Sinntal
Prozess

Mitschülerin mit martialischer Sprachnachricht bedroht

Ein 19-jähriger Sinntaler bedrohte einer Mitschülerin auf übelste Weise. Dafür wurde er jetzt vom Amtsgericht Gelnhausen verurteilt
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Symbolfoto: Ferdinand Merzbach
Symbolfoto: Ferdinand Merzbach
Selbst Jugendrichterin Anna Schad zeigte sich sprachlos angesichts der Anklagevorwürfe gegen einen 19-Jährigen. "Mir fehlen die Worte." Sie verwarnte den Sinntaler wegen Beleidigung und Bedrohung. Gleichzeitig verpflichtete sie ihn, einen Kurs für soziales Training zu absolvieren und 300 Euro an eine gemeinnützige Organisation zu zahlen.

Was war passiert? Im März dieses Jahres hatte der Heranwachsende an eine ehemalige Mitschülerin per Handy eine Sprachnachricht mit übelsten Formulierungen geschickt. Darin bezeichnete er sie beispielsweise als "hässliches, fettes Miststück", beschimpfte sie als "minderbemittelt" und ihre "Aids-Haftigkeit". Gleichzeitig drohte er ihr, "ein paar Leute zu dir rüberzuschicken. Weiter: "Nur ein Anruf, dann bist Du weg von dieser Welt." Jeder andere hätte sie längst abgeknallt oder abgestochen. Man müsse ihr die Augenlider bei lebendigem Leib abziehen und die Zunge herausreißen, so der 19-Jährige. Außerdem schlug er vor, die junge Frau "mit aufgeschlitzter Kehle an einem Fahnenmast aufzuhängen".

In der langen Nachricht ging der Angeklagte noch einen Schritt weiter und empfahl ihr den Selbstmord: "Tue der Welt und dir einen Gefallen und bringe dich um. Keiner vermisst dich."

Der Sinntaler räumte die Vorwürfe vor dem Amtsgericht Gelnhausen sofort ein. Er habe sich nichts dabei gedacht. Von Reue war bei ihm jedoch nichts zu spüren. Im Gegenteil: Er beschuldigte die Frau, ihn im Vorfeld rassistisch beleidigt zu haben. Er habe sie häufig ermahnt, diese Verbalattacken zu
unterlassen. Als dies nicht fruchtete, habe er schließlich die Sprachnachricht verfasst. Deswegen sah er auch keinen Grund, sich zu entschuldigen. Eigentlich sei er ein geduldiger Mensch. Doch irgendwann reiche es ihm. Er werde sich künftig von der Ex-Mitschülerin fernhalten, gab
er zu Protokoll.

Alle anderen Prozess-Beteiligten sahen den Sachverhalt nicht so locker. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe zeigte sich "völlig geschockt" und empfahl einen Jugendarrest, zumal der Beschuldigte schon sechs Vorstrafen wegen verschiedener Vergehen in seinem Register stehen hat. Das Opfer leide bis heute psychisch unter der Bedrohung.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Hanau sah - trotz möglicherweise vorangegangener Beleidigungen - keinen Grund, eine solche Textnachricht zu versenden. Hier sei "in martialischer Weise" gedroht worden.

Die Verurteilung des 19-Jährigen klappte erst im zweiten Anlauf. Bei einem ersten Verhandlungstermin fehlte er unentschuldigt. Dieses Mal rückte nun die Polizei an seiner Wohnadresse an, um ihn in den Gerichtssaal zu bringen. Allerdings war er da schon auf dem Weg zur Arbeit. Es gelang aber dennoch, ihn rechtzeitig telefonisch aufzutreiben und zum Erscheinen vor Justitia zu bewegen. ls


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