Bad Brückenau
Geschützt

Seltener Gast in der Rhön: Der Vogel mit der Maske

Mit dem Winter kommen auch wieder seltene Vogelarten in die Region. Wer einen kleinen Vogel beobachten kann, der aussieht wie Zorro, hat großes Glück.
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Erwischt: Der Raubwürger hat eine Maus gepackt. Der gesetztlich geschütze Vogel ist in der Langen Rhön anzutreffen. Foto: Archiv/Berndt Fischer
Erwischt: Der Raubwürger hat eine Maus gepackt. Der gesetztlich geschütze Vogel ist in der Langen Rhön anzutreffen. Foto: Archiv/Berndt Fischer
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Die Lange Rhön bei Oberelsbach, nur einige Kilometer von uns entfernt, ist die Heimat von etwa sieben bis acht Raubwürger-Brutpaaren. Die kühle, höhergelegene und offene Landschaft bietet den Vögeln noch ideale Bedingungen. "Hier ist die letzte gesicherte Brutregion der Vögel in Bayern", sagt Torsten Kirchner, Biologe bei der Wildland Stiftung, über die stark bedrohte Vogelart.

Im Rahmen seiner Arbeit dokumentiert er jedes Jahr die seltenen Brutpaare. "Sturmereignisse und Kahlschlag nutzt der Vogel gerne, denn er sitzt bei der Jagd auf einzelnen Bäumen und sucht die Umgebung nach Mäusen, Eidechsen und Insekten ab", sagt Kirchner über dessen Jagdverhalten. Dieses Landschaftsbild findet er hier hervorragend. Er könne auch Vogelrufe imitieren, um andere Vögel anzulocken und zu töten.


Intensive Landwirtschaft und Verbuschung

Seine Beute spießt der Raubwürger anschließend in Hecken und Büschen auf spitze Äste, um sie bei Gelegenheit zu verspeisen. Er besitzt große Reviere und hat gerne Nachbarn. "Wenn eine Population ausgestorben ist, ist es eher schwierig, dass wieder eine entsteht", meint der Biologe. Deshalb sei es wichtig, den Lebensraum zu erhalten und erweitern. Die intensive Landwirtschaft und Verbuschung widerspreche dem Lebensraum des Vogels.
Sogar im Altlandkreis Bad Brückenau haben Vogelbeobachter und Förster mehrfach Raubwürger beobachtet. Es sind so genannte Überwinterter - also Vögel, die sich die Rhön als Winterquartier aussuchen, nicht aber hier brüten - oder durchziehende Vögel, die auf ihren Weg vom Norden in den Süden hier Rast machen.

Die Raubwürger, die in der Rhön zuhause sind, überwintern vorzugsweise in Südeuropa, manchmal ziehen sie auch bis Nordafrika. "Wahrscheinlich ist, dass die beobachteten Vögel Nördliche Raubwürger sind", sagt Roland Lehnhard von der Unteren Naturschutzbehörde in Bad Kissingen. Er ist sich sicher, dass die wenigen heimischen Raubwürger "die Verlierer des Klimawandels sind". Denn warme Gebiete mögen sie nicht.

Davon merkt Kirchner in der Langen Rhön noch nichts. Er sieht die Population hier als relativ stabil an. Auch in der Münchau bei Unterleichtersbach wurden schon Überwinterer gesichtet. Rainer Betz, ehemaliger Förster hat vor wenigen Jahren solche beobachten können. "Doch die brüten hier nicht, sondern fliegen im Frühjahr wieder zu ihren Brutrevieren nach Skandinavien zurück", sagt Betz. Vogelbeobachter können sich also auf einen spannenden Winter freuen.


Der Raubwürger

Der Raubwürger ist ein Singvogel aus der Familie der Würger. Die amselgroßen Vögel besitzen einen hellgrauen Rücken. Schwarz ist dagegen ihr auffällig langer abgerundeter Schwanz mit der weißen Außenkante, genau wie die Flügel, die einen weißen Spiegel tragen. Eine markante schwarze Maske reicht vom Schnabelansatz bis zur Ohrgegend. Der Brust- und Bauchbereich ist deutlich heller als der Rücken, teilweise sogar weiß. Eindeutiges Merkmal ist auch der kräftige schwarze Hakenschnabel. Im Biosphärenreservat Rhön sind die gesetzlich geschützten Raubwürger als seltene Brutvögel nachgewiesen. Die Schutzmaßnahmen bei der Vogelart liegen besonders in der Lebensraumgestaltung. Die Winterreviere, die auch weitgehend den engeren Brutplatzansprüchen der Art gleichen, zeichnen sich durch niedrige Vegetationsflächen aus. Quelle:  Biosphärenreservat Rhön
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