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Wildflecken
Interview

Image-Macher für Wildflecken

Viele Leute verbinden mit Wildflecken vor allem das Militär. Doch durch die Bundeswehrreform fallen wieder einige hundert Dienstposten weg. Der Markt muss sich neu aufstellen - und bekommt professionelle Hilfe. Ein Interview mit den Konversionsmanagern Cordula Kuhlmann und Matthias Endres.
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Einsatz für die Region: Matthias Endres und Cordula Kuhlmann vor dem Wildfleckener Rathaus. Foto: Ulrike Müller
Einsatz für die Region: Matthias Endres und Cordula Kuhlmann vor dem Wildfleckener Rathaus. Foto: Ulrike Müller
Wer sich mit Cordula Kuhlmann und Matthias Endres unterhält, bekommt eine Idee davon, wie Konversionsmanager arbeiten. Sie sehen nicht den Niedergang, sondern die Chance. Die Chance beispielsweise, den Gewerbepark Kreuzberg so zu vermarkten, dass er für Unternehmen interessant ist. Oder die Chance, den Tourismus weiter auszubauen, so dass Wildflecken eines Tages nicht mehr nur als Standort der Bundeswehr wahrgenommen wird, sondern auch als Urlaubsregion.

Vor eineinhalb Jahren stellte der Landkreis Bad Kissingen eigens Konversionsmanager ein, um den von der Bundeswehrreform betroffenen Kommunen Hammelburg und Wildflecken unter die Arme zu greifen. Eigentlich ist das Team zu dritt: Cordula Kuhlmann ist seit Januar 2013 am Start, ihr Kollege Matthias Endres stieß im März 2013 dazu. Die dritte Kollegin, Verena Mörsner, ist unlängst Mama geworden. Ihre Stelle ist nun ausgeschrieben.

Konversionsmanagement ist ein furchtbar sperriges Wort. Was machen Sie eigentlich genau?
Cordula Kuhlmann: Wir helfen den beiden Kommunen Wildflecken und Hammelburg, sich neu aufzustellen.
Matthias Endres: In Wildflecken beispielsweise ist durch die Bundeswehrreform die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um ein Drittel eingebrochen. Das heißt, jetzt leben hier weniger Leute. Und weniger Leute heißt...

...weniger Geld, richtig?
Kuhlmann: Genau. Der Verlust der Kaufkraft muss irgendwie aufgefangen werden. Für Wildflecken kommt dann noch die Frage dazu, was aus den leerstehenden Gebäuden wird, zum Beispiel in Oberwildflecken im Gewerbepark Kreuzberg. Da geht es darum, neue Wertschöpfung in der Region zu schaffen, damit die Region attraktiv für Unternehmen wird.

Was meinen Sie genau, wenn Sie von 'Wertschöpfung' sprechen?
Endres: Das heißt einfach, zu erkennen, was eine Region zu bieten hat, und diese Potenziale bewusst zu fördern.
Kuhlmann: Jahrzehntelang stand Wildflecken für einen Ort, der militärisch dominiert war. Wildflecken wird zum Beispiel noch nicht als Tourismusregion wahrgenommen. Das wollen wir ändern.

Es geht also um ein neues Image für Wildflecken?
Kuhlmann: Ja, aber nicht nur. Es geht auch darum, neue Arbeitsplätze zu schaffen, indem wir versuchen, Firmen anzusiedeln.
Endres: Es ist ja nicht so, dass niemand da ist. Im Gewerbepark Kreuzberg sind schon zehn von 40 Hektar besetzt. Wir haben etwas zu bieten, das müssen wir den Leuten zeigen. Deshalb haben wir eine Broschüre entworfen, in der wir den Gewerbepark vorstellen. Diese schicken wir Firmen zu, von denen wir denken, dass sie hierher passen.

Ein weiterer Bereich ist der Ausbau des Tourismus.
Kuhlmann: Richtig. Allein den Kreuzberg besuchen zwischen 500.000 und 600.000 Leute im Jahr. Dann haben wir mit dem Haus der Schwarzen Berge in Oberbach eine zentrale Anlaufstelle in der Rhön. Diese Funktion wollen wir weiter stärken.
Endres: Im Juni haben wir zum Beispiel drei Touren für Mountainbike-Fahrer eröffnet, die alle von Wildflecken aus starten. Das ist eine tolle Sache und wieder ein Angebot mehr für Touristen.

Am 30. September wollen Sie erstmals die "Wildfleckener Wirtschaftsgespräche" anstoßen. Worum geht's da?
Endres: Das wird ein Info-Nachmittag sein, zu dem alle Kommunalpolitiker eingeladen sind. Es geht um das Thema, wie sich eine Kommune aufstellen muss, um für gewerbliche Ansiedlungen interessant zu sein.
Kuhlmann: Das Schöne ist, dass alle Kommunen davon profitieren, nicht nur Wildflecken und Hammelburg.


Das Gespräch führte Ulrike Müller


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