Kothen
Förderung

Kothen: Ein Heim mit historischem Charme

Das Ehepaar Weller hat sich für die Sanierung eines alten Hauses in ihrem Heimatort entschieden. Ein Beispiel für das kommunale Förderprogramm der Rhönallianz.
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Nur an einer Stelle mussten die alten Balken ersetzt werden, ansonsten wurde dem Haus eine Top-Bausubstanz bescheinigt. Foto: Stephanie Elm
Nur an einer Stelle mussten die alten Balken ersetzt werden, ansonsten wurde dem Haus eine Top-Bausubstanz bescheinigt. Foto: Stephanie Elm
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Kein 0815-Haus in einem Neubaugebiet strebten Manuel und Emily Weller an, sondern etwas in der Heimat und mit Geschichte. Die beiden Kothener hatten schon länger mit dem Treitz-Anwesen geliebäugelt, dieses Jahr war es soweit. Sie kauften das Haus, dessen Grundmauern noch vor 1850 gebaut worden waren. Einen riesen Glücksgriff nennt es das Paar. Maßgebend für den Kauf war die Historie des Hauses und die Größe des Anwesens mit alter Schmiede, Scheune und sogar einem Hektar Wiese - ein Luxus für ein Grundstück mitten im Ort. Die Sanierung fördert die Rhönallianz mit ihrem kommunalen Förderprogramm zur Belebung der Ortsmitten.

"Das Haus erzählt", berichtet Manuel Weller und in der Tat - an jeder Ecke stößt man auf ein neues altes Jahrzehnt. Die Sanierung fing schon spannend an. Stück für Stück arbeiteten sich die beiden an jedem zweiten Wochenende - seit Mitte dieses Jahres leben beide in Zürich - durch Tapeten aus den 1980ern und Putz von wahrscheinlich Anfang des vorigen Jahrhunderts vor, oder auch in der Geschichte zurück. Wände mit unterschiedlichen Bauphasen fielen auf. Sie entfernten einen Linoleumboden und stieß auf untergelegte Zeitungen von 1968.

Rätseln über Beule im Boden

Gerätselt hat das Paar über die Beule im Wohnzimmerfußboden, als er mit der Schaufel auf festen Stein stieß: die Decke des darunterliegenden Gewölbekellers, der wahrscheinlich noch viel älter als die später darüber errichteten Räume ist. Aber das Paar ist flexibel. "Man muss und kann mit dem arbeiten, was da ist. Das ist schöner, als ein neues Haus auf ein weißes Blatt Papier zu zeichnen", sagt die 24-Jährige. Der Lohn ist ein Haus mit Charme. "Viele beneiden uns um die große Vorratskammer hinter der Küche". Die Kothener wollen nicht nur schnell mal übertünchen. "Man kann in die Wände nicht reingucken", erklärt Manuel, "also haben wir alles aufgemacht. Wir packen es richtig an." Zusammen mit Familie und Freunden haben sie sich das Haus vorgenommen und so manche Funde gemacht. Neben drei Öfen, drei Kaminen, zehn knorrigen Spazierstöcken und vielem mehr, fanden sie im Eingangsbereich auch eine alte Durchreiche. Von 1885 bis in die 1940er Jahre war in diesem Haus die Post. Der alte Postschalter fiel durch kleinere eingesetzte Mauersteine auf - ein kleines Fenster, an das die Nachbarin sich noch erinnern kann.

Viel kam dieses Jahr schon zusammen: Manuel geht im Januar nach Zürich, das Paar heiratet im April, im Juni kaufen sie das Anwesen und einen Monat später ist Emily auch in Zürich. Nicht gerade der perfekte Zeitpunkt für einen Hauskauf. "Das war die Chance. Wir hätten uns wahrscheinlich für den Rest unseres Lebens geärgert, wenn wir die nicht ergriffen hätten". Der Hauskauf wurde bereits mit dem Wissen getätigt, dass die Sanierung eine Weile dauern wird. Wie lange, ist den beiden nicht so wichtig. Die Sanierung erfolgt "ohne Zeitplan, ohne Zeitdruck und ohne Stress". "Wir haben die Vorstellung, wie es mal werden soll, wir sind der Typ dafür und es macht auch Spaß", erklärt Emily.

Förderung ist ein Anreiz

Umso entspannter verlief die Abwicklung mit der Rhönallianz. Da das Haus im Kothener Daseinsvorsorgegebiet liegt, älter als 50 Jahre ist und leer stand, greift hier das Kommunale Förderprogramm. "Denkbar unkompliziert und mit wenig Bürokratie", beschreibt Manuel Weller das Prozedere. Die Einschätzung des Architekten in der Erstberatung war "hilfreich. Er bestätigte dem Haus eine gute Bausubstanz. Das muss damals für die Ewigkeit gebaut worden sein." Mit dem Bericht des Architekten wurde von der Gemeinde Motten auch die Förderwürdigkeit bescheinigt. Aber: "Die zehn Prozent Förderung waren nicht der Grund für den Kauf", betonen beide.

Genauso sieht es Uwe Schmidt, Manager der Rhönallianz. Die Förderung sei als Anreiz zu sehen. "Sanierung ist nicht die einfachste Lösung", stellt er klar, "doch sie ist auch ein Erfolg". Die Wiederbelebung der Ortsmitten durch Sanierung von Leerständen wirke sich nur positiv auf das Dorfbild aus. "Die Architekten-Beratung ist Voraussetzung für den Förderantrag", erklärt Schmidt. Sie gibt Orientierung über Gestaltungsmöglichkeiten und grob über die zu erwartenden Kosten. Vor allem sollen die Bauherren sehen, welche Möglichkeiten das Förderprogramm biete.

Kommunales Förderprogramm

Ortsmitte Das Kommunale Förderprogramm zur Belebung der Ortsmitten der Gemeinden der Rhönallianz ist im Internet einsehbar hier.

Nicht möglich ist die Inanspruchnahme des Förderprogramms in Bad Brückenau, da hier schon das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) zur Anwendung kommt.

Möglich ist das Förderprogramm allerdings für die Ortsteile Volkers, Staatsbad, Wernarz und Römershag.

Ablauf Wer Interesse an der Sanierung eines alten Gebäudes hat, kann anhand der Informationen im Flyer herausfinden, ob eine Förderung möglich ist. Die Gemeinde, in deren Bereich das Sanierungsobjekt liegt, stellt einen Beratungsgutschein aus. Er berechtigt zu einer kostenfreien Beratung durch einen Architekten aus der Rhönallianz. Der Architekt erstellt einen Beratungsbericht, der dem Interessenten und der Gemeinde übermittelt wird. Diese bescheinigt gegebenenfalls die Förderwürdigkeit.

Förderung Möglich ist die Erstattung von zehn Prozent der Sanierungssumme. Diese muss mindestens 10 000 Euro betragen, die Förderhöhe beträgt ebenfalls maximal 10 000 Euro. Für jedes minderjährige und im Haushalt lebende Kind gibt es noch einmal zehn Prozent, aber höchstens 1000 Euro. Die Regierung von Unterfranken fördert die Architektenberatung zu 60 Prozent. Die kommunalen Fördermittel zur Haussanierung übernehmen ausschließlich die Gemeinden der Rhönallianz.

KOMMENTAR von Stephanie Elm

Abenteuer mit einem Schatz

Die Rhönallianz will etwas gegen die Leerstände in den Ortskernen unternehmen. Jede Gemeinde der Rhönallianz kann ein Lied davon singen, wie sich die alten Ortsmitten leeren, dafür an den Außenrändern Wohnbaugebiete ausweiten. Wer durch die Orte fährt, den glotzen bisweilen dunkle Fenster zwischen bröckelnden Fassaden an.

Die Scheu vor der aufwendigen Sanierung eines Altbaus ist nachvollziehbar. Bestehende Bauformen schränken ein, auch gibt es in einer bebauten Ortsmitte weniger Platz.

Zudem kann Sanierung ein Fass ohne Boden sein. Jedem ist bewusst, dass die zehnprozentige Förderung finanziell gesehen nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Als "Schmankerl" kann sie vielleicht trotzdem helfen, sich für ein Haus, das es heute nur einmal gibt, zu entscheiden.

Aus Alt mach Neu - Nachhaltigkeit spielt hier ebenso eine Rolle, wie der Wunsch nach einem individuellen Zuhause. Erfolgreiche Sanierungen gibt es schon, die Besitzer berichten von einer abenteuerlichen Arbeit, aber auch von einem unvergleichlichen Wohn- und Lebensgefühl. Ein Lebenswerk, ein Werk fürs Leben, ist es allemal, das mit Mut und Phantasie angegangen werden kann. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt: Sich auf ein Abenteuer einzulassen, kann mit einem wahren Schatz belohnt werden.

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