Schondra
Landwirtschaft

Schondra: Da ist die Sau los

Bauern beklagen mehr Schäden auf Feldern und Wiesen durch Wild als sonst. Grund ist die Eichelmast im vergangenen Sommer. Den Wildschweinen geht es so gut, dass sie heuer zweimal Nachwuchs bekommen.
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Die Landwirte Jürgen Förg und Harald Romeis beklagen erhebliche Ernteausfälle auf ihren Feldern. Besonders der Mais ist betroffen. Foto: Ulrike Müller
Die Landwirte Jürgen Förg und Harald Romeis beklagen erhebliche Ernteausfälle auf ihren Feldern. Besonders der Mais ist betroffen. Foto: Ulrike Müller
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Sie machen ernste Gesichter. Die Landwirte Jürgen Förg aus Einraffshof und Harald Romeis aus Unterleichtersbach stehen an einem Feld, auf dem Reste von Maispflanzen unordentlich am Boden liegen. Der ungeübte Beobachter könnte es im Vorbeifahren für einen abgeernteten Acker halten. Förg und Romeis aber wissen: Hier ist nicht viel Ernte übrig geblieben. Wildschweine haben die Kolben gefressen und die Pflanzen auf den Boden gedrückt.

Nahezu 100 Prozent Schaden hat Romeis in diesem Jahr beim Mais. Vor vier Jahren erging es Förg ganz ähnlich. Im vergangen Jahr verzeichnete er "nur" 40 Prozent Einbußen beim Mais, heuer etwa 18 Prozent. Es gibt Entschädigung für jeden Quadratmeter, den Wild für die Landwirtschaft unbrauchbar macht. Doch die Bauern brauchen die Ernte für ihre Tiere. 70 Milchkühe hält Romeis, 120 leben auf dem Hof der Familie Förg. "Meine Kühe fressen keine 100 Euro-Scheine", sagt Jürgen Förg. Futter zuzukaufen sei in der Gegend nicht so einfach, weil viele Landwirte das Futter selbst bräuchten.

"Einen gewissen Schaden wird es immer geben", sagt Förg. Er möchte niemanden beschuldigen, aber: "Die letzten Jahre nimmt das Ausmaß zu, auch aufgrund der Trockenheit." An den Markt Schondra grenzt der Bayerische Staatsforst. Aus dem Neuwirtshäuser Forst - so der Eindruck der Landwirte - kämen viele Wildschweine. Bei Schönderling beispielsweise ist eine Wiese in Sichtweite des Ortes stark zerwühlt. Förg sorgt sich, dass die Tiere im Winter bis in die Dörfer kommen könnten.

Der Eindruck der beiden Landwirte täuscht nicht. Im vergangenen Jahr haben die Eichen verstärkt Früchte ausgebildet. Forstleute sprechen von einer Eichelmast. Die Tiere hatten im vergangenen Winter mehr als genug Futter. Zudem blieben der Winter mild und das Frühjahr trocken - beste Voraussetzungen für die Fortpflanzungslust bei Wildschweinen. "Wir versuchen, das in den Griff zu bekommen, aber einfach ist das nicht", sagt Daniel Zippert, Leiter des Forstbetriebs Hammelburg der Bayerischen Staatsforsten.

Eichen tragen heuer kaum Frucht

Seiner Aussage nach haben wegen der guten Bedingungen viele Bachen in diesem Jahr zweimal Nachwuchs bekommen. Auf den Anstieg der Population reagiert der Forstbetrieb mit einem verstärkten Abschuss. Von April bis jetzt hätten Mitarbeiter des Forstbetriebs schon so viele Wildschweine bei der Einzeljagd erlegt wie im gesamten vorherigen Jagdjahr. Die Mehrzahl der Tiere werde aber bei Bewegungsjagden getötet, erklärt Zippert. Diese würden in diesem Herbst und Winter verstärkt, um der Menge an Tieren Herr zu werden.

In diesem Jahr tragen die Eichen in der Region kaum Früchte. Bei den Buchen spricht Zippert von einer Sprengmast. Das bedeutet, dass nur vereinzelt Bäume Bucheckern abwerfen. In manchen Bereichen hätten die Buchen aufgrund der Trockenheit gar kein Fruchtfleisch ausgebildet. Deshalb kann der Forstbetriebsleiter die Sorgen der Bauern verstehen, die Tiere könnten sich im Winter verstärkt auf Wiesen und Feldern zu schaffen machen.

"Wenn die Schäden in die Höhe schießen", überlegt Landwirt Harald Romeis, erkläre sich wegen der hohen Entschädigungszahlungen vielleicht bald niemand mehr bereit, die Jagd zu übernehmen. Noch kann davon keine Rede sein, allerdings rufen Jürgen Förg und Harald Romeis dazu auf, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen, um eine Lösung zu finden. Dabei denken sie nicht nur an Landwirte, Jagdpächter und den Forstbetrieb, sondern auch an die politschen Vertreter, die für Landwirtschaft und Forst verantwortlich sind.

700 Wildschweine erlegte der Forstbetrieb Hammelburg im Jagdjahr 2017/18. Im Jahr zuvor waren es 600 Tiere. Im laufenden Jagdjahr sollen wieder 700 Wildschweine oder mehr geschossen werden.

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