Bischofsheim
Glaube

Hoffnung geben ist seine Hauptarbeit

Pfarrer Gabriel Gnanathiraviam ist als Urlaubsvertretung wieder in seiner Pfarreiengemeinschaft. Hier erzählt er von seiner Arbeit in Indien.
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635 Euro vom Seniorennachmittag in Oberweißenbrunn hat Andrea Hohmann an Pfarrer Gabriel Gnanathiraviam übergeben.  Foto: Marion Eckert
635 Euro vom Seniorennachmittag in Oberweißenbrunn hat Andrea Hohmann an Pfarrer Gabriel Gnanathiraviam übergeben. Foto: Marion Eckert
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Seit Mitte Juli ist Pfarrer Gabriel Gnanathiraviam zurück in der Pfarreiengemeinschaft "Am Kreuzberg, Bischofsheim", allerdings nur als Urlaubsvertretung bis Ende August. Für ihn ist es der erste Besuch in Deutschland, in seiner alten Pfarreiengemeinschaft, nachdem er im April 2018 zurück in seine indische Heimat ging. Doch sei Weggang lies die Bande in die Rhön nicht abreisen. Regelmäßig berichtet er über seine Arbeit in seiner Heimat und der ihm anvertrauten Pfarrei.

Gabriel Gnanathiraviam ist in der Pfarrei St. Antonius in Palanganatham als Pfarrer tätig. Diese Pfarrei liegt im Stadtviertel Madurai, der drittgrößten Stadt des Bundesstaates Tamilnadu.  "Es ist eine arme Gegend, die Menschen sind Nachkommen der sogenannten Unberührbaren", erzählte er. Bis Ende August werde er in Bischofsheim sein, Gottesdienste feiern und bei verschiedenen Gelegenheiten wie Seniorennachmittagen über seine Heimat und seine Arbeit sprechen. Im September werde er für einige Zeit in Bad Neustadt sein, bevor er wieder nach Indien zurück kehrt.

So war er schon in Oberweißenbrunn und Wegfurt bei Seniorennachmittagen, zeigte viele Bilder aus Indien, berichtete über das Land. Aber auch über die Herausforderungen der indischen Gesellschaft sprach er und nannte vier Schwerpunkte: Armut, soziale, religiöse und politische Konflikte. Besonders freuten sich die Zuhörer von Pfarrer Gabriels Gemeinde zu hören und Bilder von seiner Pfarrkirche mit der Mariengrotte, den Menschen und verschiedenen Feiern zu sehen. Zu seiner Pfarrei gehören etwa 550 Familien und 1850 Familienmitglieder. Neben seiner pastoralen Tätigkeit hat er eine Schule mit zehn Klassen und einen Kindergarten zu verwalten. Für etwa 850 Schüler und 34 Lehrkräfte trägt er Verantwortung, sowie einen Wachmann und eine Reinigungskraft.

100 Euro pro Monat

Allerdings bekommen nur 24 Lehrer ihr Gehalt von der Regierung. "Ich bezahle die anderen zwölf Personen." Jeder bekomme nur 100 Euro pro Monat, dennoch sei es Monat für Monat ein Kraftakt für ihn. Alleine aus dem Schulgeld, das die Eltern für den Schulbesuch ihrer Kinder zahlen müssen, könne er nur fünf bis sechs Monate überbrücken. So freute sich Pfarrer Gabriel  über die erneute Großzügigkeit der Rhöner, die ihn regelmäßig unterstützen. In Oberweißenbrunn konnte ihm Andrea Hohmann, die Organisatorin des Seniorennachmittags, eine Spendenbox mit 635 Euro überreichen.

Jeden Tag werden in Indien zwei Messen gefeiert, Sonntags fünf an denen bis zu 800 Gläubige teilnehmen. "Not lehrt beten", dieser Spruch treffe auf die in Armut lebenden Menschen zu, deren einzige Hoffnung Gott sei. "Hoffnung geben ist meine Hauptarbeit", fasste es Gabriel zusammen. Nicht nur zum Gottesdienst auch zu kulturellen Veranstaltungen komme die Gemeinde zusammen, doch dies sei in der Regenzeit oft ein Problem. Zweimal jährlich sei mit Monsun zu rechnen, dann seien weder Gottesdienste noch kulturelle Veranstaltung auf dem großen Platz vor der Kirche möglich. Daher plant der Pfarrer das Schulgebäude aufzustocken und einen Multifunktionsraum zu schaffen, der sowohl der Gemeinde wie auch der Schule zugute komme. "Die große Schule hat keinen großen Raum für Schulveranstaltungen und keine Turnhalle, auch die Pfarrei hat außer der Kirche keinen großen Raum, der oft gebraucht würde." Die entsprechenden Pläne wurden bereits erstellt. Die Kosten betragen circa 50 000 Euro. Die Schule gehört dem Erzbistum Madurai, dem Heimatbistum von Pfarrer Gabriel, der Erzbischof unterstütze das Projekt. "Die Arbeit werden die Menschen vor Ort leisten, doch ohne finanzielle Mittel schaffen wir es nicht." Nicht nur die Bezahlung der Lehrkräfte und der Multifunktionssaal ist für ihn eine Herausforderung. Der Boden der Kirche sei dringend erneuerungsbedürftig. "Die Platten sind gebrochen und Ungeziefer habe sich darunter eingenistet. Während des Gottesdienstes kommen oft Eidechsen heraus. Das ist sehr unangenehm." Auch diese Arbeiten sollen in Eigenleistung ausgeführt werden, doch ganz ohne finanzielle Mittel gehe es wohl nicht. Gleiches gelte für die Toilettenanlage, die ebenfalls renovierungsbedürftig sei.

Kirche in Indien

Spenden

Kirchenstiftung Unterweißenbrunn

Konto DE74 7935 3090 0011 1736 63 ,

BIC BYLADEM1NES

Messe und Vortrag Am Samstag, 24. August, wird Pfarrer Gabriel Gnanathiraviam die Vorabendmesse (Beginn 18 Uhr) in Unterweißenbrunn feiern. Im Anschluss wird er einen Vortrag über seine Arbeit in Indien und seine Pfarrei halten. Viele Bilder hat er mitgebracht.

Persönliches

Im April 2018 hat  Pfarrer Gabriel Gnanathiraviam die Rhön verlassen, um in seiner indischen Heimat eine Pfarrei in einem Stadtviertel von Madurai zu übernehmen. Jetzt ist er zurück in der Rhön, um für Pfarrer Manfred Endres die Urlaubsvertretung zu übernehmen und gerne berichtet er über seine Erfahrungen in Indien und Deutschland. "Es geht mir gut in meiner Heimat. Ich habe ein gutes Gefühl und bin zufrieden. Ich kann den Leuten etwas geben." In Deutschland habe er nach dem Gottesdienst oft das Gefühl gehabt, dass er die Menschen aufgrund der sprachlichen Hürden nicht wirklich erreicht habe. Das sei in Indien völlig anders. "Ich habe nach den Gottesdiensten immer ein gutes Gefühl." Auch schätze er, die heimische Küche und den Umgang mit den Menschen. "Ich bin nie alleine. Es ist sind immer Menschen da, die ins Pfarrhaus kommen und ein Gespräch suchen. In Deutschland war das anders." Dennoch habe es ihm in Deutschland, vor allem in der Pfarreiengemeinschaft "Am Kreuzberg, Bischofsheim" immer sehr gut gefallen und er habe viele Freunde gefunden, mit denen er heute noch in Verbindung steht, regelmäßig telefoniert oder per Email und Post Kontakt hält. " Jetzt ist er zur Urlaubsvertretung zurück und freut sich viele Bekannte wieder zu sehen. Die Hitzewelle im Juli habe ihm nichts ausgemacht. "Das war in Ordnung, ich habe mich über die Sonne gefreut." In seinen Jahren in der Rhön habe er oft unter der Kälte gelitten, vor allem in Winter war es für den aus Südindien stammenden Geistlichen oft arg kalt. Mit mehreren Lagen Socken versehen und Wollmütze war er unterwegs. "In Indien ist das jetzt ganz anders. Die Luftfeuchtigkeit ist extrem wenn es regnet. Aber wenn es heißt und trocken ist, haben wir viel Staub." Zurück in Deutschland fiel Pfarrer Gabriel Gnanathiraviam vor allem der Wohlstand auf. "Den Menschen geht es so gut im Vergleich zu den Menschen in meinem Land. Im Supermarkt kann man alles kaufen, es herrscht kein Mangel. Alles ist schön hergerichtet, die Häuser und Wohnungen, die Straßen und Kirchen." Verändert habe sich für ihn in Indien seine persönliche Situation. Während er in seiner Zeit in Deutschland ein Gehalt erhielt von dem er seine Familie und seine Projekte unterstützen konnte, sei er nun als Pfarrer in Indien völlig auf die Unterstützung seiner Gemeinde angewiesen. Ein Priestergehalt gebe es nicht. "Ich komme zurecht und bin zufrieden. Mir persönlich geht es gut."

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