Frankenheim
Abenteuer

Rhöner erklimmt den Elbrus: Belohung auf 5642 Metern Höhe

Jürgen Nimec bereitete sich auf die Tour mit Wanderungen in der Rhön vor
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In der Nacht haben die Bergfreunde ihren Aufstieg Elbrus (5642 Meter), den höchsten Berg Europas und Russlands überstiegen begonnen. Sie wurden mit einem traumhaften Sonnenaufgang belohnt. Foto: Jürgen Nimec
In der Nacht haben die Bergfreunde ihren Aufstieg Elbrus (5642 Meter), den höchsten Berg Europas und Russlands überstiegen begonnen. Sie wurden mit einem traumhaften Sonnenaufgang belohnt. Foto: Jürgen Nimec
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"Es war der schönste Sonnenaufgang meines bisherigen

Lebens", schwärmt Jürgen Nimec. Der Frankenheimer hat sich gemeinsam

mit  drei befreundeten Bergkollegen einen Traum erfüllt: Sie haben den

Elbrus (5642 Meter), den höchsten Berg Europas und Russlands überstiegen.

Die Geschichte zu dieser außergewöhnliche Bergtour begann 2016.

Damals waren die Freunde in Afrika und bestiegen den Kilimanscharo. Bei

einem Nachtreffen, in geselliger und weinseliger Runde wurde die Idee

geboren den Elbrus zu übersteigen.  "Ob der Elbrus  oder der Mount Blanc

mit seinen 4810 Meter der höchste Berg Europas ist, hängt von der

Definition der innereurasischen Grenze ab und ist immer noch

umstritten", erklärte Nimec. "Der Elbrus jedenfalls liegt im Süden

Russlands, nahe der Georgischen Grenze. Der Berg ist ein erloschener,

stark vergletscherter Vulkan.  Lange Zeit durfte der Berg nicht

bestiegen werden, da er als Heiliger Berg gesehen wurde."

Nachdem alle Reiseformalitäten geklärt waren, machten sich die drei

Bergfreunde auf den Weg. Vom Flughafen München ging es nach Moskau und

Mineralnye Vody. Im Gepäck hatten sie ihre komplette Bergsteigermontur.

"Ich habe mir eigens für Russland eine Dauenhose und Daunenjacke

gekauft. Die besonderen Herausforderungen am Elbrus sind die extreme

Wetteranfälligkeit und die enormen Temperaturschwankungen von bis zu

Minus 30 Grad", berichtete Nimec.

Von Mineralnye Vody aus folgte ein Transfer in das Bergsteigerdorf

Terskol. Nimec hat vor allem die weitgehend unberührten Natur

begeistert. "Der Elbrus vereint landschaftlich die unterschiedlichsten

Bilder, von der weitgehend unberührten Natur mit weiten grünen Ebenen im

Norden, bis hin zum modernen Süden mit Skigebieten und Tourismus."

Nach einer Übernachtung brachen die drei Bergsteiger zu einer

Akklimatisationstour zum Observatorium auf der Südseite des Elbrus, auf

3100 Meter, auf. Am nächsten Tag ging es direkt an den Berg, um das

Basislager auf 3700 Meter einzurichten. Im Schnee schliefen sie in

Zelten und kochten auf Gaskochern. "Die Verpflegung war hervorragend."

An den darauffolgenden Tagen unternahmen die Bergkameraden mehrere

Touren zur Akklimatisation, bis zu einer maximalen Höhe von 4700 Meter

(Pastuchov-Felsen). Danach zwang das Wetter die Seilschaft zu einer

zweitätigen Ruhepause.

Dann war endlich der Gipfeltag gekommen. "Nach einem kleinen Frühstück

ging es gegen Mitternacht vom Basislager aus los. Wobei Frühstück zu

viel gesagt wäre, es war ein Getränk und ein Müsliriegel", so Nimec. Sie

stiegen über die Prijut-Hütte, den Pastuchov-Felsen und dem

Elbrus-Sattel bis zum West-Gipfel auf. Was sich in einem Satz so einfach

liest, war eine anstrengende und stundenlange Tour über weite

Schneefelder, die in der Dunkelheit und mit Stirnlampe begann und auf

dem Gipfel bei Sonnenschein ihren Höhepunkt hatte. "Der Berg zieht sich.

Es war sehr hart."

Doch der Lohn war ein traumhafter Sonnenaufgang, der

die drei Bergfreunde sehr berührte. "So etwas habe sich noch nie

gesehen. Afrika war schon traumhaft, aber das hat mich sehr bewegt."

Bei strahlendem Sonnenschein standen sie auf dem Gipfel und genossen die

Minuten des Gipfelglückes. "Weit ins Georgische Land konnten wir blicken

und sogar das Schwarze Meer erahnen."

Lange konnten sie sich nicht aufhalten, es ging zurück in den Sattel und über die wilde und stark

vergletscherte Nordseite bis auf 2600 Meter hinab. Für diesen Abstieg

hatten sie sich einen Bergführer kommen lassen, der vom Norden her

aufgestiegen war. "Die Nordseite weißt viele Spalten im Eis auf. Wir

gingen am Seil und wollten mit einem Führer auf Nummer sicher gehen."

Während des gesamten Abstieg schien die Sonne, die Schneefelder

reflektierten und es wurde richtig warm. Nach und nach zog Jürgen Nimec

die Daunenjacke und auch die Daunenhose aus, dabei waren es noch immer

minus zehn Grad. "Ich war eindeutig zu warm angezogen. Der Rucksack war

irgendwann so voll, dass wir nichts mehr ausziehen konnten."

Gute acht Kilo trug jeder der Bergfreude im Rucksack auf den Berg. Das war nötig,

da sie nach dem Abstieg auf der Nordseite ein weiteres Basislager

erreichten und dort übernachteten. Insgesamt waren sie 15 Stunden

unterwegs und hatten zirka 5.000 Höhenmeter bewältigt. Das anschließende

Bad in warmen Thermalquellen war eine wahre Wohltat für die geschundenen

Muskeln und Gelenke.

Jürgen Nimec hatte sich auf diese Tour durch ausgedehnte

Nordic-Walking-Touren und Joggen in der Rhön vorbereitet. "Ich habe im

Vorfeld nur wenig trainiert. Es war sehr hart. Die Übersteigung

erforderte einen körperlichen Dauereinsatz. Der Körper musste

funktionieren."

Glücklich, die Überschreitung des höchsten Berges Europas von Süd nach

Nord bewältigt zu haben, und nach zwei erholsamen Tagen mit Sightseeing,

kehren die Bergfreunde in nach Deutschland zurück. Was steht als

nächstes an? Konkrete Pläne gibt es keine, doch einen Wunsch: Die

Besteigung des höchstens Bergs Südamerikas, des 6.961 Meter hohen

Aconcagua in den Anden  Argentiniens.

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