Gersfeld
Umwelt

Klima in der Rhön: Keine guten Aussichten

Klimawandel-Expertin Alana Steinbauer: In der Rhön ist nur noch die Schondra in einem guten Zustand
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Alana Steinbauer ist Projektmanagerin für Klimaanpassung in der Bayerischen Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön in Oberelsbach. Foto: Tobias Gerlach
Alana Steinbauer ist Projektmanagerin für Klimaanpassung in der Bayerischen Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön in Oberelsbach. Foto: Tobias Gerlach

Nicht nur global, sondern auch in der Rhön hat der Klimawandel bereits heute messbare Konsequenzen. Insbesondere Land-, Forst- und Wasserwirtschaft stehen vor der Herausforderung, sich an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen. In einem gut besuchten Vortrag der Reihe "In der Rhön, für die Rhön" hat Alana Steinbauer, Projektmanagerin für den Bereich Klimawandel an der Bayerischen Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön, dargestellt, mit welchen Auswirkungen in der Rhön aktuell und zukünftig zu rechnen ist und was unternommen werden kann, um sich nachhaltig an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

Klimawandel: "Wir sind dafür verantwortlich."

Trotz Außentemperaturen von mehr als 30 Grad waren zahlreiche Interessierte ins Haus der Schwarzen Berge nach Oberbach gekommen. "Obwohl sich unser Klima messbar verändert hat, gibt es auch heute noch Skeptiker, die den menschengemachten Klimawandel abstreiten", sagte Alana Steinbauer zu Beginn. "97 Prozent der Experten jedoch sind sich einig: Es gibt den Klimawandel, und wir sind dafür verantwortlich." Dass dieser rasant voranschreite, machte die Referentin an einem simplen Beispiel deutlich: "Wer heute 30 Jahre alt ist, hat bereits neun der zehn wärmsten Jahre in Bayern seit Beginn der Wetteraufzeichnung erlebt." Die Folgen des Klimawandels - Temperaturanstieg, mehr Hitze- und deutlich weniger Frosttage, längere Trocken- und längere Vegetationsperioden, Extremereignisse wie Starkregen und Dürre sowie schwindende Lebensräume für Tiere und Pflanzen, die in der Folge nördlicher und höher wandern müssen - seien bereits heute in der Rhön und der Region bemerkbar.

Rhöner Sommer immer trockener

In Unterfranken sei die Durchschnittstemperatur seit 1931 um 1,2 Grad

angestiegen, erklärte Steinbauer. "Bis zum Jahr 2050 werden es - wenn wir weitermachen

wie bisher - im Mittel 2 Grad, im Jahr 2100 schon 3,5 Grad sein." Zudem zeichne sich ab,

dass die Sommer in der Rhön trockener, die Winter feuchter werden. Die Aussagen beruhen

auf Untersuchungen des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) und der Kooperation

KLIWA (Klimaveränderung und Konsequenzen für die Wasserwirtschaft).

Um auf diese Veränderungen reagieren zu können, gelte es, für Land-, Forst- und

Wasserwirtschaft umfassende Anpassungsstrategien zu entwickeln. In der Landwirtschaft

sei ein Hauptproblem die Erosion durch Starkregen. Seit den 60er- und 70er-Jahren sei die

Erosion durch Regen stark gestiegen, wie Untersuchungen der Bayerischen Landesanstalt für

Landwirtschaft (LfL) zeigen, "die Bodenabträge sind also deutlich höher", so Steinbauer.

Möglichkeiten der Anpassung seien eine angepasste Bodenbearbeitung, zum Beispiel eine

quer zum Hang verlaufende Bewirtschaftung, Erosionsschutzstreifen, Schutzhecken,

Humusaufbau und die Verkürzung von Hanglängen durch die Zerteilung von großen in

kleinere Flächen.

Eine Konsequenz aus steigenden Temperaturen und lange anhaltenden

Trocken- und Hitzephasen, die die Vermehrung von Schädlingen und die Verlängerung der

Vegetationsperiode zur Folge haben, sei der Einsatz angepasster Feldfrüchte. "Damit

Landwirte umstellen können, muss hierfür aber auch der Markt vorhanden sein", betonte

Steinbauer.

Auch die Gewässer werden wärmer

Nicht nur die Luft-, auch die Wassertemperatur sei angestiegen, die Gewässer in der Rhön

seien wärmer geworden - seit 1950 etwa ein halbes Grad alle zehn Jahre. "Zudem werden

für die nahe Zukunft, also etwa 2021 bis 2050, bis zu 30 Prozent weniger Quellschüttung in

der Langen Rhön erwartet ", erklärte Steinbauer. "Schon einzelne Trockenjahre können

ausreichen, erhebliche Defizite zu verursachen. Ein Nassjahr reicht in der Regel nicht aus,

um die Auswirkungen aus einem vorangegangen Trockenjahr auszugleichen." Die Ergebnisse

stammen aus Fallstudien von KLIWA. In einem "guten Zustand" gemäß der Europäischen

Wasserrahmenrichtlinie sei in der Rhön mit der Schondra derzeit nur ein einziges Gewässer.

Klimaanpassung im Bereich Wasserwirtschaft bedeute neben der konsequenten Umsetzung

der Wasserrahmenrichtlinie die Renaturierung der Gewässer, ein natürlicher Wasserrückhalt

in der Fläche und die Reduktion der Stoffeinträge. "Hier sind Nutzungskonflikte

vorprogrammiert", prognostizierte Steinbauer. "Mensch, Forst, Landwirtschaft - alle

brauchen Wasser."

"Den Wunderbaum gibt es nicht"

Wald und Forstwirtschaft beschäftige die Frage, welche Baumarten geeignet sind, um

klimatolerante zukunftsfähige Waldbestände zu entwickeln. "Zum Beispiel ist das Anbaurisiko

für die Fichte im Jahr 2100 sehr hoch ", sagte Alana Steinbauer. "Die Buche kann die

veränderten klimatischen Bedingungen besser wegstecken, die Eiche kommt mit Wärme und

Trockenheit gut zurecht." Steinbauer berief sich hierbei auf die Bayerische Landesanstalt für

Wald- und Forstwirtschaft (LWF). Die Abteilung Boden und Klima hat Anbaurisikokarten

erarbeitet, die das standörtliche Anbaurisiko für 21 Baumarten für die Gegenwart und

Zukunft darstellen. "Insgesamt ist das Ziel, klimatolerante Mischwälder zu entwickeln. Hier ist

vor allem Vielfalt gefragt, den einen Wunderbaum, der alles aushält, gibt es nicht",

bilanzierte Steinbauer.

Im Anschluss an ihren Vortrag kam die Referentin mit den Gästen ins Gespräch. Unter

anderem kam die Frage auf, ob Klimaschutz nicht wichtiger sei als Klimaanpassung. "Beides

ist extrem wichtig und sollte daher parallel laufen", antwortete Steinbauer, "gerade im

Hinblick auf nachhaltige Entwicklung. Jahre wie 2018 zeigen uns immer mehr den konkreten

Handlungsbedarf." Nach einer angeregten Diskussion kamen die Besucher zu dem Schluss,

dass jeder Einzelne im Alltag schon mit kleinen Entscheidungen zum Klimaschutz beitragen

könne - sei es mit dem Verzicht auf Flugreisen, einem reduzierten Fleischkonsum oder einem

bewussteren Konsumverhalten generell.

Zur Person: Aufgabe von Alana Steinbauer, seit Februar 2019 als Projektmanagerin für

Klimaanpassung in der Bayerischen Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats

Rhön in Oberelsbach zuständig, ist es, regionale Strategien zur Begegnung des Klimawandels

für das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön zu entwickeln. In einem Biosphärenreservat geht

es um nachhaltige Entwicklung des Menschen und der Natur, hier darf das Thema

Klimawandel nicht fehlen. Als Modellregion sollen in der Rhön Maßnahmen zur Anpassung an

den Klimawandel entwickelt und umgesetzt werden. "Das Biosphärenreservat Rhön soll fit für

den Klimawandel gemacht werden."

Im Informationszentrum Haus der Langen Rhön in Oberelsbach ist noch bis 3. August

die Wanderausstellung des Deutschen Alpenvereins zum Thema "Klimawandel

verändert die Alpen" zu sehen. Sie fasst wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse

und Prognosen über die aktuelle Situation global und im Alpenraum zusammen.

Außerdem wird thematisiert, wie jeder Einzelne aktiv werden und Maßnahmen zum

Klimaschutz umsetzen kann. Biosphärenzentrum Haus der Langen Rhön,

Unterelsbacher Str. 4, 97656 Oberelsbach, geöffnet täglich (außer

dienstags) 10 bis 16 Uhr.

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