Roßbach
Nachgehakt

Roßbach: Was geschieht auf der Deponie?

Mitten im Wald befindet sich eine Deponie für Erdaushub. Eigentlich ist sie seit 2009 nicht mehr in Betrieb. Die Gemeinde nutzt sie aber weiter. Zu Recht?
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Auf seinen Spaziergängen kommt Berthold Richter regelmäßig an der Erdaushubdeponie vorbei. Sie liegt an einem Waldweg nahe bei Roßbach. Foto: Ulrike Müller
Auf seinen Spaziergängen kommt Berthold Richter regelmäßig an der Erdaushubdeponie vorbei. Sie liegt an einem Waldweg nahe bei Roßbach. Foto: Ulrike Müller
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Eigentlich ist es eine Lappalie, die Berthold Richter ärgert, aber in der Sache hat er Recht. Der Markt Zeitlofs nutzte seit den 1980er Jahren ein Gelände im Wald bei Roßbach für eine Deponie für Erdaushub. Im Sommer 2009 wurde der Betrieb eingestellt, doch bis heute ist das Gelände nicht vollständig rekultiviert worden. Was Richter ärgert: Sogar Stahl- und Betonteile lagern hier, Sandsteine ebenso und im Sommer wohl auch Grüngut.

"Das stößt mir auf, wenn ich hier vorbei gehe und den Dreck liegen sehe", sagt der Roßbacher. Die ehemalige Deponie liegt an einem Waldweg, der in Verlängerung der Kapellenstraße in Richtung Roßbacher Forst führt. "Ein Naherholungsgebiet", sagt Richter. Während der Zeit des Nationalsozialismus arbeiteten Bauleute hier an der geplanten Reichsautobahn (Strecke 46), erzählt er weiter und zeigt auf den damals ausgehobenen Graben, der noch gut zu erkennen ist.

Vielleicht war es genau diese Mulde, die den Ausschlag dafür gab, hier Erdaushub zu sammeln. Mächtige Aufschüttungen sind mittlerweile zu sehen. Auf einem Teil des Geländes wurde eine Wiese angesät. Dass nur teilweise rekultiviert wurde, stört Richter, genauso wie die Höhe der Aufschüttungen und die Lagerung von Fremdstoffen. Ihm geht es ums Prinzip. "Jeder von uns Bürgern, der etwas vorgeschrieben bekommt, muss das einhalten", sagt Richter. "Die Gemeinde macht, was sie will."


Landratsamt will im Frühjahr entscheiden

Thomas Schoenwald, Jurist am Landratsamt Bad Kissingen, gibt ihm Recht. "Es ist kein genehmigter Platz für Baustoffe", sagt er. Selbst vor der Schließung hätten Stahl- und Betonteile, Sandsteine und Grüngut nichts auf dem Gelände zu suchen gehabt, da die Deponie ausdrücklich für Erdaushub, also abgetragenen Boden, ausgewiesen worden war. Schoenwald vermutet aber, dass das seit Jahrzehnten so praktiziert werde - "nicht nur in Zeitlofs".

Warum die Rekultivierung des Geländes auch fast neun Jahre nach der Schließung noch immer nicht abgeschlossen ist, erklärt Schoenwald damit, dass umfangreiche Erdmengen für die Oberflächengestaltung vorgesehen seien. Erst mit der Zeit falle so viel Erde an, aus diesem Grund habe das Landratsamt die Rekultivierungsfrist immer wieder verlängert, zuletzt bis zum 31. Dezember des laufenden Jahres.

Bürgermeister Wilhelm Friedrich (CSU) möchte keine Stellung zu dem Bürgervorwurf beziehen. Der Gemeinderat hat aber schon im vergangenen September einen Antrag auf Nutzungsänderung der ehemaligen Deponie gestellt. Nach dem Willen der Räte soll der Bauhof dort in Zukunft ganz legal Erde, Grüngut, Sandsteine und Baumaterial zwischenlagern dürfen.

Thomas Schoenwald rechnet damit, dass das Landratsamt den Antrag zeitnah bearbeiten werde. "Verschiedene Stellungnahmen der Fachbehörden stehen noch aus", erklärt er. Einer Entscheidung kann und darf er nicht vorgreifen. Seiner grundsätzlichen Einschätzung nach aber sieht er Chancen, dass der Antrag bewilligt werde, schließlich werde das Gelände seit Jahrzehnten genutzt, sei bereits eingezäunt und baulich vorbelastet.

Berthold Richter wird das nicht passen. Seit Herbst 2016 schreibt er regelmäßig die Gemeinde und das Landratsamt an, dokumentiert die Veränderungen, die er auf der ehemaligen Deponie wahrnimmt. Dass keiner der Gemeindeverwaltung auf die Finger schaue, auch nicht nach mehrfachen Hinweisen, will er nicht akzeptieren. "Ich kann das nicht nachvollziehen", sagt Richter.
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