Bischofsheim
Naturschutz

Immer mehr Wildkräuter auf den Äckern der Rhön

Rund 150 Landwirte arbeiten mit den Ämtern zusammen und bewirtschaften ihre Felder wie früher: Sie verzichten auf Spritzmittel und Dünger und säen im doppelten Reihenabstand.
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Michael Krämer (Untere Naturschutzbehörde) und Theresia Dietz (Amt für  Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bad Neustadt) freuen sich über  die Vielfalt an Ackerwildkräutern in der Nähe von Unterweißenbrunn.  Marion Eckert
Michael Krämer (Untere Naturschutzbehörde) und Theresia Dietz (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bad Neustadt) freuen sich über die Vielfalt an Ackerwildkräutern in der Nähe von Unterweißenbrunn. Marion Eckert
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"Ein Bett im Kornfeld...", schon 1976 wusste Jürgen Drews offenbar, dass ein Kornfeld eine einmalige Faszination ausübt. In der Rhön und im Grabfeld fallen in diesem Jahr besonders die Unmengen an blauen Kornblumen auf. Die Kornblumen wie auch der rote Klatschmohn war einige Jahre lang nahezu komplett von den Äckern verschwunden, doch immer mehr Landwirte besinnen sich der Bedeutung dieser sogenannten "Ackerwildkräuter" und geben Kornblume und Co. eine Chance auf ihren Feldern.

Möglich wird dies durch ein entsprechendes Förderprogramm des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde, die die Flächen für diese naturschutzfachliche Maßnahme festlegt und natürlich mit den Landwirten, die sich hierfür bereit erklären. Michael Krämer (Untere Naturschutzbehörde) und Theresia Dietz (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bad Neustadt) überzeugten sich in Unterweißenbrunn über den Erfolg des Projektes.

143 Landwirte waren im vorigen Jahr im Landkreis Rhön-Grabfeld im Rahmen des Bayerischen Vertragsnaturschutzes in Sachen Extensive Ackernutzung für Feldbrüter und Ackerwildkräuter tätig. "Aktuell können wir von mehr als 150 Landwirten ausgehen", sind sich beide sicher und würde sich freuen, wenn noch mehr Landwirte dem Programm anschließen würden.

Was muss der Landwirt tun? Bei der extensiven Bewirtschaftung der Ackerfläche wird auf Intensivkulturen wie Mais und Zuckerrüben sowie auf Dauerkulturen wie Klee-Gras oder Luzerne verzichtet. Innerhalb von fünf Jahren muss mindestens zweimal ein Winteranbau vorgenommen werden, da viele Ackerwildkräuter Kaltkeimer sind. Höchstens ein Brachjahr sei innerhalb dieses Zeitraums sinnvoll. Verzichtet werden müsse auf den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel und Düngung sowie einer Untersaat, die das Keimen und Wachsen der Ackerwildkräuter unterdrücken würde.  Auch müsse die Saatbreite beachtet werden. "Es wird im doppelten Reihenabstand ausgesät", erklärte Krämer, was natürlich auch nur die Hälfte des Ertrages zur Folge habe. "Wenn zu dicht ausgesät wird, werden die Ackerwildkräuter unterdrückt."

Die Förderung in Höhe von 420 Euro pro Hektar gleiche den Ernteausfall des Landwirts aus. Mehr Arbeit kommt auf den Landwirt nicht zu. Im Gegenteil, das Düngen und Spritzen entfällt sowie die Investitionen für diese Mittel. Diese Art der Bewirtschaftung ist für Krämer und Dietz eine Rückbesinnung auf die traditionelle Landwirtschaft und das Wissen um Bodenbearbeitung, Fruchtfolge und Erntezeitpunkt.

"Zum Glück haben wir noch viele Landwirte, die sich auf das Alte besinnen und das Wissen noch haben", meint Krämer. Doch es kann auch Schwierigkeiten geben. Vor allem in den ersten Jahren  können aufgrund der noch hohen Nährstoffgehalte im Boden die sogenannten Problemwildkräuter wie der Ackerfuchsschwanz auftreten. "Da wir in der Regel aber die eher ertragsschwachen Flächen ins Programm  nehmen, löst sich dieses Problem überwiegend ziemlich schnell auf", erklärte Krämer.

Interessant ist, dass die Ackerwildkräuter nicht eigens eingesät werden müssen, sondern im Boden bereits vorhanden sind. Auf kaum einer Fläche, die in den vergangene Jahren in das Programm auf genommen wurde, sei es deshalb zu Problemen gekommen. "Die Ackerwildkräuter breiten sich meist zunächst am Rande aus und erobern Jahr für Jahr mehr Fläche. Wir haben da ein gutes Potenzial im Boden", sagt Krämer und schwärmt. "Es ist der schönste Landkreis der Welt. Der Genpol ist Deutschlandweit einmalig, das sein ein Kapital das es zu pflegen und erhalten gilt."

Dass Landwirtschaft und Naturschutz so vorbildlich Hand in Hand gehen, freut Theresia Dietz. Das Ackerwildkräuter-Konzept sei eine beispielhafte Zusammenarbeit zwischen den Ämtern und den Landwirten. Die Anfänge reichen bis Ende der 80-er und Anfang der 90-er Jahre zurück. Damals entwickelte das Umweltministerium die ersten Vorläufer der heutigen Förderprogramm wie den Erschwernisausgleich, das Wiesenbrüterprogramm und das Pfufferzonen-Programm, das für die extensive Bewirtschaftung von Ackerflächen zur Verfügung stand.

Ackerwildkräuter zählen zu den am meisten gefährdeten Arten in Deutschland. Viele von ihnen haben für Insekten attraktive Blüten oder bieten anderweitig Futter und Lebensraum für Wildtiere. Zudem sind Ackerwildkräuter eine Zierde der Landschaft, bieten Genmaterial für künftige Züchtungen, festigen den Boden und werden als essbare Wild- oder Heilkräuter geschätzt.

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