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Energiewende

Roßbacher Forst: Der Traum von einem Windpark

Der Roßbacher Forst hätte zum Pilotprojekt der Deutschen Bahn werden können. Mittlerweile hofft der Investor nur noch auf einen gewöhnlichen Windpark - und darauf, dass sich die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern.
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Umspannwerk Bad Brückenau: Die Stadtwerke träumen schon lange von einem Windpark mit Bürgerbeteiligung. Die Gespräche mit dem Investor "Windkraft Bayern" seien aber nie konkreter geworden, sagt Stadtwerke-Chef Günter Schneider. Foto: Ulrike Müller
Umspannwerk Bad Brückenau: Die Stadtwerke träumen schon lange von einem Windpark mit Bürgerbeteiligung. Die Gespräche mit dem Investor "Windkraft Bayern" seien aber nie konkreter geworden, sagt Stadtwerke-Chef Günter Schneider. Foto: Ulrike Müller
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Etwas versteckt liegt das Umspannwerk zwischen Bad Brückenau und Römershag. Hier könnte einmal Windstrom ins Netz eingespeist werden. Das zumindest stellt sich Hagen Schiffner, Geschäftsführer von "Windkraft Bayern", vor. Das Unternehmen möchte einen Windpark im Roßbacher Forst errichten. Das ist zwar rechtlich nicht möglich - der Regionalplan Main-Rhön schließt den Bau von Windrädern in Landschaftsschutzgebieten (LSG) aus -, doch Schiffner hofft darauf, dass sich die rechtlichen Bedingungen ändern. "Es wird weiter an dem Projekt gearbeitet", sagte Schiffner im November.

Deutsche Bahn steigt aus

Ursprünglich war der Windpark in Zusammenarbeit mit der "Deutschen Bahn" und "Siemens" geplant worden. Der Windstrom sollte direkt in die Bahnstromleitung eingespeist werden. Doch daraus wurde nichts, weil sich der Kreisrat dagegen aussprach, die Grenzen des LSG zu verändern. Die "Deutsche Bahn" stieg daraufhin aus dem Projekt aus. "Wir sind da nicht mehr dran", sagt Gelfo Kröger, Pressesprecher der DB Energie. Die Bahn habe an anderer Stelle eine Fläche gefunden, um das Pilotprojekt umzusetzen.

"Siemens" freilich hat weiter Interesse an dem Projekt. "Als Hersteller von Windkraftanlagen unterbreiten wir gerne ein Angebot", lässt Cordula Ressing von der Unternehmenskommunikation wissen. Auch der Markt Zeitlofs, in dessen Bereich der Roßbacher Forst liegt, unterstützt die Idee. "Wir befürworten den Windpark heute noch", sagt Bürgermeister Wilhelm Friedrich (CSU).

Nisthilfe für den Schwarzstorch

Unterdessen wächst beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) der Unmut. Nach dem mysteriösen Verschwinden eines Schwarzstorchhorstes hatten die Vogelschützer bei der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Bad Kissingen einen Ersatzbau als Nisthilfe beantragt. "Anfang März beginnt die Brutsaison", sagt Daniel Scheffler, Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe Rhön-Grabfeld. "Es wäre gut, wenn die Nisthilfe dann schon fertig wäre."

Die Behörde hat den Antrag an die Regierung von Unterfranken weitergereicht. Grundsätzlich spreche sich die höhere Naturschutzbehörde dafür aus, einen Ersatz für den Schaden zu schaffen, sagt Pressesprecher Johannes Hardenacke. Einziges Problem: Da nicht klar sei, wer den Horst entfernt habe, könne auch niemand verpflichtet werden, den Schaden wieder gut zu machen.

"Die untere Naturschutzbehörde wird allerdings Kontakt zum Eigentümer aufnehmen und die Möglichkeiten einer freiwilligen Anbringung eines Ersatzhorstes ausloten", sagt Melanie Hofmann, Pressesprecherin des Landratsamtes Bad Kissingen. Lutz Freiherr von Thüngen gehört das Stück Wald nach eigenen Angaben jedenfalls nicht.


Hintergrund:

Projekt Der Windpark im Roßbacher Forst wurde im Juni 2013 im Kreistagsausschuss für Umwelt und Wirtschaft erstmals öffentlich vorgestellt. Auf einer Fläche von ungefähr 940 Hektar waren mehrere Windräder geplant. Die Zahl von 18 Anlagen stand im Raum, wurde aber offiziell nicht bestätigt. Für eine Umsetzung des Projektes hätten die Grenzen des Landschaftsschutzgebiets "Bayerische Rhön" geändert werden müssen. Etliche Kreisräte befürworteten den Windpark. Ihr Argument: Lieber einen Konzentrationsstandort für Windkraft am Rande der Rhön schaffen, als die Landschaft für eine Verspargelung zu öffnen.

Beschluss Am 18. Juli 2013 sprach sich der Kreistag mit 40:12 Stimmen gegen eine Änderung des Landschaftsschutzgebietes aus. Lutz Freiherr von Thüngen, damals stellvertretender Landrat (FDP), enthielt sich. Der Grund: Der Roßbacher Forst gehört in nicht unwesentlichen Teilen ihm oder seiner Familie.

Schwarzstorch Bereits im Frühjahr 2013 verschwand ein langjähriger Brutplatz des Schwarzstorchs im Roßbacher Forst. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) erstattete Anzeige. Die Polizei ermittelte mehrere Monate, die Staatsanwaltschaft Schweinfurt stellte das Ermittlungsverfahren jedoch am 8. Juli 2014 ein. Die Begründung: Es habe sich nicht feststellen lassen, wer den Horst beseitigt oder zerstört hat. Der LVB hat bei der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Bad Kissingen einen Ersatzbau als Nisthilfe beantragt.

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