Bischofsheim an der Rhön
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In Bischofsheim schnell und einfach leckere regionale und saisonale Speisen herstellen

Der Workshop "Bio kann jeder" in Bischofsheim räumte mit Vorurteilen auf. Pädagogische Fachkräfte bildeten sich in der Hauswirtschaftsschule fort.
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"Bio kann jeder", diesen Titel trug der Workshop des Ernährungsinstituts "KinderLeicht" in der Bischofsheimer Hauswirtschaftsschule. Foto: Marion Eckert
"Bio kann jeder", diesen Titel trug der Workshop des Ernährungsinstituts "KinderLeicht" in der Bischofsheimer Hauswirtschaftsschule. Foto: Marion Eckert

Bio-Lebensmittel in Gemeinschaftsverpflegungen? In Kindergärten und Schulen? Ja schon. Wäre schön. Wenn da die Kosten nicht wären. Mit dem Vorurteil, dass Bio-Lebensmittel ein Luxus sind und für Gemeinschaftsverpflegung, die wirtschaftlich eng kalkuliert werden muss, nicht leistbar sind, räumte der Workshop "Bio kann jeder" auf. Agnes Streber, Geschäftsführerin des Münchner Ernährungsinstituts "KinderLeicht" war auf Einladung der Managerin der Ökomodellregion, Corinna Ullrich, in die Rhön gekommen und bot in der Hauswirtschaftsschule in Bischofsheim eine Fortbildung für pädagogische Fachkräfte an.

Einblick in die weltweite Ernährungssituation

"Wir haben so viele Anmeldungen, dass wir aus einem Tag zwei Tage machten und im Frühjahr einen weiteren Kurs anbieten werden", berichtete Streber von dem großen Interesse. Zunächst gab die Ernährungswissenschaftlerin und gelernte Köchin einen allgemeinen Einblick in die weltweite Ernährungssituation. Durch die globale Vernetzung und die Abhängigkeit von Strom können die Menschen in der westlichen Welt drei Tage ohne Strom auskommen, ohne hungern zu müssen. Diese Erkenntnis sorgte für Überraschung, leuchtete aber bei näherem Nachdenken ein. Denn ohne Strom falle nicht nur die heimische Kühltruhe aus, auch können weder Herd noch Mikrowelle betrieben werden. Dass Stromausfall natürlich auch produzierende Betriebe und Einzelhändler betreffe, war eine logische Schlussfolgerung. Aber nicht nur die Abhängigkeit von Strom, auch der Klimawandel, der weltweit zu Ernteausfällen führe, Zerstörung von Böden und Wasserreservoire sowie die globale Transporttätigkeit von Lebensmitteln waren ein Thema. "Jedes Lebensmittel hat 2000 Kilometer zurückgelegt, bevor es bei uns auf den Tisch kommt", sagte Streber und bezog sich auf klassisch und industriell produzierte Lebensmittel: "Die Lösung ist ökologischer Landbau, sind regional, saisonal, boden- und ressourcenschonend angebaute Lebensmittel." Je regionaler ein System aufgestellt sei, desto überschaubarer bleibe es.

Jeden Einzelfall abwägen

Diskutiert wurde über die Frage, ob regionale Lebensmittel Bio-Lebensmitteln vorzuziehen seien. "Ideal sind natürlich regionale Bio-Lebensmittel", sagte Streber. Allerdings gebe es nicht immer diese Kombination, da sei der Verbraucher aufgerufen, in jedem Einzelfall abzuwägen. Konventionelle Kartoffeln aus der Region oder Bio-Kartoffeln aus Übersee, da sei die regionale Ware vorzuziehen. Hähnchen aus Massentierhaltung in der Region oder Bio-Hähnchen aus einem anderen Teil Deutschlands? Da riet Streber zum Bio-Hähnchen, und den weiteren Transportweg den Vorzug vor der Massentierhaltung zu geben.

Regionaler und ganz praktisch wurde es mit Margit Derleth, die es als Leiterin der Kindertagesstätte in Mühlbach schaffte, den Anteil an Bio-Lebensmitteln auf 90 Prozent zu steigern, und trotzdem konnte der Preis bei zwei Euro pro Tag gehalten werden. Sie berichtete aus ihrer beruflichen Erfahrung und von der Begeisterung der Kinder, beim Kochen mitzuhelfen. Denn für Derleth ging es nicht nur um die biologische Ernährung, sondern auch um den pädagogischen Aspekt des gemeinsamen Kochens. Denn die Erzieherinnen kochen in der Kindertagesstätte gemeinsam mit den Kindern für die Kinder. Verzichtet werde auf einen externen Caterer, auf Fertigprodukte und Convenience-Produkte: "Es gibt nur einmal in der Woche Fleisch, dann natürlich Bio-Fleisch und Fisch aus kontrolliertem Fang."

Lieblingsessen Dinkelfrikadellen mit Spinat

Einfach zu kochen, sei eine gute Lösung und biete den Kindern viel Erfahrungsspielraum. Zum Lieblingsessen im Kindergarten wurden Dinkelfrikadellen mit Spinat, auf den ersten Blick sicherlich kein Gericht, das Eltern zu den Lieblingsspeisen von Kindern zählen würden. Doch in Mühlbach sei es gelungen, die Kinder auf den Geschmack zu bringen. "Es ist wichtig, dass die Kinder ganz unterschiedliches kennen lernen. Wenn sie es selbst zu bereitet haben, dann möchten sie es auch essen."

Die Workshop-Teilnehmer hatten natürlich auch die Möglichkeit, in der Schulküche selbst auszuprobieren, wie schnell und einfach leckere regionale und saisonale Speisen hergestellt werden können. Es gab Rote-Beete-Frischkostsalat mit Äpfeln, Pastinaken-Kokos-Cremesuppe, Vanillequark mit Holunder Konfitüre, Chilli-Sin-Carne, Blitzbrot und Schüttel-Kräuterbutter.

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