Motten
Ärger

Raser bringen Mottener in Rage

Für Auto- und Lkw-Fahrer ist die Strecke zwischen Kothen und Motten weniger beliebt, umso mehr allerdings bei Bikern, was für Probleme sorgt.
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Die Staatstraße St2790 zwischen Kothen und Motten ist bei Motorradfahrern sehr beliebt. Die Bewohner jedoch leiden unter dem Verkehrslärm. Foto: Stephanie Elm
Die Staatstraße St2790 zwischen Kothen und Motten ist bei Motorradfahrern sehr beliebt. Die Bewohner jedoch leiden unter dem Verkehrslärm. Foto: Stephanie Elm
Geradezu heiß begehrt ist das "Rauf- und Runterheizen" auf der kurvenreichen und vor allem neu ausgebauten Staatsstraße zwischen Kothen und Motten. Kothener und Mottener sehen das anders, sie werden durch den Lärm gestört. Sorgen bereitet ihnen auch das Tempo, mit dem auch innerorts gefahren wird.

In vergangenen Gemeinderatsitzungen war das Thema bereits diskutiert worden. Nun erörterte Herbert Markert, Erster Polizeihauptkommissar von der Inspektion Bad Brückenau, das Thema aus polizeilicher Sicht. Auf Grund mehrerer Beschwerden und Anrufe bei der Polizeidienststelle in Bad Brückenau wurden im Abschnitt 320 der ehemaligen B27 an "zehn sonnigen Wochenenden" Zweiradkontrollen durchgeführt. "Die Strecke war schon Einsatzschwerpunkt", berichtet Herbert Markert. Insgesamt wurden bei sieben Kradfahrern Verstöße gegen Ausrüstungsvorschriften festgestellt, besonders durch ausgebaute "dB-Killer". Lediglich ein Biker entpuppte sich als typischer Raser. Weitere Geschwindigkeitsverstöße waren nicht beobachtet worden.

Doch waren in besagtem Abschnitt ein Drittel aller Zweiradunfälle, die in den Zuständigkeitsbereich der PI Bad Brückenau fallen, zu verzeichnen.


Gefahr für die Gesundheit

Lärmbelästigungen, besonders durch sogenannte Lärmspitzen hervorgerufen, stellen mit eine Gefahr für die Gesundheit dar. Im Abschlussbericht der im Jahr 2015 untersuchten Daten von 89 Streckenabschnitten in Bayern werden beispielsweise Drehzahlbereiche von über 10.000 UpM (Umdrehungen pro Minute) und Schalldruckpegel von "weit mehr als 100 Dezibel" (dB) genannt. Die Strecke zwischen Kothen und Motten war nicht Teil der Untersuchung, damals war die Straße wegen der Baumaßnahmen noch keine Attraktion für den Motorradverkehr.

"Präventiv und repressiv" agiert die Polizei hier, denn die Gesetzeslage ist eindeutig. Laut §30 Abs. 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) ist unnötiger Lärm verboten, entweder hervorgerufen durch unnötiges Herumfahren oder Veränderungen am Fahrzeug. Letztes verbietet §19, Abs. 2 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO). Auch zum "Schutz der Gesundheit sowie der Rechtsordnung" will die Polizei die Lärmbelästigung verhindern. Allerdings kann sie hier nur im Einzelfall wirken. Sollten bei Kontrollen Verstöße gegen §30 oder §19 auffallen, ist die Polizei Ansprechpartner. Für die Abwehr von Verkehrslärm, der auf Grund der Verkehrsmenge entsteht, sind jedoch die Straßenverkehrs- und Straßenbaubehörden zuständig.

Aus den Beschwerden, die die Polizei dieses Jahr erreichte, resultieren lediglich zwei Anzeigen und vier Verwarnungen, die anderen Fälle blieben ohne Feststellungen und Beanstandungen. Einfache Handhabe hat die Polizei, wenn "ungenehmigte Veränderungen" am Fahrzeug vorgenommen werden, durch die Geräuschverhalten verschlechtert wird (Entfernen des dB-Eaters/ dB-Killers). Diese Manipulation ist einfach festzustellen und wird geahndet. Schwieriger wird es bei der Frage, ob Lärm "unnötig" ist. Hier müssen die Interessen aller Beteiligter abgewogen werden.


Selbstjustiz verboten

Verkehrsteilnehmer vor Geschwindigkeitskontrollen zu warnen, untergräbt die Maßnahmen der Polizei. Unter allen Umständen verboten ist Selbstjustiz, wie es im Mai dieses Jahres durch einen Splitt-Streuer versucht worden war.

Die Straße, wenn auch zeitlich begrenzt, für Motorradfahrer zu sperren, sei nicht möglich. Der Erfolg von Geschwindigkeitsbegrenzungen sei fraglich, eine Umsetzung schwierig. Die Polizei setzt weiterhin auf Abschreckung, in dem sie vor Ort sein will. Besonders die massiven Geschwindigkeits-Überschreitungen am Dorfausgang will sie sich "näher ansehen". Videos, die die Biker selbst erstellen und ins Internet hochladen, dienen ebenfalls der Täterverfolgung, berichtete Herbert Markert. Nummernschilder zu notieren, mache Sinn, doch sollten mindestens zwei Zeugen zugegen sein. Weiterhin soll die Bevölkerung Störungen sofort melden. Sowohl unter 112 oder auch unter Tel.: 09741/6060 sei dies möglich. Sich beim Bürgermeister zu beschweren, sei sinnlos, denn er habe auf der Staatsstraße "keine Befugnisse".


Störungen sofort melden

Jochen Vogel und der Gemeinderat beschlossen, im Frühjahr, das heißt zu Beginn der neuen Motorradsaison, per Gemeindeblatt aufzurufen, dass Störungen umgehend gemeldet werden sollen. "Schade" nannte es Gemeinderat Rudolf Will (Wählergemeinschaft Motten), dass Ehrenamtliche wie die Feuerwehrkameraden und die Helfer-vor-Ort (HvO) gerade an Wochenenden durch Raser im Einsatz sein mussten. Da wird "der ehrenamtliche Job missbraucht".

Der Gemeinderat beschloss einstimmig die Verlängerung des Konzepts zur Revitalisierung der Ortskerne. Das Angebot war bislang auf ein Jahr befristet gewesen, ab dem 1. Januar 2018 läuft es unbefristet. Grabeinfassungen waren auf dem Mottener Friedhof ursprünglich nicht vorgesehen, allerdings auf Antrag bereits mehrfach bewilligt. Positiv sahen es alle Gemeinderäte, dies in Zukunft generell zu genehmigen.

Beide Kindergärten beantragten Zuschüsse zu neuen Spielgeräten. In Kothen wurde das Spielgerät mit circa 5.500 Euro veranschlagt, der Mottener Kindergarten soll circa 7.200 Euro zahlen. Nach bereits zugesagten oder geleisteten Förderungen von der Kirchenverwaltung beziehungsweise Elternbeirat und der Bezuschussung von 20 Prozent durch die Diözese erklärte sich die Gemeinde bereit, ebenfalls 20 Prozent des Gesamtanschaffungspreises beizusteuern und wich somit von der üblichen zehnprozentigen Förderung ab. Gemeinderat Alfons Erb (Wählergemeinschaft Motten) betonte, dass es sich hier um zwei Einzelfallentscheidungen handelt.
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