Schondra
Verabschiedung

Schondra: Die Könige verlassen den Hof

Die Absolventen der Schondratalschule bekamen ihre Zeugnisse. Sie sind die letzten Neuntklässler - und vielleicht die letzten Mittelschüler überhaupt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Geschenk für den "Lehrkönig": Eine Bank mit den Namen aller seiner Schüler darf Klassenlehrer Norbert Werner in seinen Garten stellen. Foto: Ulrike Müller
Geschenk für den "Lehrkönig": Eine Bank mit den Namen aller seiner Schüler darf Klassenlehrer Norbert Werner in seinen Garten stellen. Foto: Ulrike Müller
+9 Bilder
Ein markiges Motto hatten sich die Neuntklässler für ihren Abschied an der Schondratalschule einfallen lassen: "Kniet nieder ihr Narren, die Könige verlassen den Hof", ziert eine der Wände der Schule. Auch ein Hochbeet und Liegen, die auf dem Schulhof zu einer Pause einladen, haben die Schüler selbst gebaut. Sie hinterlassen Spuren, bevor sie in den nächsten Lebensabschnitt aufbrechen. "Ihr Neuntklässler seid leider die letzte 9. Klasse, die unsere Schule verlässt", sagte Bürgermeister Bernold Martin (CSU) auch im Namen seiner Amtskollegen Dieter Muth (WG) aus Oberleichtersbach und Alexander Schneider (UWG) aus Geroda.


Eltern kämpfen für ihre Kinder

Eine Stimmung des Abschieds zog sich durch den gesamten Abend. Fast alle Redner ließen anklingen, dass es ja nicht nur die glücklichen Absolventen sind, die ihre Schulzeit nun hinter sich lassen. Der Fortbestand der Mittelschule Schondra als Ganze steht auf der Kippe. Am Freitag, 21. Juli, wird bei der Sitzung des Schulverbands entschieden werden, ob auch die 5. und 6. Klasse ab nächstem Schuljahr am Schulzentrum Römershag in Bad Brückenau unterrichtet werden. Ab dem Schuljahr 2015/16 wurden bereits alle Siebtklässler in Bad Brückenau unterrichtet. Dass die Neuntklässler ihre Schulzeit überhaupt in Schondra haben beenden dürften, ist dem energischen Einsatz der Eltern, der damaligen Schulleitung und der Kommunalpolitik zu verdanken.

Auch Schulleiterin Sabine Kreil war "etwas schwer ums Herz". Mit der Verabschiedung dieser letzten 9. Klasse gehe eine Ära an der Schondratalschule zu Ende, sagte sie und dankte den Schülern für ihr gutes Benehmen, vor allem bei der Abschlussfahrt nach Berlin. "Mit euch konnte man sich sehen lassen", sagte Kreil. Alle Lehrer, Hilfskräfte und auch Ehemalige sangen ein Lied, die Schüler ihrerseits überreichten Rosen - die "Rose des Wissens" für Lehrer, die "Rose der Sauberkeit" für das Putz-Team oder auch die "Rose des guten Essens".

Klassenlehrer Norbert Werner fand deutliche Worte zur Situation der Mittelschule insgesamt. "Ihr dürft morgen gehen", sagte er an die Absolventen gerichtet. "Ich muss morgen gehen - und dem ein oder anderen Kollegen wird es wahrscheinlich genauso gehen", spielte er auf die drohende Veränderung an. Mit Verweis auf die hohe Jugendkriminalität in Bad Brückenau hob Werner hervor, dass die Polizei in den vergangenen zwei Jahren kein einziges Mal in der Schondratalschule habe ermitteln müssen. "Scheinbar leisten kleine Schulen in dieser Hinsicht doch ganz gute Arbeit", sparte er nicht mit einem Seitenhieb.


Eine lebenslange Aufgabe

Neben guten Wünschen gaben die beiden kirchlichen Vertreter den Absolventen Segensworte mit. Gemeindereferentin Claudia Annon brachte knallbunte Nagelfeilen mit. "Dem Leben einen Schliff zu geben, ist eine lebenslange Aufgabe", sagte sie. Pfarrer Carsten Friedel beschrieb die Schüler als durchaus "diskussionsfreudig und motiviert". Mit einem Lied, das als Video auf einer Leinwand abgespielt wurde, wünschte er den Schülern alles Gute.

Das Schulorchester, ergänzt um einige Ehemalige, gestaltete den Abend musikalisch. Etliche Schulabgänger hatten sich als Schülerlotsen eingebracht. Sie wurden von Polizeihauptkommissar Manfred Schneider ausgezeichnet. Zum Schluss überreichten Kreil und Werner den Schülern ihre Zeugnisse. Dabei wurden auch die erwähnt, die leider nicht dabei sein konnten.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren