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In Oberbach: Die verzweifelte Suche nach einem Arzt

Großes Interesse der Einheimischen bei der Bürgerversammlung in Oberbach. Kein Wunder, ging es doch unter anderem um die fehlende ärztliche Versorgung, die generalsanierte Sinntalschule und die Kläranlage.
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Die Arztpraxis in Oberbach ist momentan nicht besetzt. Die Gemeinde sucht eine Nachfolgelösung. Foto Sebastian Schmitt
Die Arztpraxis in Oberbach ist momentan nicht besetzt. Die Gemeinde sucht eine Nachfolgelösung. Foto Sebastian Schmitt

Voll besetzt war das Haus des Gastes bei der Bürgerversammlung in Oberbach. "Die ärztliche Versorgung stimmt mich sehr nachdenklich", sagte Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW). "Wir haben alles versucht, um die Arztstelle in Oberbach wieder neu zu besetzen. Aber wir sind leider nicht die einzige Kommune in Deutschland, die einen Hausarzt sucht." Mit hohem finanziellen Aufwand habe die Gemeinde überregionale Werbemaßnahmen angestoßen. Bislang ohne größeren Erfolg. "Wir wollen uns aber nicht nachsagen lassen, dass wir nicht alles versucht hätten."

Die Bewerbungsfrist bei der kassenärztlichen Vereinigung läuft nur noch bis Ende Oktober. Danach droht ein kompletter Wegfall der Arztstelle in Oberbach. Zwar habe es zwei Bewerbungen aus dem Ausland gegeben, die allerdings schon allein aufgrund der sprachlichen Probleme nicht unbedingt erfolgversprechend erschienen. Im November werde man von Seiten der kassenärztlichen Vereinigung neue Informationen bekommen. "Das ist bislang keine erfreuliche Entwicklung, aber wir müssen den Blick weiter nach vorne richten", so Kleinhenz.

26 Oberbacher in Riedenbergs Grundschule

Ein weiteres großes Thema bei der Bürgerversammlung war die neue, generalsanierte Sinntalschule in Wildflecken. "Das war eine gute Investition in die Zukunft." Rund 7,7 Millionen Euro kostete die gesamte Baumaßnahme einschließlich Bibliothek. Davon werden rund 3,5 Millionen von der Gemeinde selbst zu zahlen sein. Irritationen hatte es vor einigen Wochen hinsichtlich der Oberbacher Grundschulkinder gegeben, die nach Riedenberg in die Schule gehen. "Das hat auch weiterhin so Bestand. Aktuell besuchen 26 Kinder aus Oberbach die Riedenberger Grundschule."

Zufrieden ist Kleinhenz mit dem Rhönexpress-Bahn-Radweg durch den Sinngrund. "Er ist wichtig für die weitere touristische Entwicklung unserer Gemeinde." Nun steht die Realisierung des räumlichen Gestaltungskonzepts bevor. Zum Beispiel sollen die ehemaligen Bahnübergangshäuschen neu gestaltet werden.

Gastronomie nutzen

Das Umfeld des Haus des Gastes in Oberbach wurde im zurückliegenden Jahr saniert. Allerdings fallen im Haus selbst immer wieder größere Reparaturen an. "Wir wissen alle, dass der Zweckbau aus den 1970er Jahren für Oberbach von großer Wichtigkeit ist. Wo sollten wir sonst mit unseren Veranstaltungen und Versammlungen hin?" Kleinhenz appellierte an die Bürger und Vereine, die Gastronomie im Haus des Gastes zu nutzen. "Es wäre schade, wenn diese gastronomische Einrichtung eines Tages auch noch wegbrechen würde."

Bundeswehr-Rechenzentrum Volltreffer

Als "absoluten Volltreffer" bezeichnete Kleinhenz die Einrichtung eines neuen Rechenzentrums der Bundeswehr am Standort Wildflecken. "Ich bin stolz und glücklich, dass es uns gelungen ist, für unseren Standort erfolgreich zu werben", so der Rathauschef. Baubeginn soll voraussichtlich im Jahr 2023 sein. Für Wildflecken habe die durchschnittlich vergleichsweise eher niedrige Temperatur in der Rhön gesprochen, denn die geplanten Hochleistungsprozessoren müssen ständig gekühlt werden. Weitere Vorteile waren die Eigentumsverhältnisse in der Rhönkaserne aus Sicht des Bundes sowie das bestehende Überflugsverbot.

Die Mobilfunkversorgung in Oberbach ist noch extrem löchrig und unzureichend. Aber im kommenden Jahr soll der neue Mobilfunkmast errichtet werden. "Wir können also fest davon ausgehen, dass die Mobilfunkversorgung ab dem nächsten Jahr deutlich verbessert wird."

Zwei große Lösungen zur Kläranlage

Zum Thema Kläranlage berichtete der Bürgermeister über die vorliegenden Studien. Zwei große Lösungen stehen im Raum: Ein Anschluss an die Kläranlage der Stadt Bad Brückenau in Trübenbrunn über das Brückenauer Kanalnetz oder der Neubau einer eigenen Kläranlage in Oberbach für die gesamte Marktgemeinde. "Wenn eine neue Kläranlage gebaut werden sollte, dann wird diese in Oberbach stehen. Das steht fest." Kleinhenz machte klar, dass eine langfristig kostengünstige Lösung für die Bürger gesucht wird. Entscheidend wird auch sein, welche Lösung die Nachbargemeinde Riedenberg anstreben wird. "Es wird nicht so sein, dass wir an Riedenberg vorbei einen neuen Kanal legen können, der dann nach Bad Brückenau führt." Noch könne der Bürgermeister keine endgültige Lösung präsentieren. "Wir müssen eine Lösung finden, die für die kommenden 30 Jahre die beste für alle Bürger ist."

Der Markt Wildflecken hat einen Antrag gestellt, das bislang gemeindefreie Gebiet "Großer Auersberg" in die Gemeinde einzugliedern. Allerdings hat sich auch die Gemeinde Riedenberg in das Verfahren eingeschaltet und beansprucht nun einen Teilbereich des gemeindefreien Gebietes für sich selbst. In einem Anhörungsverfahren der Regierung von Unterfranken wird dieses Thema geklärt. Nachfragen gab es von den Bürgern hinsichtlich der Vorteile der Erweiterung des Gemeindegebietes. Bürgermeister Kleinhenz verwies auf mögliche Vorteile bei Zuschüssen und Stabilisierungshilfen.

Zu schnell in Oberbach unterwegs

In der Bürgerdiskussion ging es dann unter anderem um zu schnelles Fahren im Ortsbereich, um die starken Beschädigungen an der Straße nach Eckartsroth durch schwere Holztransporte sowie um Zufahrtsbeschränkungen von Forstwegen rund um Oberbach. Selbst Fahrradfahrern werde teilweise mit Anzeigen gedroht, hieß es in der Versammlung. Besonders für die Einheimischen sei das ein untragbarer Zustand, zumal es kaum noch möglich sei, problemlos und ohne Diskussionen zu den eigenen Grundstücken im Außenbereich der Gemeinde zu kommen. Bürgermeister Kleinhenz will das Gespräch suchen, um derartige Vorfälle in Zukunft zu verhindern. Die aktuellen Zufahrtsbeschränkungen seien Wunsch von Jagdpächtern gewesen, die eine Beeinträchtigung der Jagd fürchteten.

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