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Bischofsheim an der Rhön
Kirchenkunst

Pieta aus der Rhön im Mittelpunkt des "Andersraums"

Mit ihrer modernen Pieta hat die Bischofsheimer Künstlerin Johanna Helle schon Aufsehen erregt. Nun war diese Pieta im Rahmen eines bundesweit interessanten Projektes in Nordrhein-Westfalen zu sehen.
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"Erweckung von Empathiefähigkeit"-  die moderne Pieta von Johanna Helle  war Mittelpunkt des Projektes "Andersraum 2020" in Lennep  (Nordrhein-Westfalen). Foto: Johanna Helle
"Erweckung von Empathiefähigkeit"- die moderne Pieta von Johanna Helle war Mittelpunkt des Projektes "Andersraum 2020" in Lennep (Nordrhein-Westfalen). Foto: Johanna Helle
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Mit ihrer modernen Pieta hat die Bischofsheimer Künstlerin Johanna Helle schon vor zwei Jahren Aufsehen erregt. Es war ihre Abschlussarbeit an der Berufsfachschule für Holzbildhauerei. Es ist eine zeitlose Darstellung, die das empathische Miteinander in den Vordergrund stellt.

Doch sie noch mehr, sie ist aus der heutigen Zeit für die heutige Zeit. Inspiriert wurde die junge Künstlerin durch das  "World Press Photo of the Year 2012". Es zeigt eine jemenitische Mutter, die ihren Sohn im Arm hält, der von militanten Gruppen mit Tränengas angegriffen wurde, weil er bei einer Demonstration mitwirkte. Dieses Ereignis fand am 15. Oktober 2011 in Sanaa, Jemen, statt. "Ich habe das Bild gesehen und sofort das Bild einer Pieta vor meinen Augen gehabt", erinnert sich Helle. Ihr war klar, dass dieses Bild  und der Schrecken der Gewalt auf der arabischen Halbinsel Anlass genug sind, eine "Moderne Pieta" zu erstellen.

Nun war diese Pieta Mittelpunkt eines bundesweit interessanten Projektes in Nordrhein-Westfalen, genauer im Lennep, einem Stadtbezirk von Remscheid. Das Projekt trägt den Namen "Andersraum2020", und es geht darum, Kirche neu zu denken. Wie schon im Sommer 2018 wurde die  Kirche St. Bonaventura in Lennep zu einem "Andersraum". Alle Bänke waren ausgelagert und der leere Raum farbig illuminiert. Die Kirche verwandelte sich täglich in Kunsttempel, Dancehall, Konzertsaal, Festtafel, Pfadfinderlager, Bühne für Performances und Workshops, Raumlandschaft für Parcours & Theater und Ort des interreligiösen Austauschs. Johanna Helles moderne Pieta stand im Mittelpunkt dieses "Andersraums".

Erweckung von Empathiefähigkeit

Die Anfrage an die Bischofsheimerin kam von Andy Dino Iussa auf, er ist Organisator des  Projektes und Mitarbeiter beim Lotsenpunkt Lennep, der den "Andersraum 2020" organisiert. "Er hatte schon zu meinem Abschluss 2017 von meiner Skulptur "moderne Pieta" gehört und darauf gewartet, sie richtig einsetzen zu können." Johanna Helle war zur Vernissage selbst in  Lennep, um ihre moderne Pieta vorzustellen. Der Kunsthistoriker Markus Juraschek-Eckestein sprach im Rahmen der Vernissage über die Entstehung der Pieta, ihrer Entwicklung in der Kunstgeschichte und über das damit verbundene Thema "Erweckung von Empathiefähigkeit".

Religionsübergreifend

Die Pieta versinnbildlicht in der bildenden Kunst der christlichen Tradition die Darstellung Marias als sogenannte "Mater Dolorosa", als Schmerzensmutter. In ihrem Schoß hält sie den Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus. Das für Helle Besondere war aber das Religionsübergreifende in diesem "Andersraum". Gekommen waren ein Imam aus dem Islam, ein Jude, ein Christ und eine Dame aus dem Bahaitum - sie sangen Lieder in ihrer Sprache und erläuterten diese. "Hier fiel auf, dass der Unterschied zwischen unseren Religionen gar nicht so groß ist und es uns allen um die selbe Sache geht" - so möchte sie ihre moderne Pieta auch verstanden wissen. "Aufforderung meiner Skulptur ist, über jegliche Barrieren, wie Herkunft, Glaube etc. hinwegzusehen und den Menschen zu sehen, der einem gegenüber steht und mit diesem Menschen fühlen zu können: Empathie."

Perfektes Rahmenprogramm für Skulptur

So wurde die Kirche St. Bonaventura mit der modernen Pieta aus der Bayerischen Rhön zum Ort neuer Begegnungen mit sich, mit anderen, mit Gott. Es war ein offenes Angebot für alle Menschen - unabhängig von Unterschieden in Glauben, Herkunft und Generation. Die leere Kirche gab Raum zur Entfaltung für "Ideen des Menschseins". Es wurden Fragen thematisiert wie "Wie werde ich Mensch?" Und: "Wie soll Kirche morgen sein?" Der leere Kirchenraum wurde aber nicht nur für  Kunst, Kultur und Sport genutzt. Natürlich wurde auch Gottesdienst, Eucharistie gefeiert, und es gab eine Auseinandersetzung mit der Frage, ob eine Kirche ohne Bänke noch eine Kirche ist, oder ein Ort, der bestenfalls noch Ruhe und Zuflucht bietet?

Johanna Helle ist begeistert von diesem Projekt "Ich bin immer noch sehr überwältigt von der Positivität, die dort herrschte und dem Miteinander. Es war das perfekte Rahmenprogramm für meine Skulptur." Das Video zum Interview vom Johanna Helle ist auf youtube zu finden.