Haselbach
Israeltagung

Shabbatfeier erinnert an die Wurzeln der Christen

Die Verbundenheit zum israelischen Volk wurde bei der Israel-Tagung in der Tagungsstätte Hohe Rhön deutlich.
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Fritz Schroth lud zur Shabbatfeier im Rahmen der Israeltagung ein. Das Bild zeigt wie er den Segen über Brot und Wein spricht.   Marion Eckert
Fritz Schroth lud zur Shabbatfeier im Rahmen der Israeltagung ein. Das Bild zeigt wie er den Segen über Brot und Wein spricht. Marion Eckert
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Mit einem herzlichen "Shabbat Schalom" begrüßte Fritz Schoth anlässlich der Israel-Tagung die Gäste und Freunde der Familie in der Tagungsstätte Hohe Rhön zu einer Shabbatfeier. Dazu hatte er die Kippa, die traditionelle Kopfbedeckung der Juden und einen jüdischen Gebetsschal umgelegt.

"Ich bin kein Jude. Es aber auch keine Folklore und es ist auch kein Nachmachen oder Anbiedern", stellte Schroth auf Nachfrage klar. "Es ist ein Ausdruck von Respekt gegenüber dem alttestamentlichen Bundesvolk, unserem älteren Bruder."

So war es für Fritz Schroth eine Selbstverständlichkeit die Riten der jüdischen Shabbatfeier in aller Würde und Achtung zu begehen. "Es geht darum die Verbundenheit zum israelischen Volk auszudrücken. Wir Christen haben unsere Wurzeln im Judentum." Durch die ehrfurchtsvolle Shabbatfeier, werde an diese Wurzeln erinnert.

Das Sabbatgebot ist eines der Zehn Gebote, die Mose von Gott empfing: Am siebten Tag, dem Shabbat, soll die Arbeit ruhen. An diesem Tag erweisen die Juden ihrem Schöpfer die Ehre. Sie verbringen den Shabbat mit Gebeten, Bibelstudien, Erholung und beim gemeinsamen Mahl im Familienkreis.

Antisemitismus wieder gesellschaftsfähig?

Die Shabbatfeier stellte Schroth in den inhaltlichen Kontext der diesjährigen Israel-Tagung, die er mit dem Motto: "Um Zions Willen - will ich nicht schweigen..." überschrieben hat. "Wir haben in Deutschland einen wieder neu aufgeflammten Antisemitismus. Verstärkt wird der Antisemitismus politisch, seitdem im Bundestag eine neue Partei den bisherigen Konsens im Blick auf den Holocaust verlassen hat, den Antisemitismus weiterhin klein redet, er geleugnet und relativiert, oder er wird weg erklärt, als Missverständnis oder Überempfindlichkeit dargestellt", so Schroth. "Es ist augenscheinlich, wie Antisemitismus wieder gesellschaftsfähig werden konnte."

Zeichen setzen

Mit der Israel-Tagung möchte Fritz Schroth ein Zeichen setzen: "Es gilt den Anfängen zu wehren." Hinter der Forderung nach einer vermeintlichen Meinungsfreiheit stecke oft Antisemitismus. "Man wird ja noch sagen dürfen....", sei oft die Einleitung für antisemitistische und rassistische Äußerungen. "Um Zions Willen dürfen wir nicht schweigen", ermutigte Schroth zum Zeugnis der geschwisterlichen Verbundenheit, den Antisemitismus und Antijudaismus seien kein überwundenes Thema, das mit Ende des 2. Weltkriegs zu den Akten gelegt werden konnte. Im Gegenteil.

Fritz Schroth und die Referenten der viertägigen Tagung zeigten auf, wie heute wieder verstärkt diese Phänomene zutage treten. Antisemitismus sei lange verharmlost worden, sagte Schroth. "So wurden lange Zeit theologisch die Verheißungen, die Israel galten, nahtlos auf die Kirche übertragen." Das sei nicht grundsätzlich verkehrt, aber ohne den eigentlichen Adressaten, Israel, zu würdigen, habe das gravierende Folgen, denn dadurch verschwand das Alttestamentliche Bundesvolk aus dem Blick, das Alte Testament galt schnell als veraltet und dem Antijudaismus und Antisemitismus wurden Tür und Tor geöffnet.

Erinnerungskultur bewahren

Die Shabbatfeier eröffnete Fritz Schroth zunächst mit der Erinnerung an den Holocaust. Auf der Israelflagge lag ein Stein aus einem der Krematorien in Auschwitz, darunter das Modell eines Davidsterns aus Bronze, dem die verrotteten Bahnschienen der Judenrampe zu Grunde lagen. "Unseliges Leid geschah hier. Über eine Million Juden wurden über diese Rampen in einen qualvollen Tod getrieben. Im gegossenen Metall ist es verewigt." Für Fritz Schroth ist es wichtig die Erinnerungskultur zu bewahren und die eigenen Wurzeln neu zu entdecken. "Die Christlichen Kirchen haben ihre Wurzeln im Judentum, doch diese Wurzeln werden oft ausgeblendet. Mir geht es jetzt nicht darum, dass wir jüdisch werden, sondern, dass wir unsere Wurzeln erkennen und anerkennen. Das ist notwendig, damit wir dem Antisemitismus entgegenwirken."

Er erinnerte an die Aussage des evangelischen Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Stohm bei der EKD Synode nach der Feier zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht: "Deswegen ist es nicht irgendeine politisch korrekte Pflichterklärung, sondern es ist eine tief gefühlte Selbstverpflichtung, wenn ich unseren jüdischen Schwestern und Brüdern in Deutschland zurufe: Wir werden nie und nimmer zulassen, dass die Erinnerungen daran verächtlich gemacht werden. ... wir lassen nicht zu, dass eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad gefordert wird."

Schroth sprach von einer großen Unruhe unter Juden. "Dinge, die unsagbar schienen, werden heute gesagt", und verwies auf von ihm angestoßene Initiativen in der Landessynode, neben einem regelmäßigen Studientag zu jüdischen Themen auch eine Verfassungsänderung im Grundartikel der ELKB (Evangelisch Lutherische Kirche Bayern), die ohne Gegenstimmen beschlossen wurde und beinhaltet, dass Israel Gottes auserwähltes Volks ist und bleibt. "Wir dürfen den Antisemitismus weder hinnehmen, noch dazu schweigen. Denn der Antisemitismus kommt nicht nur von Außen - er ist auch mitten in unserer Kirche zu finden. Aus diesem Grund ist neu die Beschäftigung mit diesem Thema notwendig geworden."

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