Bad Brückenau
Event

Haindling in Bad Brückenau

Haindling machen auch nach Jahrzehnten musikalischen Schaffens immer noch Spaß. Der Beweis wurde im Schlosspark im Staatsbad geliefert.
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Beeindruckende Klangvielfalt im Schlosspark: Haindling spielten am Sonntag ein Open Air Konzert im Staatsbad. Sebastian Schmitt
Beeindruckende Klangvielfalt im Schlosspark: Haindling spielten am Sonntag ein Open Air Konzert im Staatsbad. Sebastian Schmitt
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Die neue Volksmusik von Haindling ist unverkennbar bayerisch geprägt und doch so weltoffen und schräg, dass sie in keine Schublade passt. Am Sonntagabend gastierten die niederbayerischen Vollblutmusiker im Schlosspark im Staatsbad und beeindruckten mit einem fein abgestimmten Klangbild. Es hätten ruhig ein paar Zuhörer mehr sein können. "Ich komme gerne nach Bad Brückenau, hier ist es wunderbar. Und es ist so schön wenig los", sagte Frontmann Hans-Jürgen Buchner, der so viele Instrumente im Verlauf eines Auftritts mühelos und mit Finesse spielt, dass man nur den Hut ziehen kann.

Schon vor Beginn des Konzerts lässt ein seltsam anmutendes Instrumentarium auf der Bühne erahnen, welch musikalische Vielfalt den Konzertbesucher erwartet. Zwar werden kontinuierlich auch synthetische Klänge an den Keyboards beigesteuert, doch die Blasinstrumente dominieren . Haindling erfindet sich einfach immer wieder neu. Alphörner, Saxophone, Trompeten, afrikanische Trommeln, Tuba, Klanghölzer - die Liste ließe sich beliebig weiterführen. Und dabei wirkt kein Musiker angestrengt, trotz mindestens 33 Grad im Schatten.

"Vor über dreißig Jahren ist unser Publikum bei den Konzerten noch gestanden. Jetzt haben wir Sitzplätze besorgt. Unser treues Publikum ist in all den Jahren also tatsächlich auch älter geworden", gibt Buchner zu Protokoll. Doch nur sitzend wird ein Haindling-Konzert nicht absolviert. Auf Aufforderung des Frontmannes erheben sich die Fans von den Stühlen, was nicht schwer fällt, denn der Rhythmus geht sofort ins Blut.

Die Musiker überzeugen nicht nur durch ihren immer leicht ironischen, melodischen Stil. Sie wechseln auch mühelos zwischen Melancholie und Pop-Hymne hin und her.

Haindling haben längst Kultstatus. Vor allem natürlich in Bayern, aber auch darüber hinaus. Dass die Texte teilweise so urkomisch und bizarr daherkommen, mag zu der ausgeklügelten Melodieführung nicht immer so recht passen. Und doch ist eben auch der Kontrast ein stilbildendes Mittel von Haindling.

Hans-Jürgen Buchner, der Kopf von Haindling, zählt unbestritten neben Gerhard Polt zu den bekanntesten bayerischen Künstlern und hat in den letzten Jahrzehnten dazu beigetragen, dass eine moderne, lebendige und kreative bayerische Musikszene entstehen konnte, die längst über alle musikalischen Grenzen und Genres mutig hinweg geht - so hat es der Bayerische Rundfunk zusammengefasst . Volksmusik ist eben deutlich mehr als "Mia san mia". Bei Haindling schließt Volksmusik auch Pop, Rock, Jazz und Samba mit ein.

Der Wechsel zwischen Klang-Genuss und skurriler Poesie macht den Reiz eines Haindling-Konzertes aus. Man muss aber immer auch ein wenig zwischen den Zeilen lesen. Denn eine reine musikalische Traumreise ist Haindling zu wenig. Es werden auch Botschaften vermittelt. Haindling kritisieren einen hektischen Zeitgeist, der dem Mensch kaum noch Luft zum Innehalten und Nachdenken lässt. Fast schon beiläufig streift die Band aktuelle gesellschaftliche, politische und ökologische Themen. Doch immer nach besinnlichen Worten durch den Frontmann steht sofort wieder die Musik im Blickpunkt.

Langweilig wird es also nie. Schade, dass nicht alle Karten verkauft werden konnten und einige Plätze in den hinteren Reihen frei geblieben sind. Wer nicht gekommen war, hat definitiv eine Menge verpasst.

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