Bischofsheim

Retter hängen bei Bergwachtübung in Bischofsheim nur an einem Seil

Bergwachten aus dem Bereich Rhön und Spessart übten die Rettung von Verletzten mit Hubschrauber. Dieser Einsatz verlangt von den Rettern schon etwas Mut.
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Mut brauchen die Bergretter, wenn sie, nur am Seil hängend, vom Hubschrauber zu einer schwer zugänglichen Unfallstelle gebracht werden und Verletzte retten müssen.  Foto: Hanns Friedrich
Mut brauchen die Bergretter, wenn sie, nur am Seil hängend, vom Hubschrauber zu einer schwer zugänglichen Unfallstelle gebracht werden und Verletzte retten müssen. Foto: Hanns Friedrich
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Langsam beginnen die Rotorblätter sich zu drehen, werden schneller und der Motor des Hubschraubers immer lauter. Im Umkreis werden Blätter und Grashalme nach oben geschleudert. Der Polizeihubschrauber Eurocopt EC 135 hebt vom Boden ab und bleibt einige hundert Meter im Schwebeflug in der Luft stehen. Die Winde wird ausgefahren und ein Seil zu Boden gelassen. Dort hat sich ein Bergwachtler bereits am Bergesack eingehakt. Dann gehts nach oben. Im ehemaligen Steinbruch "Am Stengerts" in Bischofsheim übten Bergwachtbereitschaften aus Bischofsheim, Oberelsbach, Oberbach und Frammersbach den Ernstfall in schwierigem Gelände.

Jeder Bergwachtler wurde mindestens einmal mit dem Evakuierungs-Sitz und dem Luftrettungs-Bergesack ausgeflogen, musste wissen, wie die Anti-Rotations-Leine bedient wird und welche Handbewegungen dem Piloten signalisierten, ob er das Seil auf- oder ablassen sollte. Die ausgestreckte Hand zeigt nach oben oder unten, eine kreisende Bewegung ist das Abbruchzeichen.

Mit dabei war auch ein Notarzt aus Hösbach, der sich über einen solchen Übungsablauf informieren wollte.

Der Polizeihubschrauber ist in Roth bei Nürnberg stationiert. Mit ihm kamen die Piloten Thomas Ortloff, ein gebürtiger Brendlorenzer, und Thomas Seubelt. Unterstützt wurden sie durch die Flugtechniker Tobias Pültz, Michael Waldmüller und Stefan Böttcher. Während Tobias Pültz und Michael Waldmüller den Bergwachtlern zunächst Informationen über den Ablauf der Übung gaben, sagte Thomas Ortloff gegenüber dieser Zeitung, dass solche Übungen sowohl für die Bergwacht, als auch für das Team des Hubschraubers wichtig sind. Geübt wird, möglichst einmal pro Jahr mit den Bergwachtleuten, aber auch mit Höhenrettungsgruppen und Alpinen Einsatzgruppen der Feuerwehr und auch der Wasserwacht. Dabei geht es um den sogenannten "Einsatzklarstand", die Rettung mit der Winde und darum, wie sich die Retter am Hubschrauber verhalten: "Immer auf der Kufe stehen," sagte Tobias Pültz den Bergwachtlern.

Viele der Bergwachtleute aus Rhön und Spessart waren schon bei derartigen Übungen im Übungszentrum Bad Tölz. "Dort ist allerdings der Hubschrauber starr installiert. "Bei dieser Übung sind wird draußen, das heißt, es wird windig durch die Rotoren, das Seil wird sich drehen und es ist vieles anders als im Übungszentrum", so Thomas Pültz.

Schon die Anfahrt zum Übungsgelände zeigte, dass es die Bergwachtleute oft nicht leicht haben, zum Einsatzort zu kommen. Quer durch den Wald auf teils abschüssigen und holprigen, ja schlammigen Wegen ging es nach oben. Dort wartete das Areal des Stengerts mit seinen Steilwänden.Hier könnte sich ein Szenario abspielen, wie es bei der Übung vorgegeben war: Retten von abgestürzten Personen und Hilfesuchenden im unwegsamen Gelände. "So etwas kommt immer vor und da müssen wir gewappnet sein", sagt André Back, Verantwortlicher für die Luftrettung innerhalb der Bergwacht Rhön-Spessart. Der große Bereich am Stengerts ermöglichte es dem Hubschrauber sicher zu landen und die Bergwachtleute aufzunehmen. Es gehörte dann aber schon Überwindung dazu, sich am Seil vom Hubschrauber in die Höhe fliegen zu lassen. Für die Bergwachtleute ist dies Teil der Ausbildung und notwendig, ergänzt André Back.

Dabei sind solche Einsätze, wie sie die Bergwacht in Bischofsheim geübt hat, eigentlich selten. "Aber sie müssen geübt werden, um im Ernstfall korrekt zu handeln", ergänzt Back. Rhön/Spessart-Bereitschaftsleiter Oliver Scheuplein nennt Fälle, wo dieser Einsatz nötig sein kann, an Kletterwänden beispielsweise oder bei Forstunfällen. Es kann auch vorkommen, dass Drachenflieger auf diese Weise gerettet werden müssen.

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