Bad Brückenau
Tradition

Sankt Georg zu Ehren

Evangelische und katholische Christen erinnern jedes Jahr bei der Georgiprozession an die Rettung der Stadt durch den Heiligen.
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Die Prozession im Georgipark. Foto: Thomas Dill
Die Prozession im Georgipark. Foto: Thomas Dill
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Schon vor hunderten Jahren zogen die Christen zur gelobten P rozession zu Ehren des Stadtpatron St. Georg durch die Stadt. Das ist auch heute noch so: Die evangelischen und katholischen Christen starteten am Georgshäuschen in der Sinnau. Singend und betend ging es vom Georgshäuschen über die evangelische Kirche durch die Stadt hin zur katholischen Pfarrkirche. Zu Beginn der Prozession wurde die Legende von der Rettung der Stadt durch Sankt Georg vorgetragen. Die gleichnamigen Musikanten, die Georgibläser, gestalteten den Gang durch die Fluren musikalisch.

Die Frauen vom gemeinsamen Ausschuss für Ökumene, die Georgibläser, die jeweiligen Organisten der beiden Gotteshäuser, die Ortsgeistlichen beider Konfessionen, die politischen Vertreter der Stadt, eine große Abordnung der freiwilligen Feuerwehr, und zahlreiche Gläubige verbrachten eine gemeinsame meditative abendliche Stunde im Sinne und Gedächtnis des heiligen Georg unter dem diesjährigen Leitthema " Heimat".

In den Texten, Zitaten und Gebeten wurde den Prozessionsteilnehmern deutlich gemacht, wie vielschichtig und vieldeutig der Begriff Heimat ist. Besonders bewusst wurde dies am alten Rathaus zu Füßen des Georgdenkmals, das gleichzeitig Mahnmal an die Opfer der Weltkriege ist und die nicht unweit davon angebracht Gedenktafel an die Brückenauer Opfer des Holocausts. Hier intonierten die Georgibläser "Heimat deine Sterne" aus dem 1941'er Kinofilm "Quax der Bruchpilot", das während des 2. Weltkriegs als eines der wichtigsten Lieder der Soldaten an der Front galt. Pastoralreferentin Johanna Schießl schlug im dazugehörigen Text den Bogen von der Einverleibung des Begriffs Heimat durch die Ideologie der Nazis hin zu Ausgrenzung und immer stärker werdenden Nationalismus im Schatten der Europawahlen. Stimmungen wechseln, von der Willkommenskultur zu Ablehnung und Fremdenhass.

In der katholischen Stadtpfarrkirche machten die Damen des Ausschusses deutlich, dass für aktive Christen die Kirche, das Gotteshaus ein Ort tiefster Heimat ist. Christus entbehrte alles, was für uns heute Heimat ausmacht. Er lebte uns vor, dass das irdische Leben ein sehnsüchtiges Suchen nach wahrer Heimat ist. Dies spiegelt sich in den Texten vieler Kirchenlieder beider Konfessionen wieder. Für Christus selbst war dann erst bei Gott selbst die wirkliche Menschenheimat.

In Sinne von "Heimat geben" widmete der Ökumeneausschuss die Kollekte der Prozession zugunsten eines Betreuungsprojekts für obdachlose Jugendliche am Würzburger Bahnhof.

Stellvertretender Bürgermeister Jürgen Pfister, für den Heimat der Ort ist, wo die Fäden des Lebens zusammen gebunden sind, bedankte sich bei allen Mitwirkenden für das friedvolle Gebet, das auch der Heimatstadt Brückenau gilt und lud wie im Vorjahr als Dank alle Anwesenden zu einem kleinen Abschlussumtrunk ins Rathaus ein. Dort hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, die Amtskette des Bürgermeisters näher zu betrachten, trägt diese doch als zentrales Emblem eine Darstellung des heiligen Georgs.

Zum Ursprung der Prozession:

Am 24. April 1400 überfielen die Ritter Bibra, Ebersberg, Steinruck und Thüngen die kleine Ortschaft Brückenau. Grund war die Verweigerung der Stadt verschiedene Gläubiger auszuzahlen. Der offene Angriff wurde aber ob der hohen Mauern gescheut. Mit List schmuggelte man aber Ritter in leeren Weinfässern in die Stadt. Nach der Überlieferung konnte dieser Angriff erfolgreich abgewehrt werden, als die Bürger zum Heiligen Georg um Hilfe flehten, und er in Ritterrüstung hoch zu Ross eingriff. Dieses Geschehen soll am 23. April passiert sein, dem Namenstag des Heiligen. Anlässlich dieser wunderbaren Rettung gelobten die Bürger Brückenaus eine jährliche Georgi-Prozession und erhoben ihn zum Schutzpatron der Stadt.

Sankt Georg ist einer der 14 Nothelfer. Er war einer der ersten Märtyrer zu Beginn der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian. Zu Zeiten der Kreuzzüge wird Georg mit der Drachentöterlegende in Verbindung gebracht, die heute noch populärste Darstellung, so auch auf dem Kriegerdenkmal der Stadt. Aus den Kreuzzügen heraus gilt Georg auch als Schlachtenhelfer, was die Brückenauer Legende untermalt. Aus den Kreuzzügen heraus entwickelten sich zahlreiche Ritterorden unter dem Patronat des Heiligen, die später dann der Ausübung der Werke der Barmherzigkeit dienten, also karitativ tätig waren.

Einer dieser Orden führte lange Jahre das Krankenhaus in Bad Brückenau. Auch die Knabenkapelle der katholischen Kirchengemeinde stellte sich unter den Schutz des Heiligen und trägt heute noch als erfolgreiche Konzertkapelle seinen Namen als Georgi-Bläser.

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