Bad Brückenau
Sinntalbahn

Sinntalbahn: Reaktionen aus der Region

Am Donnerstag gab die Regierung von Unterfranken bekannt, dass sie den Rückbau der Schieneninfrastruktur befürwortet. Die Ankündigung sorgte in der Region für Jubel. Es gab aber auch enttäuschte Gesichter.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Stadt Bad Brückenau will schon seit Jahren das Areal um den Bahnhof herum umgestalten. Nun kann Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks die Pläne wieder aus der Schublade hervorholen. Foto: Ulrike Müller
Die Stadt Bad Brückenau will schon seit Jahren das Areal um den Bahnhof herum umgestalten. Nun kann Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks die Pläne wieder aus der Schublade hervorholen. Foto: Ulrike Müller
Männer und Emotionen, das ist ja so eine Sache. Aber Bürgermeister und Emotionen... ganz schwierig. Als Wilhelm Friedrich (CSU), Bürgermeister von Zeitlofs, jedoch hört, dass die Regierung von Unterfranken sich für den Rückbau der Schienen auf der Bahnstrecke von Jossa nach Wildflecken ausgesprochen hat, da verliert er jede Contenance. "Wahnsinn! Ganz toll, ich bin überwältigt", ruft er durchs Telefon. "Jetzt geht's los..."

Nutzungskonzept nicht tragfähig

Mit Losgehen meint Friedrich den Traum von einem Radweg auf der Bahntrasse, der im Altlandkreis Bad Brückenau schon lange geträumt wird. Allein der Streit um die Nutzung der Bahnstrecke blockierte die Umsetzung, denn Befürworter der Sinntalbahn wollen die Strecke reaktivieren. Nach viereinhalb Jahren kommt die Regierung von Unterfranken nun aber zu dem Schluss, "dass kein hinreichendes konkretes Verkehrsbedürfnis" erkennbar sei. Weiter heißt es in der Presseerklärung, für die Sinntalbahn seien "keine tragfähigen Nutzungskonzepte" absehbar. Das ist ein herber Schlag für den Förderverein Hessisch-Bayerische Sinntal-Kreuzbergbahn, der sich für die Reaktivierung stark macht.

"Wir waren so weit wie noch nie", bedauert Hermann Bulheller, Vorsitzender der Bahnfreunde, die Entwicklung. Nun liegt die Entscheidung über den Rückbau der Gleise beim Eisenbahn-Bundesamt in Nürnberg. Die Stadt Bad Brückenau sowie die Gemeinden Wildflecken, Riedenberg, Zeitlofs und Sinntal (Hessen) haben ihrerseits Freistellungsanträge in Nürnberg gestellt, denn erst wenn die Strecke entwidmet wird, ist der Weg für eine andere Nutzung - zum Beispiel den Radweg - frei.

Zwei Varianten im Gespräch

"Die Region muss sich im Klaren sein: Wenn es wirklich zum Rückbau kommt, dann ist die Schiene für alle Zeiten weg", sagt Bulheller. Gerade im Winter seien die Radwege tot, eine Bahn würde aber trotzdem fahren. Auch Benjamin Wildenauer, Stadtrat für die SPD und Kassier im Förderverein, hält dieses Szenario für "sehr bedauerlich". Der Verein hat schon etliche Stunden in den Freischnitt der Bahnstrecke investiert.

Die Bürgermeister der betroffenen Kommunen reagieren dagegen ähnlich begeistert wie ihr Kollege Friedrich in Zeitlofs. Nun muss sich die Brückenauer Rhönallianz einigen, in welcher Form der Radweg gebaut werden soll. Im Gespräch seien zwei Varianten, berichtete Gerd Kleinhenz (PWW), Bürgermeister von Wildflecken. Entweder die Trasse wird komplett zum Radweg ausgebaut, oder aber es werden nur die Lücken im Wegenetz geschlossen.

Wie dem auch sei. Wolfgang Illek (CSU), 2. Bürgermeister von Wildflecken und erklärter Gegner der Reaktivierung, ist schon fast ein wenig gerührt: "Das ist ein schönes Geschenk, so kurz vor Weihnachten..."


Aus der Geschichte der Sinntalbahn:

1891
Eröffnung der Sinntalbahn. Die Strecke führt von Jossa in Hessen über Altengronau ins bayerische Bad Brückenau bis nach Wildflecken.

1988 Am 27. Mai 1988 wird der Personenverkehr eingestellt. Der Güterverkehr fährt noch bis Februar 2002.

2005 Zum 1. April 2005 wird die Strecke stillgelegt und seitdem - außer zur Verkehrssicherung - nicht länger gewartet.

2010 Im Juli 2010 startet die Regierung von Unterfranken ein Anhörungsverfahren zur Zukunft der Sinntalbahn. Hintergrund: Die Netz AG der Deutschen Bahn (DB) hat beim Eisenbahn-Bundesamt Nürnberg einen Antrag auf Rückbau der Schienen gestellt. Da die Behörde die Gegebenheiten vor Ort aber nicht kennt, beauftragte sie die Regierung von Unterfranken damit, herauszufinden, ob noch Bedarf für die Bahnstrecke besteht oder nicht.

2012 Im März 2012 stellt die Regierung das Anhörungsverfahren ruhend, da es Pläne zur Reaktivierung der Sinntalbahn gibt.

2014 Im Juli scheitern die Pachtverhandlungen zwischen dem Förderverein Hessisch-Bayerische Sinntal-Kreuzbergbahn und der DB. Die Regierung schließt zum Ende des Jahres das Verfahren ab.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren