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Naturschutz

Roßbacher Forst: Ermittlungen zum Schwarzstorch-Horst dauern an

Im Frühjahr 2013 verschwand im Roßbacher Forst auf mysteriöse Weise ein Schwarzstorch-Horst. Pikantes Detail: In dem Waldgebiet ist ein 110 Millionen Euro schwerer Windpark geplant. Doch das Projekt stockt - nicht nur wegen der Affäre Storch.
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Der Schwarzstorch ist in Deutschland besonders geschützt - das gilt allerdings nicht für ausgestopfte Exemplare wie auf dem Bild. Foto: Ulrike Müller
Der Schwarzstorch ist in Deutschland besonders geschützt - das gilt allerdings nicht für ausgestopfte Exemplare wie auf dem Bild. Foto: Ulrike Müller
Derzeit gebe es zwar einen konkreten Beschuldigten, gibt Irene Singer, leitende Oberstaatsanwältin der Staatsanwaltschaft Schweinfurt, Auskunft. "Ob ihm allerdings tatsächlich ein Entfernen des Storchenhorstes nachgewiesen werden kann, bleibt abzuwarten." Mehrere Monate lag die Akte mit einem Ermittlungsauftrag bei den Polizeiinspektionen Bad Brückenau und Bad Kissingen. Zeugen - unter anderem vom Landratsamt Bad Kissingen - wurden befragt.

"Wir wissen nicht, wer den Horst entfernt hat", sagt Herbert Markert, Leiter der Dienststelle Bad Brückenau. Für das Fällen von Bäumen in der Umgebung des Horstes stehe aber ein Tatverdächtiger im Fokus der Ermittlungen. Anfang der Woche sei die Akte zurück an die Staatsanwaltschaft geschickt worden.

Kein Nachweis für Schwarzstorch

Die Vergrämung des Schwarzstorchs hat offensichtlich funktioniert. Auf dem Baum, einer mächtigen Eiche, brüte heuer definitiv kein Paar, berichtet Daniel Scheffler, Leiter der Kreisgruppe Rhön-Grabfeld des LBV. "Aber ich bin mir sicher, dass es Schwarzstörche dort gibt", fügt Scheffler hinzu.

Roland Lenhart, Sachgebietsleiter für Umweltrecht am Landratsamt Bad Kissingen, bestätigt diese Einschätzung: "Der Baum ist nicht mehr besetzt. Es scheint auch so zu sein, dass kein weiterer Schwarzstorch-Horst in der Nähe ist." Trotzdem gehe die Untere Naturschutzbehörde davon aus, dass die Tiere weiterhin im Forst aktiv seien, da es Nachweise von Schwarzstörchen im angrenzenden Schondratal und im Neuwirtshauser Forst gebe.
Zudem will sich der LBV dafür einsetzen, dass für den mutmaßlich zerstörten Horst ein Ersatzbau in Form eines künstlichen Horstes geschaffen wird.

"Es handelt sich hier um einen Biodiversitätsschaden", sagt Mark Sitkewitz, Leiter der Bezirksgeschäftsstelle des LBV. Das Bundesnaturschutzgesetz gebe in einem solchen Fall die rechtliche Grundlage für den Ersatzbau. Der Antrag werde in den nächsten Wochen gestellt. Der LBV hofft, dass sich dann wieder ein Storchenpaar im Roßbacher Forst ansiedelt. Insgesamt schätzt Scheffler, dass zwischen sieben und zehn Paare im Landkreis Bad Kissingen brüten. Ein Horst mit Jungvögeln sei ihm persönlich bekannt. Die Tiere seien aber noch zu jung für eine Beringunggewesen. Von einem weiteren belegten Horst im Bereich des Truppenübungsplatzes Wildflecken habe er gehört. Für ganz Unterfranken schätzt Scheffler die Population auf etwa 25 Storchenpaare.


Rechtslage erlaubt keinen Windpark

Aus Sicht der Vogelschützer ist ein Windpark im Roßbacher Forst undenkbar. Für den Projektträger Windkraft Bayern ist die Idee aber keineswegs gestorben. Nach der Kommunalwahl nahm das Unternehmen erneut Kontakt zum Landratsamt auf. Die Rechtsgrundlage jedoch ist eindeutig: Am 18. Juli 2013 entschied der Kreisrat, die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes nicht zugunsten des Projektes zu verändern. Die Schutzzone aber schließt jegliche Nutzung für Windkraft aus.

Mark Sitkewitz, Bezirkschef beim LBV, zeigt sich vorsorglich kämpferisch."Sollte es jemals so weit kommen, werden wir alle Rechtmittel einlegen, die uns zur Verfügung stehen."


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