Bad Brückenau
Erinnerung

Stolpersteine gegen das Vergessen nun auch in Bad Brückenau

Stolpersteine erinnern jetzt auch in Bad Brückenau an ehemalige jüdische Mitbürger, die während der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden.
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Der Künstler Gunter Demnig verlegt in Bad Brückenau die ersten Stolpersteine.Jphannes Schlereth
Der Künstler Gunter Demnig verlegt in Bad Brückenau die ersten Stolpersteine.Jphannes Schlereth
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"Vergesst nur nicht!", appelliert der 1944 in Auschwitz ermordete Peter-David Blumenthal-Weiss in einem Gedicht an die Nachwelt. Dieser Appell wurde von den Jugendlichen des Projektseminars "Jüdisches Leben in Bad Brückenau-Erinnerung, Mahnung und Auftrag" gehört und in Zusammenarbeit mit der Stadt sowie dem Künstler Gunter Demnig durch eine Erstverlegung von acht Stolpersteinen in der Brückenauer Innenstadt in die Tat umgesetzt.
Stolpersteine gibt es mittlerweile in ganz Europa. Es handelt es somit um Europas größtes dezentrales Mahnmal, bei dem vor jedem Haus, in dem jüdische Bürger lebten, die zur Zeit des NS-Terrors deportiert und ermordet wurden, eine im Pflaster eingelassene Messingplatte mit biografischen Daten an die Opfer erinnern soll. Hierdurch soll den zu Nummern degradierten Menschen ein Stück Würde zurückgegeben werden.
Die ersten beiden Steine in Bad Brückenau wurden im alten Schlachthofweg verlegt. Den Beginn der Verlegung markierten Worte von der Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks, die betonte "Stolz auf das Engagement der Jugendlichen zu sein". Knapp 100 Anwesende wohnten dem Ereignis bei, darunter Vertreter aus der Politik, wie der stellvertretende Landrat Alfred Schrenk, dem öffentlichen Dienst, wie der Polizei, aber auch an der Thematik interessierte Bürger der Stadt Bad Brückenau.
Die Stellen im Trottoir waren bereits im Voraus durch den Bauhof der Stadt Bad Brückenau präpariert. worden. Während der Verlegung der Steine wurde von Schülern des Praxisseminars die Biografie des Ermordeten vorgetragen. Auch der Künstler äußerte sich kurz dahingehend, dass es "noch immer keine Routine" für ihn sei. Eine musikalische Darbietung mit anschließender Gedenkpause schloss sich an, bevor die Gruppe sich in die Ludwigsstraße aufmachte, um weitere Steine zu verlegen. Ungeachtet der kalten Temperaturen dünnte sich die Menschenmenge die der Verlegung beiwohnte nicht aus.
Die Erstverlegung endete mit Dankworten des Praxisseminars an alle Unterstützer des Projektes im Rathaus, Bauhof, Paten, finanzielle Unterstützer, aber auch an die Musiker sowie an Gunter Demnig. Seminarleiter Dirk Hönerlage nutzte die Gelegenheit, um Worte des Dankes an alle Beteiligten zu richten und betonte, dass die Jugendlichen es geschafft haben, "mit viel Einsatz eine nachhaltige Erinnerungskultur in Bad Brückenau zu etablieren". Es sei eine Wegmarke gesetzt worden; diese gebe nun die Richtung an, in die der Weg fortgeführt werden müsste, so Hönerlage.
Wie die Fackel der Erinnerung an die nächste Generation weitergegeben wird, ist jedoch noch nicht klar. "Der Stein wurde vom Seminar ins Rollen gebracht, jetzt gilt es ihn am rollen zu halten", betonte Hönerlage. So bestehen aktuell die Möglichkeiten, dass sich auch in den nächsten Abiturjahrgängen ein Praxisseminar zum jüdischen Leben bilden könnte, oder aber die Stadt oder Interessierte sich der Stolpersteine oder einer Patenschaft annähmen, so Brigitte Meyerdierks und Dirk Hönerlage.
Der Verlegung schloss sich ein Empfang bei Kaffee und Kuchen im Rathaus an. Der Tenor der Anwesenden bezüglich der Erstverlegung war durchweg positiv. So betonte Margerita Huppmann-Fronczek, die der Veranstaltung als Gast beiwohnte: "Es war sehr würdevoll und die Jugendlichen haben ein sehr gutes Konzept gehabt". Auch die Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks war von dem Praxisseminar begeistert: "Vor allem das Engagement der Schüler hat uns im Stadtrat nachhaltig beeindruckt". Auch die Hauptakteure des Nachmittages waren gänzlich mit sich und ihrer Arbeit zufrieden, wie beispielsweise Sarah Hofmeister aus dem Praxisseminar, die betonte, dass man gemeinsam Höhen und Tiefen erlebt habe, sich der Einsatz jedoch letztlich "echt gelohnt" habe.

Stolpersteine in Bad Brückenau:
Die Steine erinnern an:
Alter Schlachthofweg 22: "Matzenbäckerei " Siegmund und Mathilde Stern
Ludwigstraße 31: "S. Tannenwald Söhne Bankgeschäft/Manufakturwaren - Allgemeine Verkaufsstelle der Preußen-Südd. Klassenlotterie" - Lothar und Klara Tannenwald
Ludwigstraße 20: Modegeschäft "Spieri" - Berta Spier
Ludwigstraße 24: "Bankgeschäft Gebrüder Zeller"- Max, Dorothea und Reni Zeller


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