Speicherz
Hegeschau

Speicherz: "Ökologisch orientierte Jagd"

Die Hegegemeinschaften des Altlandkreises haben bei Rehwildabschuss den Plan zu 99 Prozent erfüllt. Die Aujeszkysche Krankheit breitet sich aus und ist eine Gefahr für die Hunde.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Hegeschau in Speicherz gab Gelegenheit zur Tiertrophäenpräsentation, aber auch zu Diskussion und Austausch.  Foto: Stephanie Elm
Die Hegeschau in Speicherz gab Gelegenheit zur Tiertrophäenpräsentation, aber auch zu Diskussion und Austausch. Foto: Stephanie Elm
+1 Bild

Jagdberater Heinrich Müller berichtete von einem "Traumergebnis" beim Rehwildabschuss. Mit 3691 erlegten Rehen wurden 99 Prozent des Abschussplans erfüllt. "Das ist sehr erfreulich und zeugt von enormer Aktivität der Jäger". Hegegemeinschaft (HG) 594 (Detter) erreichte 100 Prozent, HG 595 (Schondra) sogar 104 Prozent und HG 596 (Motten) war mit 98 Prozent beteiligt.

Die Bejagung in der Altersklasse der Jährlinge sollte seiner Ansicht nach "noch verstärkt werden". Im Altlandkreis waren 127 Jährlinge, das entspricht 45 Prozent, erlegt worden. Allerdings sei "keine Zielerfüllung angestrebt. Der Auftrag lautet, eine Bejagung durchzuführen, die den Vegetationszielen unseres Waldes angepasst ist". Dass der Wildverbiss tragbar ist, zeuge von "angepasster und ökologisch orientierter Jagd".

Unbefriedigend seien hingegen die Fallwildzahlen, obwohl sie im letzten Drei-Jahres-Zeitraum gleichbleibend waren. In HG Detter wurden 32 Tiere, in HG Schondra 29 Rehe und in HG Motten 86 Tiere tot aufgefunden. Meistens fallen diese Tiere dem Autoverkehr zum Opfer, nur teilweise könne hier durch Bejagung präventiv eingegriffen werden. Hoffnung wird gesetzt auf das Wildwarnsystem "AniMot", das sich derzeit auf sechs Strecken in der Testphase befindet.

Die Jagdstrecke des Niederwilds sei seit Jahren "auf niedrigem Niveau", dies sei Umweltbedingungen geschuldet. Im Altlandkreis wurden dennoch leicht erhöhte Abschusszahlen bei Hasen (40) und Dachsen (41) erzielt. Weniger geschossen wurden Waschbären (220) und Füchse (276). Im Sinne der Seuchenprävention sollte auf die Bejagung von Füchsen jedoch "nicht verzichtet" werden.

Schwarzwildring-Obmann Michael Sautter gab bekannt, dass sich die Zahl der erlegten Wildschweine verringert habe. Im letzten Jagdjahr wurden 3046 Sauen geschossen, das entspricht 63 Prozent gegenüber dem Jagdjahr 2017/18. In der HG Detter wurden 325 Sauen erlegt, in HG Schondra waren es 169 und in HG Motten 424. Auch die durch Schwarzwild verursachten Schäden seien "um ein Viertel zurückgegangen". Die Drückjagden hatten ihren Anteil an den erlegten Wildschweinen. In HG Detter und HG Motten lag dieser bei jeweils 20 Prozent, in HG Schondra nur bei 0,6 Prozent.

Sandra Hornung fand in ihrer Position als Obfrau für Hundewesen mahnende Worte. Die Aujeszkysche Krankheit (AK) breite sich aus. Der Bereich um Bad Brückenau bleibe relativ konstant, Hotspot sei weiterhin der Bereich Hammelburg. Bei einer Drückjagd seien dort neun von elf Proben positiv gewesen. "Das zeugt von einer Durchseuchung des Bestands", sagte Hornung. Dies gelte es zu verhindern, da das AK-Virus für die Hunde eine Gefahr darstelle. Im vergangenen Jahr wurden vier Todesfälle bei Hunden auf Grund von AK gemeldet. Um die Infektionskette zu durchbrechen, sei ein striktes Hygienemanagement nötig, sowohl für Jäger, als auch für Schweinehalter. Nachsuchen nach einer Jagd solle unabhängig von der Verwertbarkeit erfolgen und Abfälle sollen in der Konfiskattonne entsorgt werden. Wichtig sei, die Hunde vom Streckenplatz fernzuhalten. Dem pflichtete Rudi Sautter, Erster Vorsitzender der Kreisgruppe Bad Brückenau, bei. Sobald ein erlegtes Tier auf dem Streckenplatz liegt, "ist es ein Lebensmittel. Da haben Hunde nichts zu suchen".

Hans-Peter Donislreiter von der Unteren Jagdbehörde gab Informationen des Landratsamtes über die Afrikanische Schweinepest (ASP) bekannt. Auch diese Krankheit sei auf dem Vormarsch. In Polen und Rumänien seien schon länger steigende Zahlen bekannt, aber auch in Belgien. "Somit ist es wahrscheinlich, dass der Erreger über Deutschland gewandert ist". Der Landkreis Bad Kissingen habe derzeit keinen Seuchenfall, sei aber dafür vorbereitet, betont Donislreiter. Blutproben von tot aufgefundenen Wildschweinen werden untersucht und der Fundort gemeldet. "Wenn ASP auftritt, brauchen wir Sie als Jäger", sagte Donislreiter. Weitere Verwahrstellen würden eingerichtet.

Die Wildschweine sind somit von zwei fortschreitenden Erregern gefährdet, die jedoch keine Auswirkungen auf den Verzehr des Fleisches hätten, betonte Heinrich Müller. Hier gebe es keine Ansteckungsgefahr für den Menschen.

Für stellvertretenden Landrat Emil Müller (CSU) seien Hegeschauen nicht nur eine Verpflichtung zur Tiertrophäenpräsentation, sondern stellten auch die Möglichkeit für Austausch und Diskussion dar. Es biete sich zudem die Gelegenheit, die ergriffenen Naturschutzpflegemaßnahmen zu zeigen. "Verantwortungsvolle Bejagung und Regulierung" seien von den Jägern bereits geleistet worden, dennoch bat er, "Tier- und Naturschutz ganzheitlich zu betrachten".

Mottens dritter Bürgermeister Wolfgang Jung zollte den Jägern für die geleistete Arbeit und Aktivitäten Dank.

Enno Piening, Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbandes, verwies auf die Wildbiologie. Nicht die Abschusszahlen seien das Ziel, sondern ein vernünftiger Nachwuchs in den verschiedenen Altersklassen. Die Jäger sollten "kritischer jagen". Auch im Hinblick auf das Volksbegehren "Rettet die Bienen" sei "Biodiversität das Produktionsziel". Man sei nach vielen Diskussionen auf einem guten Weg, die bislang kritischen Punkte zu konzipieren. Den Wolf wolle er nicht in das Jagdrecht aufnehmen, dennoch halte er Ausnahmegenehmigungen für Einzelabschüsse für möglich, wie es am Beispiel des Bibers und des Kormorans bereits gehandhabt wird.

Philipp Bausch von den Bayerischen Staatsforsten ist sicher: "Der Klimawandel ist angekommen". Nach dem trockenen Jahr 2018 leiden sichtbar die Fichten. Spannend sei es zu beobachten, wie die Buchen dieses Jahr reagieren. "Man kann froh sein über alles, was widerstehen kann".

Edgar Thomas, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, dankte den Jägern für ihren Einsatz in Sachen Wildschadenabwehr, ASP-Vorbereitungsmaßnahmen und der Gemeinschaft mit dem Landratsamt. Der Vormarsch des Wolfes müsse geregelt werden: "Rhönkäppchen und Wolf wird nicht funktionieren".

Ehrungen: Für 40-jährige Mitgliedschaft im Bayerischen Jagdverband wurde Jochen Göbel geehrt. Ehrungen gingen ebenfalls an Bernd Hornung und Hans-Josef Wehner. Sie sind seit 40 Jahren Teil der Jagdhornbläsergruppe. Seit 25 Jahren sind Dagmar Wengel und Andreas Hochrhein dort aktiv. Auch sie erhielten eine Ehrung.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren