Bad Kissingen
Tourismus

Kissinger Hütte als Sorgenkind

Der Bad Kissinger Rhönklub-Zweigverein muss investieren, um das Gebäude auf dem Feuerberg zu erhalten.
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Thomas Hammelmann (von links), Vorsitzender des Rhönklub-Zweigvereins Bad Kissingen sowie die Pächter Diana und Dennis Tisma vor der Kissinger Hütte auf dem Feuerberg. Foto: Ralf Ruppert
Thomas Hammelmann (von links), Vorsitzender des Rhönklub-Zweigvereins Bad Kissingen sowie die Pächter Diana und Dennis Tisma vor der Kissinger Hütte auf dem Feuerberg. Foto: Ralf Ruppert
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Thomas Hammelmann macht sich keine Illusionen: "Eine große Aufgabe liegt vor uns", sagt der Vorsitzende des Bad Kissinger Rhönklub-Zweigvereins. Damit meint er die Kissinger Hütte auf dem Feuerberg. Die ist in die Jahre gekommen: Der Kern des Haupthauses stammt aus dem Jahr 1914, 1974 wurde erweitert, danach immer wieder investiert. "Alleine in den vergangenen zehn Jahren haben wir 200 000 Euro für den Unterhalt ausgegeben", berichtet Kassier Karsten Scheuring. Trotzdem steht eine Generalsanierung an, von der niemand weiß, ob und wie sie zu schultern ist.
Alles begann im Herbst 2015, als ein Stück Wasserleitungsrohr ausgetauscht wurde: In den Leitungen, die mit Wasser aus der eigenen Quelle gespeist werden, haben sich über Jahrzehnte dicke Ablagerungen gebildet. "Irgendwann geht da gar nichts mehr durch", sagt Hammelmann. Also begann der Vorstand mit Planungen für eine Renovierung. Im Frühjahr 2017 wurden erste Pläne auf der Jahreshauptversammlung vorgestellt: Der Vorstand hoffte, mit 500 000 Euro auszukommen, die Mitglieder stimmten alle zu.
Mittlerweile haben die Planer genauer hingeschaut. Ergebnis: "Ohne Luxus und Extras hat sich eine Summe von 1,5 Millionen Euro ergeben", sagt Hammelmann, und: "Es ist nicht damit getan, ein paar Rohre zu erneuern und die Zimmer zu streichen." Einige Probleme sind so dringend, dass sie bereits angegangen werden: Noch heuer soll etwa eine Notleiter im Bettentrakt als zweiter Rettungsweg installiert werden. Das war insbesondere Kassier Karsten Scheuring wichtig, der in Albertshausen in der Feuerwehr aktiv ist: "Ich kann nicht in einem Vorstand sein, wenn der Brandschutz nicht passt." Auch Vorsitzender Thomas Hammelmann ist froh, dass die gravierendsten Mängel behoben werden, weil sonst alle Vorstandsmitglieder - aktuelle und frühere - haften müssten. Schließlich sei das Kerngebäude aus dem Jahr 1914 komplett aus Holz.


Keine Zuschüsse in Aussicht

Seit der Bad Kissinger Rhönklub mit den Planungen begonnen hat, sind auch immer wieder neue Mängel aufgetaucht. "Die Behörden rennen uns das Haus ein", berichtet Hammelmann. Dabei gebe es durchaus wichtige Hinweise. Allerdings kann niemand bei der Finanzierung helfen. Bei einem Treffen im Mai mit Vertretern der Stadt Bad Kissingen sowie der Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld seien noch Zuschüsse in Aussicht gestellt worden. Auch deshalb habe der Verein ein Gesamt-Konzept für die Sanierung erarbeitet. Mittlerweile ist Hammelmann jedoch ernüchtert: "Ich rechne aktuell mit gar keinen Zuschüssen", sagt er. Aufgeben will er trotzdem nicht: "Wir kämpfen weiter", lautet seine Devise. In den kommenden Wochen und Monaten soll nun um Spenden geworben werden, schließlich sei bereits der Anbau in den 1970er Jahren zur Hälfte über private Spenden finanziert worden. Auf der Vertäfelung der Gaststube und des Jugendraums sind selbst Namen wie Julius Kardinal Döpfner zu finden.
Jeden Euro steckt der Verein mit seinen aktuell 365 Mitgliedern in die Kissinger Hütte: "Andere machen Busfahrten, wir investieren pro Jahr zwischen 5000 und 50 000 Euro in die Hütte." Nicht nur die Pacht, sondern auch die Erträge aus sämtlichen Vereinsfesten flossen sie in den vergangenen Jahren auf den Feuerberg. "Deshalb haben wir auch keine Rücklagen mehr", stellt Hammelmann klar. Ohne private Spenden gehe es nicht.


"Wunderschönes Fleckchen"

Auf eine schnelle und gute Lösung hofft auch das Pächter-Geschwister-Paar Diana und Dennis Tisma. Die 38-Jährige Diana Tisma ist gelernte Hotelfachfrau, ihr 30-jähriger Bruder gelernter Koch. "Man kommt einfach her und kriegt gute Laune", sind sich die beiden Fuldaer einig, dass die Kissinger Hütte "ein wunderschönes Fleckchen Erde" ist. Im Dezember 2015 haben sie die Hütte mit 59 Betten und an die 200 Sitzplätze übernommen: "Es läuft gut, wir sind absolut zufrieden."

Die Kissinger Hütte liegt im Gebiet des Landkreises Rhön-Grabfeld. Dort ist das Problem der in die Jahre gekommenen Hütten bereits erkannt: Vor zwei Wochen wurden die Eigentümer zahlreicher Hütten, von Rhönklub bis privat, alle an einen Tisch geholt. "Vorerst ging es nur um eine Bestandsaufnahme", fasst Regionalmanagerin Ursula Schneider das Ergebnis zusammen.


"Feinheiten im Förderrecht"

"Wir wollen versuchen zu helfen", kündigt sie an, aber bei Sanierungen sei das deutlich schwieriger als bei Neubauten. Hinzu komme, dass der Rhönklub zwar Eigentümer, aber nicht Betreiber sei, weil die Kissinger Hütte verpachtet ist. "Wir suchen nach einer Lösung, aber es gibt viele Feinheiten im Förderrecht", sagt Schneider.
Auch der Bad Kissinger Wirtschaftsförderer Jürgen Metz verweist auf die "komplexe Materie". Deshalb sieht er das Ergebnis als noch offen an. Metz betont aber auch, dass bislang zwar keine Fördermittel, aber Unterstützung zugesagt worden sei. "Wir arbeiten aktuell daran, das Thema Fördermittel weiter zu beleuchten und dem Verein zu helfen." Für Anfang Januar 2018 sei ein weiteres Gespräch mit dem Rhönklub vorgesehen.
Die Pächter Diana und Dennis Tisma nehmen derweil manche Einschränkungen in Kauf: Die frühere Pächter-Wohnung etwa wurde der Küche zugeschlagen, einen Kühlraum gibt es nicht, deshalb müssen sie ständig zum Einkaufen fahren. Deshalb überlegen auch sie, wie sie sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten an einer Sanierung beteiligen und sprechen sogar mit möglichen Investoren, falls es der Verein nicht alleine schaf
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