Bad Brückenau
Bildung

Gymnasium in Bad Brückenau ist Fairtrade-Schule

Fairness ist für die Schüler am Gymnasium ein wichtiger Wert, für den sie sich sogar in ihrer Freizeit stark machen.
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Regelmäßig findet das faire und gesunde Frühstück für die ganze Schule statt. Dirk Hönerlage
Regelmäßig findet das faire und gesunde Frühstück für die ganze Schule statt. Dirk Hönerlage
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Immer mal wieder, aber nicht inflationär, an einer Klassentür oder einer Wand, prangt der Begriff, um den es geht: Fairness. In Großbuchstaben ist dieses Wort gestaltet, denn das Franz-Miltenberger-Gymnasium (FMG) hat sich die Wertediskussion um Fairness groß auf die Fahne geschrieben. Nur ein Baustein ist die Bewerbung zur Fairtrade-Schule. In den Faschingsferien hat Koordinator Dirk Hönerlage den positiven Bescheid des Vereins Trans-Fair in Köln erhalten. Das FMG ist nun Fairtrade-Schule.

Schokoriegel für alle - das war der ausschlaggebende Punkt, mit dem die nötigen Kriterien für die Zertifizierung zur Fairtrade-Schule erfüllt wurden. Die Schokoriegel sind fair gehandelt und schon seit einigen Jahren fester Bestandteil des Lehrerzimmers, jedoch nun auch für alle jederzeit in der Mensa zugänglich. Er soll als Medium dienen und dazu ermuntern, sich für die Bedingungen, unter denen Lebensmittel produziert werden, zu interessieren und zu verstehen, dass Verbraucher sogar weltweite Strukturen verändern können.

Seit Juli des vergangenen Jahres plant, bespricht und organisiert ein Team aus Lehrern, Schülern und Eltern die Aspekte von Fairness. "Es war nicht schwer, eine kleine tatkräftige Gruppe zusammen zu stellen", blickt Dirk Hönerlage auf das Ende des letzten Schuljahres zurück. Gleich nach den Sommerferien war Fairness als schulinterner Wertebegriff in den Mittelpunkt gestellt worden. So Einiges ist seitdem von den fünf Schülern des Arbeitskreises unter Begleitung der beiden Lehrer Dirk Hönerlage und Joachim Ostheimer auf die Beine gestellt worden.

Regelmäßig findet das faire und gesunde Frühstück für die ganze Schule statt. Vorab hatten die Schüler schon biologisch und fair eingekauft. Das Frühstück wird begleitet von Vorträgen, zum Beispiel über das Tierwohl und über Anbaubedingungen. Weitere Aktionen waren die Präsenz beim Pinklauf, Besuche im Weltladen und Sportturniere.

Auch dort ist Fairness ein zentrales Thema, besonders für Dennis Wasilkow. Der 18-Jährige möchte hier nicht nur seinen "Senf dazugeben", sondern das Thema im Alltag und den Köpfen verankern. Fair gehandelte Bälle, im Dezember vergangen Jahres pünktlich zum Weihnachts-Fußball-Turnier geliefert, aber auch die Krönung der fairsten Mannschaft sollen Fairness allgegenwärtig machen.

Fast in jedem Unterrichtsfach ist Fairness als Thema möglich: Ob fair-play in den Sportstunden, faire Forschung in den Mint-Fächern oder fairer Handel in Wirtschaft und Recht. Das ist der Beweggrund für Max Schüßler, sich im Arbeitskreis einzubringen: "Ich finde es unverschämt, wie wenig die Bauern für ihre Arbeit bekommen, im Gegensatz zum Vertrieb". Das Konzept des Arbeitskreises, sich dagegen einzusetzen, fand der 14-Jährige "ansprechend". Quasi überall ist Fairness ausbaubar. Nicht nur die Bauern in Südamerika, sondern auch die Landwirte hier vor Ort "sollen für ihre Arbeit ihren Lohn bekommen", stellt Dirk Hönerlage klar.

Edwin Eirich ist sich bewusst, dass in Sachen Fairness und Fairtrade Durchhaltevermögen und Beständigkeit gefragt ist. Der Elftklässler weiß: "Es ist keine abgeschlossene Sache", jede Aktion und jeder Plan bringt "neue Horizonte und Möglichkeiten".

Die Pläne hat der Arbeitskreis in seiner Freizeit gemacht. Nach dem Unterricht gab es regelmäßige Treffen, Besprochenes wurde zu hause weiter bearbeitet. Angebote wurden verglichen, Einkaufspreise berechnet, Briefe geschrieben, Plakate galt es zu entwerfen.

"Jetzt wird erst mal gefeiert" freuen sich Schüler und Lehrer über die Zertifizierung. "Zu Recht", betont Dirk Hönerlage, doch könne und solle man die Feier auch als Impuls nutzen, weiterzumachen. Nicht nur steht irgendwann die Rezertifizierung an, das Thema ist zudem einfach noch nicht genug im Bewusstsein der Mitmenschen, findet Dennis Wasilkow. Es soll "kein Strohfeuer bleiben", betont Hönerlage.

Der Arbeitskreis sieht sich immer noch in der Aufbauphase und ist der Meinung: Da geht noch mehr! Für die Fairtrade-Schokoriegel wird ein eigenes Schullogo entworfen, zu 100 Prozent fair produzierte Schulshirts sind bereits bestellt, ein Schaukasten soll in der Aula über aktuelle Projekte informieren und für Mai ist das Theaterstück "Alles satt?" gebucht.

Die Ursprünge, auf die das Team nun aufbaute, gehen zurück auf das Jahr 2016. Bereits damals hatte sich die Schule zur Zertifizierung als Fairtrade-Schule beworben und eine Mappe mit Unterlagen und Bildern zusammengestellt. Wahrscheinlich war erst die berühmt-berüchtigte "kreative Pause" nötig, damit das Projekt gedeihen konnte.

Die fünf Kriterien für Fairtrade-Schulen

Schulteam Ein Schulteam, bestehend aus Schülern, Lehrern und Eltern muss die Aktivitäten selbstständig leiten.

Kompass Fair gehandelte Produkte sollen zur Verfügung stehen, Aktionen zum fairen Handel sollen organisiert werden, das Thema fairer Handel soll Teil des Unterrichts sein;

Produkte Die fair gehandelten Produkte sollen regelmäßig angeboten werden und für jeden zugänglich sein;

Unterricht Mindestens in zwei Jahrgängen und in zwei unterschiedlichen Fächern soll das Thema über eine längere Zeit behandelt worden sein;

Schulaktion Mindestens einmal im Schuljahr soll eine Schulaktion zum Thema fairer Handel stattfinden, an der eine breite Schülerschaft teilnehmen kann. Quelle

Im Internetsind Informationen über den Werdegang des Franz-Miltenberger-Gymnasiums zur Fairtrade-Schule einsehbar.

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