klar, dass ein Teilneubau des Kerngebäudes wirtschaftlicher ist, erklärt Garhamer. Der Stadtwerke-Chef und die Bürgermeisterin hatten sich zuletzt optimistisch gezeigt, dass eine Förderzusage bis Ende des Jahres eingehen könnte.

Das erscheint allerdings wenig wahrscheinlich zu sein, noch hat die Stadt nämlich keinen formellen Förderantrag bei der Regierung von Unterfranken gestellt - zumindest für die zweite Variante eines Teilneubaus. "Wir haben vor wenigen Tagen die Stadt nochmals gebeten, einen solchen Förderantrag zu stellen", teilt Pressesprecher Johannes Hardenacke auf Nachfrage der Redaktion mit. Die Kosten müssten konkretisiert werden, damit die Ausgaben im Haushalt des zuständigen Ministerium berücksichtigt werden könnten.

Laut Garhamer liege der Regierung bereits umfangreiches Material vor. Der Förderantrag werde in den nächsten zwei Wochen gestellt. Dennoch könnte es knapp werden. "Eine Förderzusage bis Jahresende erscheint damit nicht realistisch, wäre zudem auch von der Bereitstellung entsprechender Haushaltsmittel im Nachtragshaushalt abhängig", ergänzt Hardenacke.

Idee: Neubau an anderer Stelle

Im Internet kursiert seit dem vergangenen Wochenende indes die Idee eines Bad Brückenauers, die Therme an anderer Stelle komplett neu zu bauen. Hans-Jörg Heidelmeier ist ein bekannter Unternehmer in der Stadt. Im Rahmen der Vorstellung der Interessenten für einen Sitz im Stadtrat für die PWG schlägt er vor, das Schwimmbad im Sinntal - zum Beispiel auf dem Gelände des 1. FC Bad Brückenau - neu zu errichten und so "die Lücke zwischen Stadt und Staatsbad sinnvoll" aufzufüllen.

Die Vorteile: Während der Bauphase könne der Betrieb im alten Bad weiterlaufen, die lange Schließzeit von Bad und Sauna aufgrund der Sanierung würde entfallen. Die Sportkegler könnten die Kegelbahn im jetzigen Schwimmbad weiter nutzen, das Bad selbst würde später zum Bürgerhaus, eventuell mit Stadthalle, umgebaut werden, schreibt Heidelmeier. Der "fast schon vergessene" Siebener Park könne aufgewertet und erweitert werden.

"Ein überlegenswerter Gedanke", sagt Garhamer als Reaktion auf diese Vision. Allerdings hätten die Stadtwerke selbst schon diese Option durchgespielt, und vor allem grob durchgerechnet. Ein kompletter Neubau an anderer Stelle wäre "erheblich teurer", weil dann auch das Freibad, die Saunalandschaft, das Blockheizkraftwerk und der Parkplatz neu gebaut werden müssten.

Förderquote für Parkplätze zu niedrig

Bei der anstehenden Sanierung mit Teilneubau geht es dagegen im Kern um den Gebäudekörper, der auf das ursprüngliche Schwimmbad aus dem Jahr 1969 zurückgeht. Zudem muss die Technik erneuert werden. Auch wenn der Austausch der Technik die Außenbecken und den Saunabereich betrifft, weil diese Bereiche vom Bad mitversorgt werden, seien dort keine größeren Arbeiten nötig, erklärt der Stadtwerke-Chef.

Eine Information lässt Garhamer fast schon am Rande fallen. Die Parkplätze, die eigentlich auf der ehemaligen Bahntrasse hätten entstehen sollen, werden die Stadtwerke nun nicht bauen. Die Förderquote der Regierung von Unterfranken war zu niedrig ausgefallen, das sei erst kürzlich mitgeteilt worden, sagt Garhamer. "Wir müssen uns auf das Wesentliche beschränken", begründet er diese Entscheidung. Die Stadt aber hatte den Rhönexpress Bahn-Radweg eigens deshalb in einer umstrittenen Aktion direkt an die Umgehungsstraße verlegt. Nun könnte höchstens noch die Stadt die Parkplätze bauen.

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Eckdaten zur Therme Sinnflut

Bausubstanz 50 Jahre ist der Grundbaukörper alt. Im Jahr 1996 wurde das Hallenbad an der Sinn zum Freizeitbad für Familien erweitert. Ein Großteil der Technik geht ebenfalls auf diese Zeit zurück und ist damit mehr als 20 Jahre alt.

Betriebskosten Wie wohl die meisten öffentlichen Bäder ist auch die Therme Sinnflut defizitär. Der Betrieb macht etwa ein Minus von einer Million Euro pro Jahr. Die Stat schießt jährlich 250.000 Euro zu, die Stadtwerke tragen den Rest.

Heilwasser Die Therme Sinnflut hat am aktuellen Standort direkt Zugang zum Heilwasser aus der Siebener Quelle, die nicht weit entfernt liegt. Das Wasser wird in allen Becken verwendet und fließt auch im Saunabereich.

Kegelkeller Aktuell nutzt der Sportkeglerverein die Trainingsanlage im Keller der Therme Sinnflut. Die Kegelbahn ist eigentlich noch in gutem Zustand. Die neue Technik nimmt aber weitaus mehr Platz in Anspruch, so dass die Kegelbahn bei den anstehenden Bauarbeiten abgerissen werden wird.

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