Bad Brückenau
Gedenken

Termin für die Stolpersteine steht

Mit der Aktion von Schülern des Franz-Miltenberger-Gymnasiums soll an ermordete Juden erinnert werden.
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Noch viel Arbeit vor sich: Die Seminarteilnehmer des Praxis-Seminars "Jüdisches Leben in Bad Brückenau-Erinnerung, Mahnung und Auftrag" der Oberstufe des Franz-Miltenberger-Gymnasiums in ihrem Seminarraum. Johannes Schlereth
Noch viel Arbeit vor sich: Die Seminarteilnehmer des Praxis-Seminars "Jüdisches Leben in Bad Brückenau-Erinnerung, Mahnung und Auftrag" der Oberstufe des Franz-Miltenberger-Gymnasiums in ihrem Seminarraum. Johannes Schlereth
Am 23. Februar ist es endlich so weit: Das P-Seminar "Jüdisches Leben in Bad Brückenau-Erinnerung, Mahnung und Auftrag" der Oberstufe des Franz-Miltenberger-Gymnasiums erreicht einen bedeutenden Meilenstein: In der Bad Brückenauer Ludwigsstraße werden die ersten acht Stolpersteine zum Gedenken an jüdische Mitbürger, die unter der Herrschaft der Nationalsozialisten ermordet wurden, gesetzt.

Bei dem Projekt der Stolpersteine handelt es sich um ein länderübergreifendes Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Vor jedem Haus, in dem jüdische Bürger lebten, die zur Zeit des NS-Terrors deportiert und ermordet wurden, soll eine im Pflaster eingelassene Messingplatte mit biografischen Daten an die Opfer erinnern. Der Gedanke, der dahinter steht, ist den im Konzentrationslager zu Nummern degradierten Menschen ihren Namen und ein Stück ihrer Würde zurückzugeben. Aktuell wurden im Rahmen dieser Aktion rund 63000 Steine in 21 Ländern verlegt. Nun also auch in Bad Brückenau: "Diese zunächst auf acht Steinen dargestellten Biografien stellen kein Nein zu den übrigen jüdischen Schicksalen in Bad Brückenau dar", führt der Seminarleiter Dirk Hönerlage aus. Man wolle initiativ tätig werden, die Arbeit des Seminars sei nicht als abgeschlossenes Projekt zu betrachten, da es noch weitere deportierte und in den Todeslagern ermordete Bürger aus Bad Brückenau gibt.

Auf die Fragen, warum zunächst nur acht Steine verlegt werden sollen, und weshalb genau diese acht Schicksale ausgewählt wurden, können die Schüler Rede und Antwort stehen. Man habe sich bei der Auswahl der Biografien an den Quellen orientiert. Bei den ausgewählten Biografien verfüge man über gesicherte Quellen, die fehlerloses Arbeiten ermöglichen würden.

Doch das ist nicht das einzige Projekt, das von den Schülern um den Seminarleiter Dirk Hönerlage umgesetzt wird. "Das Seminar beschränkt sich nicht nur auf die Nazizeit", erklärt mir Fabian Meißner, "es gab auch Zeiten in Bad Brückenau, in denen das Zusammenleben zwischen Juden und Nichtjuden gut geklappt hat". So entsteht unter anderem seminarintern eine Broschüre, die versucht, ein umfassendes Bild des jüdischen Lebens in Bad Brückenau zu zeichnen. Diese soll in einer Auflage von 500 bis 1000 Stück gedruckt werden. "Die Broschüre ist bewusst nicht zu wissenschaftlich gehalten, so können engagierte Schüler diese für ein Referat verwenden, aber auch Kurgäste sollen die Möglichkeit haben, sich über jüdisches Leben in Bad Brückenau informieren zu können", führt der Seminarleiter Dirk Hönerlage den Gedanken hinter der Broschüre aus.

Daneben soll als Begleitschrift zur Stolpersteinverlegung ein begleitendes Programmheft entstehen, in welchem unter anderem die Biografien der jüdischen Opfer des Nazi-Regimes zu finden sind. Unterstützt wird das Seminar dabei von einer Fülle an Sponsoren wie Firmen, Kirchen und der Stadt Bad Brückenau.

Aber wie kam es überhaupt zu einer solchen Fülle an Projekten? Die Antwort lässt sich in der Findungsphase des Seminars finden. "Viele der anfangs 13 Teilnehmer hatten Wissenslücken über das jüdische Leben in Bad Brückenau. Also haben wir zunächst bewusst jüdische Orte aufgesucht, um Hintergrundwissen zu schaffen, wie den Friedhof in Altengronau oder das Shalom-Haus in Würzburg. Quasi hinfahren um zu erfahren", führt Dirk Hönerlage aus. Aus diesen vielfältigen Eindrücken entstanden dann die Projekte.

Auch wenn das Praxisseminar bereits im Januar 2018 enden wird, ziehen die Schüler bei der Stolpersteinverlegung alle an einem Strang. Beeindruckend ist das Engagement der Schüler im Rahmen des Seminars. Keiner drückt sich vor den noch anstehenden Aufgaben. So müssen neben den anderen Projekten zum Beispiel noch Paten für die ersten acht Stolpersteine bestimmt werden, Einladungsschreiben formuliert werden und ein Programm für die Stolpersteinverlegung ausgearbeitet werden. Allerdings ist die Arbeit des Seminars weder am 31. Januar noch mit der Erstverlegung am 23. Februar beendet: Es gilt, die Fackel der Erinnerung an die nächste Generation weiterzugeben.


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