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"Lupinen in der Rhön - schön und schädlich"

Bei einer Führung des Bund Naturschutz am Eisernen Kreuz erklärte die Gebietsbetreuerin, was die Lupine alles anrichten kann, und wie sie überhaupt in die Rhön gekommen ist.
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Hier und da leuchtet es auf den frisch gemähten Flächen in der Rhön  schon wieder auf. Simone Hepp
Hier und da leuchtet es auf den frisch gemähten Flächen in der Rhön schon wieder auf. Simone Hepp

Das Blau-Violett der letzten Monate ist auf den meisten Wiesen oben in den Schwarzen Bergen verschwunden. Doch hier und da leuchtet es auf den frisch gemähten Flächen schon wieder auf. "Lupinen sind mit die ersten Pflanzen, die sich nach einer Mahd erholen und schnell wieder erste Blüten austreiben," erklärt Gebietsbetreuerin Simone Hepp. Unter dem Motto "Lupinen in der Rhön - schön und schädlich" fand eine Führung des Bund Naturschutz am Eisernen Kreuz statt. Dabei wurden die Hintergründe der Lupinenmahd in der Rhön beleuchtet.

"Das ist doch eine wunderschöne Pflanze, und die Bienen finden sie auch toll." Das sind alles Argumente, die die Gebietsbetreuerin öfter zu hören bekommt, wenn sie von ihren Einsätzen in den Schwarzen Bergen berichtet. "Es ist richtig, dass Lupinen ideale Trachtpflanzen sind und gerade Hummeln und Bienen mit ihren nektarreichen Blüten anlocken, allerdings sollte man auch im Blick behalten, was sie gerade in der Rhön alles anrichten können", so Simone Hepp.

Die Staudenlupine (Lupinus polyphyllus) zählt zur Familie der Schmetterlingsblütler, die mit sogenannten Knöllchenbakterien eine Symbiose eingehen können. Diese Bakterien sitzen in der Wurzel und sind in der Lage, den in der Luft vorhandenen Stickstoff für die Pflanze verfügbar zu machen. Das hilft nicht nur dem Wachstum der einzelnen Pflanzen sondern es sorgt auch dafür, dass sich im Boden, den diese Pflanzen besiedeln, Stickstoff anreichert.

"Gerade auf solchen nährstoffarmen Böden, wie sie in der Rhön zu finden sind, können sie dabei großen Schaden anrichten. Denn die meisten anderen Pflanzen in den Höhenlagen sind auf eben solche Böden angewiesen," so die Gebietsbetreuerin. Die Flächen in den Schwarzen Bergen wurden in den letzten Jahrhunderten hauptsächlich zum Heu machen genutzt, was über die lange Zeit dazu führte, dass die Wiesen magerer wurden. Zahlreiche Pflanzen fühlen sich auf diesen mageren Standorten sehr wohl. Momentan gebe es noch zahlreiche Orchideen zu finden, aber auch andere Pflanzen, die magere Standorte lieben, wie Teufelsabbiss oder auch die Teufelskralle, die auf manchen Wiesen in ihrer seltenen weißen Variante wächst.

Die Rhöner Storchschnabel-Goldhaferwiesen sind noch ein Relikt aus der letzten Eiszeit. Wird der Boden mit Stickstoff angereichert, verschwindet diese Pflanzengesellschaft, die dort schon so lange das Bild der Schwarzen Berge prägt. Und mit den Pflanzen verschwindet auch die Tierwelt, die auf diese Pflanzen angewiesen ist.

In den 40er Jahren wurden durch den Reichsarbeitsdienst in der Langen Rhön großflächig Lupinen ausgesät, um den kargen Boden für den Ackerbau fruchtbarer zu machen. Auch im Straßenbau wurden Lupinen genutzt, da sie sich wegen ihrer sehr tiefen Wurzeln ideal zur Straßenrandbefestigung eignen. Die Samen der Lupine behalten zum Teil bis zu 50 Jahre ihre Keimfähigkeit, was dazu führte, dass sie sich zunächst auf Brachen wieder vermehrt ausgebreitet hat. Durch verspätete Mahd-Termine war sie außerdem in der Lage, ihre Samen soweit auszureifen, um sich weiter zu verbreiten. Studien der Arbeitsgruppe von Prof. Annette Otte in Gießen ergaben, dass die Samen der Lupinen mitunter bis zu sechs Meter weit geschleudert werden können, wenn die Samenkapsel aufplatzt.

Nicht nur die Artenvielfalt leidet unter der Ausbreitung der Staudenlupine. Auch die Landwirte, die auf den befallenen Flächen Heu machen, sind keine großen Freunde der Lupinen. "Wenn ich eine von den Pflanzen in meinem Heuballen hab, schimmelt mir der ganze Ballen weg", beschwert sich ein betroffener Landwirt. Da die Lupine einen sehr dicken Stängel hat, braucht sie länger zum Trocknen, als der Rest der Wiese. "Außerdem schmeckt es den Tieren nicht". Durch ihren hohen Alkaloidgehalt ist die Staudenlupine giftig und wegen ihrer Bitterstoffe auch nicht sehr schmackhaft. "Man sollte sie auf keinen Fall mit den Süßlupinen verwechseln," führt die Gebietsbetreuerin aus. Diese gezüchtete Form weise einen nur noch sehr geringen Gehalt an Alkaloiden auf und komme mittlerweile häufig in der Küche zum Einsatz.

Laut den Wissenschaftlern der Uni Gießen ist es noch nicht zu spät die Lupinen in den Schwarzen Bergen wieder zurückzudrängen. "Ganz weg wird man die Lupinen nicht mehr bekommen, aber man kann das Lupinen-Problem durchaus in den Griff bekommen", so Professor Otte.

Der Landschaftspflegeverband im Landkreis Bad Kissingen hat im letzten Jahr begonnen, die Lupinenbekämpfung in der Rhön zu koordinieren. Auch in diesem Jahr werden wieder freiwillige Helfer durch die Schwarzen Berge ziehen, um die Lupinen einzudämmen. "Bis wir die Flächen wieder frei von Lupinen haben, wird es allerdings noch ein paar Jahre dauern. Einen langen Atem braucht man schon, aber am Ende wird es sich lohnen", ist Simone Hepp überzeugt.

Die nächste Aktion zur Bekämpfung wird am Samstag, 3. August, stattfinden. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Haus der Schwarzen Berge in Oberbach. Zur besseren Koordination sollte man sich unter Tel.: 09741 /93 83 240 anmelden.

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