Oberbach
Bauarbeiten

Sinntalbahn: Der Radweg nimmt Gestalt an

Ein Steinfräser bereitet den Untergrund für den Bau eines Radwegs auf der Bahntrasse vor. Für den kämpfen die Kommunen schon seit zwölf Jahren.
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Der neue Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse wird vorbereitet. Foto: Ulrike Müller
Der neue Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse wird vorbereitet. Foto: Ulrike Müller
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Es scheppert ganz gewaltig, wenn die Steinfräse über die ehemalige Bahntrasse fährt. Zwei- bis dreimal nimmt die Maschine den Schotter zwischen die Schlegel, dann wird das Material mit Wasser vermischt. Eine Walze verdichtet die Masse und schon ist der Untergrund für den neuen Radweg auf der Bahntrasse fertig. "Wir möchten etwa zweieinhalb Kilometer am Tag fertigbringen", sagt Timo Meißner vom Gleisrückbauunternehmen, das die Strecke gekauft hat. Bis Ende des Monats möchte er die Arbeit abgeschlossen haben.


Hartnäckiger Kampf

Wolfgang Illek wäre das recht. Der 2. Bürgermeister von Wildflecken (PWG) ist als Kind noch mit der Bahn zur Schule gefahren, später half er als Soldat, Panzer auf die Züge zu verladen. "Erst als die Strecke faktisch kaputt war, gab es Bemühungen zur Reaktivierung", sagt Illek. Viele Jahre setzte sich der begeisterte Mountainbiker für den Radweg ein. "Manchmal zahlt sich Hartnäckigkeit aus", sagt er über den langen Kampf. "Aber ich bin auch froh, dass wir uns auf die Zielgerade bewegen."

Neun Arbeiter sind an der Strecke beschäftigt. Sie haben in Oberbach begonnen, weil im Bereich Wildflecken noch eine Begehung durch Vertreter des Umweltschutzes aussteht, die Anfang dieser Woche geplant ist. "Der Naturschutz hat uns etwas zu schaffen gemacht", sagt Meißner, betont aber die gute Zusammenarbeit mit den anliegenden Gemeinden. Sobald der Unterbau für den Radweg fertiggestellt ist, werden die Gemeinden den Weg von Meißner kaufen. Die Bahnübergänge werden bis dahin auch ausgebessert sein - die Firma Meißner wird diese Arbeiten in Absprache mit den Gemeinden von Fremdfirmen erledigen lassen.


Fertigstellung im nächsten Jahr

Die Abschnitte, die im Wasserschutzgebiet liegen, sollen noch heuer asphaltiert werden. Der Rest folgt im kommenden Jahr. Illek hofft, dass der neue Radweg vielleicht schon im Mai oder Juni eröffnet werden kann. Darauf angesprochen, dass sich manche eine Reaktivierung der Bahn gewünscht hätten, verweist Illek vor allem auf eines: Die Logistik habe sich verändert. Große Unternehmen schickten ihre Ware lieber mit dem Lkw über die Straße.

Der Gemeinderat beschäftigt sich indes schon mit der Frage, wie es weitergehen soll. Bis vor etwa drei Jahren sei das Bahnhofsgebäude bewohnt gewesen, erzählt Illek. Eine Fahrradpension mit Duschen und der Möglichkeit, eine Brotzeit zu bekommen, kann sich Illek jedenfalls sehr gut auf der letzten Etappe vor dem Kreuzberg vorstellen.


Rückblick: Der lange Weg zum Radweg

2005 wurde die Bahnstrecke durchs Sinntal offiziell stillgelegt. Zu dieser Zeit wurde bereits über einen Radweg nachgedacht.

2006 Bürgermeister und Landkreis legen ein Konzept für einen Rhön-Sinntal-Radweg vor. Die Deutsche Regionaleisenbahn zeigt allerdings Interesse an einer Reaktivierung der noch nicht entwidmeten Strecke.

2010 Nach langem Hin und Her beantragt die Deutsche Bahn den Rückbau der Bahnstrecke. Das dafür nötige Planfeststellungsverfahren der Regierung von Unterfranken zieht sich allerdings bis ins Jahr 2014 hin.

2012 Neue Reaktivierungspläne werden konkret. Die Rhein-Sieg-Eisenbahn tritt auf den Plan, erste Helfer beginnen mit dem Freischnitt der Strecke.

2014 Das Tauziehen zwischen Gegnern und Befürwortern einer Reaktivierung geht weiter. Die Pachtverhandlungen zwischen Reaktivierern und der Deutschen Bahn scheitern aber.

2015 Die Staudenbahn zeigt Interesse, doch der Widerstand der Kommunen wird größer.

2016 Die Bahnstrecke wird entwidmet und an ein Gleisrückbauunternehmen verkauft.
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