Staatsbad Brückenau
Hochschulpodium

"Rohrblätter" zwischen E- und U-Musik

Das Trio will zeigen, dass eine genaue Unterscheidung zwischen "ernster" Musik und Unterhaltungsmusik spätestens ab dem 20. Jahrhundert kaum mehr möglich ist.
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Das Trio d'espècies von der Hochschule für Musik Würzburg musiziert in Bad Brückenau. Foto: Franziska Steinbrink
Das Trio d'espècies von der Hochschule für Musik Würzburg musiziert in Bad Brückenau. Foto: Franziska Steinbrink

Das Hochschulpodium mit dem Trio d'espècies findet am Samstag, 24. August, um 20 Uhr, im Kuppelsaal des Dorint Resort & Spa Bad Brückenau statt. Das Trio d'espècies von der Hochschule für Musik Würzburg spielt in der Besetzung Mireia Gongora Moral (Oboe), Viola Gaebel (Klarinette) und Anna Koch (Fagott).

Das Programm mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Louis Durey, Libor Sima und Erwin Schulhoff ist eine bunte Mischung aus E- und U-Musik. Das Ziel des Trios ist es zu zeigen, dass eine genaue Unterscheidung zwischen "ernster" Musik und Unterhaltungsmusik spätestens ab dem 20. Jahrhundert kaum mehr möglich ist.

Als "Trio d'anches" (französisch: Rohrblatt-Trio) bezeichnet man in der Klassik ein Ensemble, bestehend aus Oboe, Klarinette und Fagott. Der Begriff geht auf den Fagottisten Fernand Oubradous und sein "Trio d'anches de Paris" zurück, welches ab 1920 in Frankreich diese Besetzung etablierte. Sie ist die wichtigste Kammermusikbesetzung für drei Holzbläser und kommt auch beim Hochschulpodium zum Einsatz. Mireia Gongora Moral (Oboe), Viola Gaebel (Klarinette) und Anna Koch (Fagott) von der Hochschule für Musik Würzburg spielen im Kuppelsaal des Dorint Resort & Spa Bad Brückenau Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Libor Šíma, Louis Durey und Erwin Schulhoff.

Das Trio will zeigen, dass eine genaue Unterscheidung zwischen "ernster" Musik und Unterhaltungsmusik spätestens ab dem 20. Jahrhundert kaum mehr möglich ist. Die moderne Musik lebt von der Verschmelzung der Stilmittel aus den verschiedensten musikalischen Genres und gelangt dadurch zu einem ganz neuen Klang- und Formenreichtum.

In einigen Fällen ist diese Einteilung noch relativ eindeutig, so bei Wolfgang Amadeus Mozarts Divertimento Nr. 5. KV 439b. Die Fünf Miniaturen für drei Holzbläser von Libor Šíma hingegen bestechen durch einen stilistischen Mix aus Klassik, Jazz und Tanz und zeigen somit Merkmale sowohl der E- als auch der U-Musik. Im Divertissement pour trio d'anches op. 107 von Louis Durey kommen zusätzlich folkloristische Elemente hinzu.

Am deutlichsten wird die Verschmelzung der E- und U-Musik jedoch in Erwin Schulhoffs Divertissement für Oboe, Klarinette und Fagott. Das 1927 entstandene Werk ist ein Spiegel des Zeitgeschehens der 1920er Jahre und von verschiedensten Strömungen beeinflusst. Der damals besonders populäre Tanz Charleston ist genauso vertreten wie längere sentimentale Passagen, Dadaismus, Jazz oder moderner Folklorismus, gepaart mit einem Schuss Politik- und Sozialkritik. Die Übergänge sind fließend, die Klassifizierung nur im historischen Kontext zu verstehen. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

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