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Bad Brückenau
Kirche

Pfarrer braucht starke Nerven

Die drastischen Auswirkungen der Corona-Krise sind bei der evangelischen Kirchengemeinde Bad Brückenau deutlich spürbar. Neben den Gottesdiensten fällt jetzt auch die traditionelle Osternacht aus.
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In Krisenzeiten wird selbst ein Pfarrer zum Handwerker. Gerd Kirchner fixiert an den Sitzbänken des Gotteshauses gut sichtbare Markierungspunkte, damit die Besucher der Bad Brückenauer Friedenskirche ausreichend Abstand voneinander halten.Foto: Rolf Pralle
In Krisenzeiten wird selbst ein Pfarrer zum Handwerker. Gerd Kirchner fixiert an den Sitzbänken des Gotteshauses gut sichtbare Markierungspunkte, damit die Besucher der Bad Brückenauer Friedenskirche ausreichend Abstand voneinander halten.Foto: Rolf Pralle

"Mich macht die ganze Situation persönlich sehr betroffen", sagt Pfarrer Gerd Kirchner. Der Bad Brückenauer Geistliche steht an diesem Vormittag nicht mit Bibel und Gesangbuch in der Friedenskirche, sondern mit Zollstock und Tesafilm-Abroller. Denn es ist notwendig, für die nächsten Wochen oder sogar Monate einige unabdingbare Vorsichtsmaßnahmen in Angriff zu nehmen.

"Die Gottesdienste fallen zwar aus, das Haus steht den Gläubigen für einen Einzelbesuch aber täglich von 9 bis 18 Uhr zum stillen Gebet, zum Innehalten oder zum Anzünden einer Kerze offen. Die passende Musik kommt vom Band", so Kirchner, der in dieser Sache auch in Kontakt mit den Verantwortlichen im Evangelisch-Lutherischen Dekanat Lohr am Main steht. Etliche Bänke markiert er mit gut sichtbaren Punkten, die die Sitzplätze ausweisen. Ganz wichtig sei ein genügender Abstand zwischen den Besuchern, um eine eventuelle Ansteckungsgefahr zu bannen.

Starke Nerven erforderlich

Der Pfarrer braucht in diesen Tagen aber nicht nur handwerkliches Geschick, sondern darüber hinaus auch ein starkes Nervenkostüm. "Unsere Jahresplanung ist im Moment praktisch komplett über den Haufen geworfen", bedauert der 62-Jährige. So liefen beispielsweise die Vorbereitungen für die traditionelle Osternacht, die für den 11. April terminiert war, bereits auf vollen Touren. Im Mittelpunkt der Feier hätte diesmal ein "Schauspiel zwischen Himmel und Hölle" stehen sollen, in dem es temperamentvoll um Liebe, Lust und Leidenschaft gegangen wäre. "Das ist erst einmal Makulatur", macht Kirchner kein Geheimnis aus seiner Enttäuschung. Diskutiert wird in diesen Tagen darüber hinaus über eine Verlegung des Konfirmationstermins.

Auch wann und wie andere Veranstaltungen über die Bühne gehen können, ist völlig in der Schwebe. Ins Auge gefasst waren nämlich zwei Ausstellungen und mehrere Sonderaktionen zu den Anlässen "60 Jahre Friedenskirche" und "95 Jahre Posaunenchor". An diese "wichtigen Meilensteine" soll auf jeden Fall erinnert werden, "selbst wenn wir das Ganze weit nach hinten verschieben müssen", erläutert Kirchner.

Material daheim sammeln

Daher gilt nach wie vor sein Appell an die Gemeindemitglieder, das Pfarramt bei der Realisierung der Präsentationen mit Fotos, Zeitungsausschnitten oder anderen Dingen zu unterstützen. Nur sollten die Brückenauer das Material erst einmal bei sich zu Hause sammeln. Zu gegebener Zeit werde er dann einen Aufruf starten, wann die Sachen leihweise persönlich im Pfarramt abgegeben werden können. Momentan sei eine Zusendung nur auf dem Postweg möglich, da am Auerhahnweg derzeit kein Publikumsverkehr stattfindet. Nähere Informationen zu dieser Sache gibt es bei Axinia Staudt (Tel. 09741/23 31).

Obwohl die Sonntagsgottesdienste bis auf Weiteres entfallen, müssen die Gläubigen nicht ganz auf die Gedanken und Worte ihres Seelsorgers verzichten. "Die Predigten des Kollegen Nils Hönerlage liegen in gedruckter Form zum Mitnehmen vor", verspricht Kirchner. Außerdem wolle er sich persönlich im Internet auf dem Youtube-Kanal präsentieren. Zur aktuellen Situation, wie es in den Gotteshäusern weitergeht, tauscht er sich regelmäßig mit den Geistlichen der umliegenden Ortschaften aus.