Riedenberg
Bildung

Grundschüler aus Riedenberg und Wildflecken schauen Jägern über die Schulter

Trittsiegel setzen, Lockrufe üben, Schnitzen und einen Hochsitz besteigen - all das durften Grundschüler aus Wildflecken und Riedenberg beim Projekttag.
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Die Schüler durften Werkzeuge und Ferngläser, die zur Jagd benutzt werden, auch gleich ausprobieren.  Julia Raab
Die Schüler durften Werkzeuge und Ferngläser, die zur Jagd benutzt werden, auch gleich ausprobieren. Julia Raab
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Grundschüler aus Wildflecken und Riedenberg haben sich mit Jägern des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) im Staatswald getroffen, um Vorurteile abzubauen und einen Einblick in das Brauchtum der Jagd zu bekommen. Schweiß, Kirrung und Nachsuche, das sind nur einige der Begriffe, die die Kinder an diesem Tag lernten. "Nach dem Projekttag mit Wanderung und vielen aufregenden Erlebnissen im Wald bei Riedenberg bleibt meistens besonders viel hängen", sagt Schulleiterin Christiane Helfrich.

Seit 2002 bietet die Grundschule Wildflecken einen Projekttag für die 3. und 4. Klassen aus Wildflecken und Riedenberg an, bei dem die Schüler hautnah erleben können, wie die Jagdhunde die Arbeit der Jäger erleichtern und welchen Stellenwert neue Technik beim Jagen besitzt. "Es geht darum, die Natur zu erleben und zu begreifen", sagt die Schulleiterin. Im wahrsten Sinne des Wortes durften die Kinder ausprobieren, lauschen, schnitzen und beobachten. Dazu bereiteten Jäger der BJV-Kreisgruppe Bad Brückenau verschiedene Stationen vor, die den Kindern in kleinen Gruppen vorgestellt wurden.

Die größte Aufmerksamkeit zog das Welpenmädchen Klara auf sich, die erst seit wenigen Tagen bei der Hundeobfrau der BJV-Kreisgruppe Bad Brückenau, Sandra Hornung, lebt. Dort steht ihr eine dreijährige Ausbildung zum Jagdhund bevor. "Viel Zuneigung und Arbeit fördern ihre Entwicklung", sagt Hornung. Ein besonders Erlebnis für die rund 50 Schüler war auch die Vorführung der sogenannten Schweißhunde, die verletzte Wildtiere verfolgen und dem Jäger bringen. Neben der Hundearbeit stellte Hornung die verschiedenen Hunderassen und ihre Spezialisierungen bei der Jagd vor.

Mucksmäuschenstill lauschten die Schüler auch dem ehemaligen Leiter der Unteren Jagdbehörde, Gerhard Karg, der die verschiedenen Trittsiegel der Wildtiere vorstellte. An präparierten Tierhufen durften die Kinder ausprobieren, welches Tier welche Spuren hinterlässt. "Ich finde es wichtig zu vermitteln, dass sich die Jagt nicht nur auf das Schießen beschränkt, sondern dass es auch um Umweltbildung und Naturschutz geht", so Karg.

An der Station von Lothar von der Tann, Kreisjagdberater der BJV-Kreisgruppe Rhön-Grabfeld, nahmen die Kinder die Werkzeuge des Jägers genauer unter die Lupe. Neben Taschenmesser und Fernglas durften sie verschiedene Lockrufe ausprobieren. "In der Realität der Jagd sprechen wir von 80 Prozent Vorarbeit und rund 20 Prozent, die der Jäger wirklich auf Jagd ist", sagt von der Tann. Wie in anderen Bereichen, gebe es hier auch Nachwuchsprobleme, deshalb sei die Kinder- und Jugendarbeit so wichtig. "Früher war die Jagd elitär, das ist es heute nicht mehr", sagt er.

Auch die weiteren Stationen des jagdlichen Brauchtums und insbesondere das Besteigen eines Jagdsitzes hielten die quirligen Kinder auf Trab. Zum Schluss des langen Projekttages wanderten die Kinder durch den Staatswald zur Strutt-Hütte, bei der die Flora und Fauna des Waldes vorgestellt wurde. Dort wurden sie von der mobilen Ausstellung der Wildland-Stiftung empfangen.

Die Schulleiterin betonte die umfangreiche Unterstützung für diesen Projekttag. Neben den vielen freiwilligen Arbeitsstunden der Jäger haben die Bayerischen Staatsforsten, die Fachzeitschrift "Wild und Hund", Hanse Haus, die Staatlichen Mineralbrunnen, Rewe Wildflecken und die Rotwildhegegemeinschaft Bayerische Rhön unter der Leitung von Harm Humburg großzügig Materialien zur Nachbereitung im Unterricht und Preise für das Gewinnspiel bereitgestellt.
"Wir schützen nur das, was wir kennen und lieben", bringt es Schulleiterin Helfrich auf den Punkt. Genau darum gehe es ihr bei dem Tag im Wald. Sah man in die begeisterten Gesichter der Kinder, so darf man optimistisch sein.


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