Bad Brückenau
Abwasser

Kläranlagen im oberen Sinngrund: Aussicht auf neue Zuschüsse

Die Sätze für Härtefälle wurden deutlich gesenkt, außerdem unterstützt der Freistaat Verbund-Lösungen.
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Die Gemeinde Wildflecken ist schon mal in Vorleistung gegangen: Unter dem Radweg wurde eine 2,7 Kilometer lange Druckleitung mit 30 Zentimeter Innendurchmesser nach Oberbach verlegt. 40 Schächte sind für die Wartung eingebaut, an 530 Stellen haben die Arbeiter der Premicher Firma Zehe die Leitung verschweißt. Foto: Torsten Arnold
Die Gemeinde Wildflecken ist schon mal in Vorleistung gegangen: Unter dem Radweg wurde eine 2,7 Kilometer lange Druckleitung mit 30 Zentimeter Innendurchmesser nach Oberbach verlegt. 40 Schächte sind für die Wartung eingebaut, an 530 Stellen haben die Arbeiter der Premicher Firma Zehe die Leitung verschweißt. Foto: Torsten Arnold
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Die Abwasser-Situation im Oberen Sinntal ist knifflig: Die Gemeinde Wildflecken hat aktuell noch zwei, die Gemeinde Riedenberg eine Kläranlage aus den 1970er Jahren. "Wir verlängern die wasserrechtlichen Erlaubnisse immer nur von Jahr zu Jahr", berichtet Birgit Imhof, die als Abteilungsleiterin beim Wasserwirtschaftsamt für den Landkreis Bad Kissingen zuständig ist. Gekoppelt sind diese Verlängerungen an die Auflage, dass die Kommunen nach einer Lösung suchen. Die rückt nun durch geänderte Förder-Richtlinien näher.

Studie muss angepasst werden

"Das sind alles keine einfachen wasserrechtlichen Entscheidungen", weiß auch Birgit Imhof. Seit Jahren verhandeln die Stadt Bad Brückenau sowie die Gemeinden Riedenberg und Wildflecken. Bei Abwasser-Experte Prof. Oliver Christ von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf haben sie eine Studie in Auftrag gegeben. Die muss jetzt angepasst werden. "Ziel ist es, dass wir heuer noch ein Gespräch mit dem Wasserwirtschaftsamt haben", berichtet Uwe Schmidt, Manager der kommunalen Rhönallianz.

Zwischenzeitlich sei die ganz große Lösung, nämlich eine rund 18 Kilometer lange Druckleitung von Wildflecken ganz oben bis zur Kläranlage der Bad Brückenauer Stadtwerke in Trübenbrunn, vom Tisch zu gewesen. "Viel zu teuer", sagt Schmidt. Wahrscheinlicher wäre eine Einleitung der Abwässer aus Riedenberg und Wildflecken in Römershag ans Kanalnetz. Aber: "Auch da muss noch viel gerechnet werden", verweist Schmidt auf offene Fragen. Und: Auch dafür wären noch rund zehn Kilometer Druckleitung notwendig.

Hoffnung auf Härtefallregelung

Die Hoffnung der Kommunen ruht nun auf den "Richtlinien für Zuwendung zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben" (RZWas) 2018. Die wurden zum 1. November neu gefasst und enthalten eine Härtefallförderung. Demnach gibt es Zuschüsse, wenn die Kommunen in einem Zeitraum von 25 Jahren eine bestimmte Summe in Kanäle und Kläranlagen investiert haben. Bayernweit liegt der Schwellenwert bei 3350 Euro pro Bürger, weil die Region als Raum mit besonderem Handlungsbedarf eingestuft ist, gelten im Landkreis Bad Kissingen rund 2500 Euro pro Einwohner. Das sei weniger als die Hälfte der bisherigen Hürde.

Für den Oberen Sinngrund heißt das, dass Riedenberg in der Summe von Kanalarbeiten der vergangenen 25 Jahre und dem anstehenden Kläranlagen-Bau auf mindestens 2,5 Millionen Euro, Wildflecken sogar auf 7,4 Millionen Euro kommen müsste. Dann wäre ein Zuschuss von 250 Euro pro Einwohner für eine neue Kläranlage möglich, maximal 70 Prozent.

Zusätzlich zu den gesenkten Schwellen für die Härtefallregelung gibt es auch eine völlig neue Förderung: Der Anschluss an eine andere Kläranlage, also der erstmalige Bau eines Verbundkanals kann mit bis zu 150 Euro pro Meter neuem Kanal gefördert werden. Der Zuschuss soll zwischen 50 und 90 Prozent der Ausführungskosten liegen. Für die große Lösung einer Druckleitung bis Trübenbrunn wären das also 2,7 Millionen Euro, für die Leitung bis Römershag noch 1,5 Millionen Euro.

Der Freistaat fördere als Verbundlösungen, wie sie auch in Bad Brückenau seit langem angedacht sind. "Wenn ich größere Einheiten habe, ist die Reinigungsleistung besser", nennt Birgit Imhof als Vorteil. Zudem sei der Unterhalt auf Dauer günstiger, und: "Das Personal ist besser ausgebildet und kann effizienter arbeiten."

Entscheidung liegt bei den Kommunen

Trotzdem hält sich die Mitarbeiterin des Wasserwirtschaftsamtes mit einer Empfehlung zurück: "Die Entscheidung liegt bei den Kommunen", stellt sie klar. Schließlich gebe es auch Nachteile: Ohne Einleitung von geklärten Abwässern führe die Sinn zwar weniger organische Stoffe, dafür fehle aber auch die Wassermenge, die bis Trübenbrunn gepumpt wird. "In einem trockenen Sommer wie heuer dürfte sich die fehlende Zuleitung bemerkbar machen", vermutet Imhof. Zudem müsse die Druckleitung das Wasserschutzgebiet der Bad Brückenauer Quellen queren. Das Wasserwirtschaftsamt fordert für den Grundwasserschutz auf alle Fälle doppelwandige Rohre und eine Überwachung des Drucks.

Die Gemeinde Wildflecken ist derweil bereits in Vorleistung gegangen: Unter dem neuen Radweg wurde eine Druckleitung von Wildflecken nach Oberbach gelegt. "Die rund 2,7 Kilometer kosten uns mehr als eine Million Euro", sagt der Wildfleckener Bürgermeister Gerd Kleinhenz. Damit stehe eine Entscheidung bereits fest: Es wird keine Kläranlage für Wildflecken geben. Die Kommune hat aber trotzdem noch drei Möglichkeiten: Eine eigene Kläranlage für alle Gemeindeteile unterhalb von Oberbach, eine Kläranlage zusammen mit Riedenberg zwischen Römershag und Riedenberg oder eben den gemeinsamen Anschluss nach Trübenbrunn.

In das Verfahren eingebunden sind auch das Gesundheitsamt und die Abteilung Wasserrecht am Landratsamt. "Das Gesundheitsamt favorisiert eine Kläranlage für alle drei Gemeinden - in Trübenbrunn", teilt Sprecherin Lena Pfister mit, und: "Die Entscheidung bleibt aber den Gemeinden vorbehalten. Das Gesundheitsamt hat hier nur beratende Aufgaben."

Hohe Wasserqualität

Laut Landratsamt ist durchaus möglich, "dass Keime aus den Überläufen der oberstromigen Kläranlagen über die Sinn in das Grundwasser gelangen". Allerdings gebe es keinen Grund zur Beunruhigung: "Das an die Trinkwasserkonsumenten abgegebene Wasser entspricht aber nach Aufbereitung den gesetzlichen Bestimmungen."

Auch der Bad Brückenauer Stadtwerke-Chef Michael Garhamer betont, dass die Wasserqualität sehr hoch ist: "Grundwasser ist in Deutschland vermutlich überall belastet, aber wir sind in der Rhön sehr gut dran." Noch werde das Wasser in Römershag ganz schwach gechlort, aber: "Wir überlegen gerade, die Chlor-Anlage außer Betrieb zu nehmen wegen der hohen Qualität des Trinkwassers." Aus Garhamers Sicht macht die Förderung für Druckleitungen eine gemeinsame Lösung in Trübenbrunn wirtschaftlicher. Allerdings wartet auch er nun gespannt auf einen Termin im Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen.

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