Bad Brückenau
Fasching

Narren nehmen das Bad Brückenauer Rathaus ein

Zum letzten Mal hatte Bürgermeisterin Brigitte Meyerdirks das Vergnügen, "ihr" Rathaus gegen ihre Freunde von der 1. Großen Karnevalsgesellschaft zu verteidigen.
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Die akttraktive Verteidigung des Rathauseingangs. Foto: Thomas Dill
Die akttraktive Verteidigung des Rathauseingangs. Foto: Thomas Dill
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Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks genoss den letzten Rathaus-Sturm ihrer Amtszeit ganz besonders: So locker und ganz ohne schriftliches Konzept verteidigte sie sich gegen die Narren. "Das ist ein Verein, da weiß man bis zur letzten Minute nichts und dann klappt alles wunderbar", lobte sie ironisch ihre Belagerer. Klein war wieder die Verteidigungsmannschaft der Bürgermeisterin. Einen davon stellte Meyerdierks, schon ganz im Wahlkampfmodus mit den Worten "der Vogel ist auch schon da", den Stadtrat "Döörk" Stumpe im Vogelkostüm vor. Bei genauem Durchschauen der Belagerer und zahlreich interessierter Zuschauer, war die Zahl der Rathausgefolgschaft vor dem Rathaus ("lauter Fahnenflüchtige") sogar größer als im Rathaus. Dafür hatten sich die Damen des Bürgerbüros wieder mächtig ins Zeug gelegt und aus dem Rathaus nebst Insassen ein Piratennest gemacht: "Wir haben alles im Griff auf dem sinkenden Schiff" zeigte sich das Rathaus trotz Unterlegenheit kampfbereit.

Unter den Klängen der "Stadtkapelle" Bad Brückenau, den Georgi-Bläsern, marschierte pünktlich um 11.11 Uhr der närrische Sturmtrupp an. Sitzungspräsident und Wortführer Frank Vogler von den Brückenauer Karnevalisten stellte die Gastgesellschaften der Ascheberger Wolkenkratzer aus Fulda, den Faschingsclub Selbsthilfe Ebenhausen und die Freunde der Hammelburger HaKaGe vor.

Gespannt waren natürlich alle Anwesenden auf die frisch gekürte Regentschaft der Bad Brückenauer Narren. "Prinzessin Iris die Erste, walkende Dekomaus mit heißem Ofen " wird nun bis Ende Februar das närrische Zepter über Bad Brückenau schwingen. Iris Richter, so ihr bürgerlicher Name, verlas souverän und mit fester Stimme, unterstützt von zwei Adjutantinnen, ihre Proklamation und gab somit kund, was in Zukunft Ansage ist in der Stadt. So wird die Bürgermeisterin nach ihrem Rücktritt als Aushilfssitzungspräsidentin verpflichtet.

Den zur Wahl antretenden Kandidaten der Stadtratswahl legt sie die Mitgliedschaft bei den Narren als wahlfördernd nahe. Die Bürgermeisterkandidaten sollen bei einer Rathaussturm-Übung vor der Wahl ihre Amtstauglichkeit beweisen. Hilfsweise bietet die Prinzessin die Übernahme der Amtsgeschäfte bei einer eventuellen Vakanz wegen Stichwahl an.

Um der schwachen Beteiligung der Stadträte am Rathaussturm in den vergangenen Jahren vorzubeugen, ist bei der Eidablegung der neuen Stadträte die Teilnahme am Rathaussturm und dessen Verteidigung mit in den Schwur aufzunehmen.

Auch einige wunde Punkte in der Stadt will die närrische Regentschaft verbessern, zum Beispiel: "Es gibt in Bad Brückenau den sogenannten Chaosplatz - der Anfahrtsbereich der Grundschule in der Stollstraße. Der Ablieferungsplatz für Eltern bringt aber leider wenig Entspannung. Der Kutschenservice aus dem Staatsbad ist von der Stadt zu engagieren um daher die Grundschulkinder persönlich von Zuhause abzuholen und natürlich am Nachmittag wieder sicher heimzubringen".

Das sich nach der Proklamation entwickelnde Wortgefecht zwischen Belagerern und Verteidigung hat zahlreiche Spitzen und Lacher. So forderte die Bürgermeisterin die Angreifer auf, endlich ihre Böller zu zünden, "da können wir uns den Abriss des Rathauses sparen". Auch der Bürgermeisterkandidat der "Roten" bekam sein Fett weg: "Der passt farblich gut zu unserer Gesellschaft in Rot-schwarz", sagte Frank Vogler zum üblicherweise bedeckt gekleideten Kandidaten der SPD, dem Kulturamtsleiter Marburg. Meyerdierks selbst favorisiert als ihre Nachfolgerin die Prinzessin, "die würde meine Favoritin sein hier oben in meinem Büro".

Es folgte das übliche Geplänkel um eine Auslöse in Sektform und die Überlassung der Stadtkasse, sinnigerweise ganz in Schwarz. "Schwarz ist unsere Kasse nur auf dem Papier, drin ist trotzdem nix", so die Bürgermeisterin zu den jüngst veröffentlichten Zahlen des städtischen Haushalts. Als finales Mittel der Bezwingung kam dann der Rammbock der Karnevalisten in Aktion und öffnete die Rathaustüren. Gefesselt wurde die "Piratenbraut" nebst kleinem Gefolge unter viel Hallo auf den Marktplatz geführt und die Übernahme der Macht mit vielen Küsschen und noch viel mehr Sekt im Rathaus besiegelt.

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