Oberbach
Natur

Rosa, schön - und giftig

Herbstzeitlose blühen derzeit auf den Wiesen. Es sind heuer mehr als sonst. Die Gebietsbetreuerin der Schwarzen Berge, Simone Hepp, erklärt warum.
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Herbstzeitlosen auf Rhöner Wiesen. Foto: Simone Hepp
Herbstzeitlosen auf Rhöner Wiesen. Foto: Simone Hepp

Zarte rosa Blüten, soweit das Auge reicht - dieses Bild zeigt sich dem Betrachter beim Anblick so mancher frisch gemähten Wiese. Eigentlich eine hübsche Aussicht, doch das Idyll trügt. Bei Colchicum autumnale, so der lateinische Name der Herbstzeitlose, handelt es sich um eine für Mensch und Tier giftige Pflanze.

Nicht nur den Landwirten, auch so manchem Wanderer fällt auf, dass die zierlichen Blüten, die den Herbst schmücken, wie die Krokusse das Frühjahr, in den letzten Jahren scheinbar mehr geworden sind. Manch einer vermutet hinter dem vermehrten Wachstum den Verzicht auf Düngung, der bei einigen Flächen neuerdings betrieben wird. Doch mit Düngeverzicht hat die zunehmende Verbreitung wenig zu tun. "Auch auf Flächen auf denen gedüngt wird und auf solchen auf denen noch nie gedüngt wurde nehmen die Pflanzen zu," erläutert die Gebietsbetreuerin für die Schwarzen Berge, Simone Hepp. "Die Ursachen liegen woanders."

Herbstzeitlosen bilden unterirdische Knollen aus denen im Herbst die Blüte hervorgeht und im Frühjahr die Blätter und die Samenkapseln wachsen. In diesen Samenkapseln bildet die Pflanze die Samen, die durch den Wind aber auch durch Ameisen in die nähere Umgebung der Mutterpflanze verbreitet werden. Laut einer Studie der Arbeitsgruppe um Professorin Annette Otte aus Gießen sind die Samen Dunkelkeimer, sie keimen also nur unterirdisch. Zudem ist der überwiegende Teil der Samen nur im ersten Jahr keimfähig. Was aber zur momentanen Häufigkeit der Herbstzeitlose beiträgt ist ein anderer Faktor, der bei der Samenkeimung eine Rolle spielt. "Die Ergebnisse der Forschungsgruppe um Frau Otte deuten darauf hin, dass Herbstzeitlosen an trockenen Standorten besser keimen können", sagt die Gebietsbetreuerin. Laut Alana Steinbauer, die im Biosphärenreservat als Projektmanagerin für die Anpassungen an den Klimawandel zuständig ist, werden die Sommer zukünftig generell trockener ausfallen: "Das liegt daran, dass der Niederschlag zwar gleich bleiben wird, allerdings werden die Temperaturen ansteigen". Die trockenen Sommer der letzten beiden Jahre bieten den Pflanzen also ideale Bedingungen zur Vermehrung.

Um die Pflanze zu dezimieren bringt es nichts, jetzt im Herbst die Blüten zu mähen oder gar die ganze Wiese zu mulchen. Da pro Knolle bis zu fünf Blüten austreiben können, wird das die Pflanze nicht wesentlich beeinträchtigen, zumal die Entfernung der Blüten die unterirdische Knolle nicht weiter schwächt. Im Frühjahr, wenn aus den Knollen die Blätter und Samenkapseln vollständig ausgewachsen sind, stehen die Chancen besser. "Jetzt ist der beste Zeitpunkt die Blätter mitsamt den Samenkapseln per Hand auszureißen. Dadurch kann man der Pflanze dauerhaft zu Leibe rücken und hat die Blätter nicht mit im Futter, wenn es gemäht wird", empfiehlt die Gebietsbetreuerin.

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