Wildflecken
Wandern

Im Herzen der Rhön

Die Volkswandertage auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken lockten wieder Tausende von Naturfreunden an. Diesmal ging es von Dalherda aus in das sonst gesperrte Gelände.
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Der Aufstieg zur Dalherdakuppe w ar am Wochenende möglich, denn auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken waren wieder die Pforten geöffnet. Foto: Joachim Rübel
Der Aufstieg zur Dalherdakuppe w ar am Wochenende möglich, denn auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken waren wieder die Pforten geöffnet. Foto: Joachim Rübel
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Zu abwechslungsreichen Wanderungen kann man sich im größten Teil der Rhön das ganze Jahr über auf die Socken machen. Aber eben nicht überall, denn es gibt militärisch genutzte und daher gesperrte Gebiete. Der Truppenübungsplatz Wildflecken bietet aber wenigstens an zwei Tagen pro Jahr die Möglichkeit ausgiebig im Herzen der Rhön auf Tour zu gehen. Und diese rare Gelegenheit haben auch heuer wieder Tausende von Naturfreunden genutzt. Auf den als Parkflächen genutzten Wiesen standen Autos aus der Region, aber auch aus dem Frankfurter Raum, aus Nürnberg und Südwestdeutschland.

Startpunkt für die Wandertage und den Tag der offenen Tür bei der Bundeswehr ist immer wieder ein anderes Dorf am Rand außerhalb des Truppenübungsplatzes. 2019 waren die Hessen der Gastgeber: In Dalherda (Landkreis Fulda) konnte man ab 6 Uhr morgens seinen Marsch beginnen, Besucher aus dem Landkreis Bad Kissingen mussten also erstmal um den halben Truppenübungsplatz herumfahren, aber die etwas längere Anfahrt hat sich gelohnt.

Verschiedene Strecken

Mit erheblichem zeitlichen und technischen Aufwand haben die Militärs drei unterschiedlich lange Strecken ausgeschildert und an einigen Stellen sogar mit Maschineneinsatz soweit hergestellt, dass die Passagen gut durchgangen werden konnten. An mehreren Stellen gab es Sitzmöglichkeiten und Verpflegung, sodass bei gemäßigten Preisen jeder auf seine Kosten kommen konnte. Motorisierte Patrouillen sahen nach dem Rechten, was bei dem teils recht schwülen Wetter und angesichts der vielen auch älteren Wanderfreunde eine sinnvolle Maßnahme war.

Während junge Familien meist die zehn Kilometer lange Rundtour wählten, zogen die sportlicheren kleinen Gruppen oder Einzelgänger die 16- beziehungsweise 18,5-Kilometer-Strecken vor. Die Längen waren beachtlich, denn man muss jeweils noch zwei Kilometer für den Weg von der Parkwiese bis zum Startpunkt hinzurechnen. Gut, dass nicht durchweg die Sonne schien, und ebenso gut, dass die Strecken durch viele bewaldete Abschnitte führten.

Blick bis Frankfurt

Beliebteste Treffpunkte waren auch diesmal wieder die Aussichtspunkte. Zum Beispiel die im Profil fast wie ein Tafelberg wirkende Dalherdakuppe (800,60 Meter). Ihre Höhenlinie zieht sich über dem namensgebenden Ort hin. Von hier aus hat man einen guten Blick zum Beispiel auf den gut 17 Kilometer entfernten Kaliberg bei Neuhof, nach Fulda und bis zum rund 90 Kilometer entfernten Frankfurt am Main.

Wanderer Karl-Heinz Grüger ist kein Ortsfremder, sondern hier sogar beheimatet. Er ist in Dalherda geboren und freut sich natürlich, dass er mal wieder von hier oben auf sein Heimatdorf hinabblicken kann. "Heute kann man nicht mehr so ohne weiteres auf das Gelände", sagt der fitte Senior. "Früher bei den Amis war das anders, als die noch auf dem Platz waren, da haben wir als Buben alles Mögliche mit denen gemacht, da haben wir zum Beispiel Bier für die organisiert." Der Platz war damals wohl nicht so drastisch abgeriegelt wie heute, und die Eltern konnten seinerzeit ihre Kinder auch nicht so gut im Griff halten wie heute. Gut erinnert sich Karl-Heinz Grüger daran, wie biwakierende US-Soldaten, wohl im Rahmen eines nächtlichen Gelages, das berühmte "Kuppenmännchen" demoliert haben. Die beeindruckende hochragende Felsformation aus mehreren massiven Phonolithbrocken, die mit viel Phantasie einer Menschengestalt ähnelt, wurde später wieder aufgerichtet, hat aber nicht mehr ganz die ursprüngliche Silhouette. Das "Kuppenmännchen" gilt als das Wahrzeichen von Dalherda.

Ruinenbrocken

Weiter auf der Tour durch das militärische Gelände, das insgesamt eine Fläche von 70 Quadratkilometern hat, ging es zunächst in östlicher Richtung. Während im Tal Motten auftauchte und im näheren Umfeld die beiden Auersberge den Horizont überragten, waren in der Ferne zunächst die Pilsterköpfe oberhalb von Bad Brückenau, Schildecker Kuppe und Mettermich zu erkennen. Im weiteren Verlauf zeigten sich dann der Kreuzberg mit Guckaspass und nach dem Abknicken der Wanderstrecke nach Norden auch der Eierhauck. In der weiteren Distanz waren schließlich der Heidelstein und schließlich zum Ende der Rundtour hin Wasserkuppe und Hessisches Kegelspiel zu sehen. Es ging also auf der langen Strecke einmal um die Dammersfeldkuppe (928 Meter) herum, auf der noch ein paar Ruinenbrocken aus den Zeiten der Wehrmacht bezihungsweise der Amerikaner herumliegen.

Warnung vor Blindgängern

Während Trümmerreste und verrostete Panzerteile noch gut zu erkennen sind, sieht es bei Munitionsresten und Blindgängern deutlich schlechter aus, immer wieder warnen Schilder den Wanderer davor, die Wege zu verlassen, mehr als deutlich ist der regelmäßige Hinweis "Lebensgefahr".

An kleinen Ständen, auf angenehm zurückhaltende Art, stellten sich auch die Hausherren vor. Wer sich für die Bundeswehr interessiert, der konnte sich ausgiebig mit Info-Material versorgen oder sich auch persönlich Auskunft geben lassen. Ebenso präsentierte sich der "Bundesforst", der für die Natur auf dem Truppenübungsplatz zuständig ist: Kleine pädagogische Module brachten den Wanderern die Tierwelt der Rhön nahe oder auch die Vielfalt der Hölzer und die speziellen Eigenarten und Bedingungen der Waldwirtschaft auf einem militärisch genutzten Gelände.

Den Wanderern gefällt es auf dem Truppenübungsplatz. Grund sind wohl die wunderbaren Aussichten, die etwas befremdende Exotik der militärischen Einrichtungen - und nicht zuletzt die bestens geplante und anspruchsvoll gestaltete Streckenführung für die Besucher.

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