Wildflecken
Tradition

Irritationen ums Werberger Treffen

Seit 1973 besuchen ehemalige Werberger den abgesiedelten Ort auf dem Truppenübungsplatz. In diesem Jahr verwehrte der Kommandant den Termin. Ein Eklat?
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Seit 45 Jahren besuchen ehemalige Wehrberger und ihre Nachfahren die Dorfstelle Werberg auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken. Foto: Steffi Elm
Seit 45 Jahren besuchen ehemalige Wehrberger und ihre Nachfahren die Dorfstelle Werberg auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken. Foto: Steffi Elm
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Das hat es seit Jahrzehnten nicht gegeben. Das Werberger Treffen soll nicht am gewohnten Termin - dem letzten Wochenende im Juni - stattfinden. Major Gorden Stütz von der Kommandantur in Wildflecken hat das traditionsreiche Treffen für den 30. Juni nicht gestattet. Dabei wurde 45 Jahre lang das Treffen von der Interessengemeinschaft ehemaliger Werberger rein formal neu beantragt und ohne Schwierigkeiten durch den jeweiligen Kommandanten genehmigt.

Doch in diesem Jahr findet ausgerechnet an diesem Termin eine Großübung statt. Eine Truppe, so berichtet es der Kommandant, habe sich schon vor Monaten für eine zweiwöchige Übungszeit inklusive des betreffenden Wochenendes angemeldet. Ewald Kleinhenz verschlägt es die Sprache. Seine Eltern gehörten im Jahr 1938 zu den Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten. Die große Heimatliebe seines Vaters sprang auf Kleinhenz über, seit Jahren ist das Werberger Treffen ein fester Termin in seinem Kalender. "Das ist ja unglaublich", kann er dazu nur sagen.


Tradition ja, Gewohnheitsrecht nein

Vielen Werberger Freunden mag es ähnlich gegangen sein. Will die Bundeswehr die Zivilbevölkerung vielleicht irgendwann überhaupt nicht mehr auf dem Übungsplatz haben? "Davon kann überhaupt keine Rede sein", stellt Oberstleutnant Roman Jähnel, Kommandeur des Bereichs Truppenübungsplatzkommandantur Süd und damit Vorgesetzter von Kommandant Stütz, klar. Ein Gewohnheitsrecht aber könne es nicht geben.

"80 Jahre Erstabsiedelung" - dieses Motto war für das diesjährige Werberger Treffen geplant gewesen. Die Vorbereitungen laufen seit circa einem halben Jahr. Zusätzlich zu den bereits etablierten Führungen durch das ehemalige Dorfgelände war eine kleine Ausstellung über die Absiedelung 1938 geplant. Zeitweise hingen die Organisatoren in der Luft. Inzwischen haben sich die Interessengemeinschaft ehemaliger Werberger und die Kommandantur auf einen Ausweichtermin geeinigt (siehe unten).

Das Werberger Treffen findet also auch in diesem Jahr statt. Mittelfristig möchte der Kommandant aber eine neue Vereinbarung treffen. Darin möchte er einen konkreten Ansprechpartner und längere Fristen für die Anmeldung des Treffens festhalten. Im Sinne des Übungsbetriebs wäre es außerdem gut, wenn das Werberger Treffen grundsätzlich in der Instandsetzungszeit im Sommer organisiert werden könnte. Während dieser Zeit gibt es nämlich keine Übungen auf dem Gelände.


Aufwendige Vorbereitung

"Ich will die Vergangenheit nicht unterdrücken. Diese Ortschaften sind ein Teil der Geschichte des Truppenübungsplatzes", sagt Kommandant Stütz abschließend. Es sei die Aufgabe der Bundeswehr, daran zu erinnern. Dennoch seien Veranstaltungen wie das Werberger Treffen mit erheblichem Aufwand verbunden. Auch wenn während der Übungen nicht auf historische Gebäude oder Friedhöfe geschossen werde, müsse die Bundeswehr das Gelände vor jedem Besuch von Zivilisten nach Gefahren absuchen.

Noch etwas wird im Laufe des Gesprächs deutlich, wenn auch eher in den Zwischentönen. So sehr sich die Bundeswehr auch durch die Öffnung des militärischen Geländes an ausgewählten Tagen oder durch Aktionen wie die Wandertage um Nähe zu den Bürgern bemüht, so etwas wie Tourismus auf dem Truppenübungsplatz kann und darf es nicht geben.


Werberger Treffen verschoben

Ausweichtermin Statt gewohnheitsmäßig am letzten Wochenende im Juni treffen sich die ehemaligen Werberger, deren Nachkommen und Interessierte nun am Samstag, 28. Juli, bei der alten Dorfstelle Werberg auf dem Truppenübungsplatz. Der Zugang zum ehemaligen Ort ist von 10 bis 16 Uhr möglich.

Programm Ab 10.30 Uhr werden verschiedene Führungen angeboten (historische Führung, Führung für Kinder und Jugendliche, Erzählungen aus dem Werberger Leben). Um 14 Uhr findet eine Andacht auf dem Werberger Friedhof statt. Der Tag klingt ab 15 Uhr mit Kaffee und Kuchen an der Werberger Stube in Kothen aus, die aktuell umgestaltet wird. Dort wird auch der Film von Ernst Zimmermann mit Szenen aus Werberg gezeigt. Eine Ausstellung informiert über die erste Absiedlung im Jahr 1938.

Verpflegung Anders als in den Vorjahren wird keine Vollverpflegung angeboten. Der Caterer ist bei den zeitgleich stattfindenden Wandertagen auf dem Truppenübungsplatz eingebunden. Gegrillte Bratwürstchen und Getränke stehen aber bereit.

von Steffi Elm und Ulrike Müller
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