Oberbach
Artenschutz

Rotmilan-Ausstellung im Haus der Schwarzen Berge in Oberbach

Die deutsche Wildtierstiftung weist darauf hin, dass beim Bau von Windkraftanlagen der Artenschutz nicht aus dem Blick geraten darf.
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Der Rotmilan ist ein faszinierender Vogel. Hier ein ausgestopftes Exemplar, das in der Ausstellung im "Haus der Schwarzen Berge" zu sehen ist. Antje Schwanke
Der Rotmilan ist ein faszinierender Vogel. Hier ein ausgestopftes Exemplar, das in der Ausstellung im "Haus der Schwarzen Berge" zu sehen ist. Antje Schwanke
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Seit einiger Zeit ist im Biosphärenzentrum Rhön "Haus der Schwarzen Berge" ein Ausstellung zum Thema Windenergie zu sehen. Gerade in Hinblick auf das Artenschutzprojekt des Biosphärenreservat Rhön "Rotmilan" sei das ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Klimadiskussion, zitiert das Biosphärenreservat in einer Pressemeldung die deutsche Wildtierstiftung.

Der Rotmilan steht seit einigen Jahren im Fokus des Artenschutz. Die Rhön mit ihrem Wechsel von Wald mit einem bunten Mosaik von Wiesen, Weiden, Äckern und Feldgehölzen, zahlreichen Quellen und Bachläufen steigt zu einer Hot-Spot-Region der biologischen Vielfalt auf. In einer solch strukturreichen Landschaft fühlt sich der Rotmilan wohl. Meist brütet er in Waldrandnähe. Zur Nahrungssuche fliegt er in die offene Kulturlandschaft. Auch Dörfer und Weiler werden vom Rotmilan aufgesucht.

Aus dem aktuellen Bericht zur Bestandserfassung vom 24. Januar 2019 wurden auf den Probeflächen, die rund 20 Prozent des Projektgebietes ausmachen, 77 Revierpaare gezählt. Dank der vielen freiwilligen Rotmilan-Kartierer konnten acht Revierpaare mehr als im Vorjahr registriert werden, dennoch war der Bruterfolg aufgrund der langanhaltenden Trockenheit gering. In den Ackerbauregionen, in denen Raps und andere hochwüchsige Kulturen einen hohen Anteil an der Anbaufläche haben, scheitern die Bruten oft an Nahrungsmangel. Ein hoher Grünlandanteil hingegen wirkt sich nachweislich positiv auf den Bruterfolg aus.

Die Rotmilanstudien von Diplom-Biologe Christian Gelpke zeigen: Im Laufe des Jahres wird die als Nahrungshabitat nutzbare Fläche für den Rotmilan innerhalb seines Reviers meist immer kleiner. Im zeitigen Frühjahr, wenn die Äcker noch kahl sind, nutzt der Rotmilan fast 100 Prozent der Fläche. Wenn im Frühsommer die Pflanzen der Raps- und Getreidefelder 30 Zentimeter und höher stehen, kommt der Milan nicht mehr an seine Beute. Dann aber beginnt die Zeit des größten Nahrungsbedarfs der Jungen.

Doch mit dem Ausbau der Windenergie ist die Gefahr für zahlreiche Wildtiere gestiegen, so auch für den Rotmilan, zitiert das Biosphärenreservat weiter die deutsche Wildtierstiftung. In Deutschland würden den Windkraftanlagen heute pro Jahr bis zu 250 000 Fledermäuse und mehr als 12 000 Greifvögel zum Opfer fallen. Besonders gelte das im Wald. In den für Windparks geeigneten Hochlagen fänden sich vielfach wertvolle, alte und naturnahe Waldbestände, die ein Garant der biologischen Vielfalt seien.

Deutschland brauche dringend einen einheitlichen, hohen Standard, um Natur- und Artenschutz in die Energiepolitik zu integrieren, fordert die deutsche Wildtierstiftung. Deshalb würden Daten gesammelt und Studien erstellt, Stellungnahmen an die Verantwortlichen geschickt und Diskussionen angestoßen.

Anfang 2017 seien an Land 28 675 Windenergieanlagen installiert gewesen, so die Wildtierstiftung weiter. Nach den Plänen der Bundesregierung und vieler Bundesländer solle der Ausbau vorwärts getrieben werden. Vielerorts gefährde der naturschutzfachlich unkontrollierte Ausbau von Windenergie die Ziele des Natur- und Artenschutzes, zu denen sich die Bundesregierung mit der "Strategie zur Biologischen Vielfalt" verpflichtet habe. Daher sei eine sorgfältige Prüfung potenzieller Standorte und die umfassende Abwägung aller naturschutzfachlichen Belange notwendig, bevor Windparks errichtet werden.

Mit der Öffnung des Waldes als Standort für Windenergieanlagen würden die Potenziale einerseits beträchtlich erweitert, zugleich verschärften sich aber die Konflikte zwischen dem Ausbau der Windenergie und dem Natur- und Artenschutz. Denn Wälder würden durch den Bau und Betrieb von Windenergieanlagen langfristig in ihrer Funktion als Lebensräume für Wildtiere beeinträchtigt. Seit 2010 habe sich die Anzahl an Windenergieanlagen im Wald innerhalb Deutschlands versiebenfacht.

Waldgebiete seien im Vergleich zu Agrarlandschaften weit weniger intensiv vom Menschen genutzt und daher oft ein wichtiger Rückzugsort für bedrohte Tierarten, insbesondere für Fledermäuse und Vögel. Alle in Deutschland heimischen Fledermausarten stünden mittlerweile auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten.

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. April im Biosphärenzentrum Rhön "Haus der Schwarzen Berge" zu den üblichen Öffnungszeiten (montags bis freitags 8 bis 17 Uhr, samstags und sonntags 10 bis 17 Uhr zu sehen.Quelle: https://www.deutschewildtierstiftung.de/naturschutz/windenergie-und-artenschutz/Kathrin Kupka-Hahn)

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