Geroda
Wirtshäuser

Geroda: Was wird aus dem "Grünen Tal"?

26 Jahre lang stand Dietmar Scholz hinter der Theke. Nun ist Schluss. Am 15. März schließt das "Grüne Tal" seine Türen. Für die Nachnutzung gibt es zwei Ideen...
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Pächter gesucht: Das Gasthaus "Grünes Tal" in Geroda. Foto: Ulrike Müller
Pächter gesucht: Das Gasthaus "Grünes Tal" in Geroda. Foto: Ulrike Müller
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"Geschäftlich ist es ein Unsinn, dass ich aufhöre", sagt Dietmar Scholz. Doch das Alter sitzt dem 72-Jährigen in den Knochen und der Job als Gastwirt zehrt. Die Entscheidung, das Gasthaus aufzugeben, ist schon längst gefallen, der Kaufvertrag für das Gelände bereits unterschrieben. Zum 1. April geht das Anwesen ins Eigentum des Marktes Geroda über. Ob das Gasthaus damit für immer seine Türen schließt, darüber wird in Geroda schon seit geraumer Zeit diskutiert.

"Ich lebe ja im Ort. Mir liegt es am Herzen, dass die Wirtschaft weiter besteht", sagt Scholz - und viele Bürger sehen das genauso. Beim politischen Stammtisch der Unabhängigen Wählergemeinschaft Geroda/Platz (UWG), der auch Bürgermeister Alexander Schneider angehört, sprach sich die Mehrheit für den Erhalt der Gaststätte aus. "Ich bin überzeugt, dass hier in Geroda zwei Gastwirte überleben können", sagt Schneider.

Zwei Gastwirte - zwei Küchen

Er sagt das deshalb, weil in Geroda schon seit vielen Jahren zwei Gaststätten nebeneinander bestehen: das Gasthaus "Zum Hirschen" und das "Grüne Tal". Was also ist das Geheimnis der Wirte, wo doch ringsum viele Gasthäuser nicht überleben? "Qualität, Küche, Service... da spielt vieles rein", sagt Stefanus Papadopoulos. Seit 1991 betreibt die griechische Familie den Hirschen, 2013 übernahm Sohn Stefanus die Gaststätte. Ihm ist aber auch klar, dass vor allem das unterschiedliche Angebot der beiden Häuser eine Rolle spielt. "Wenn es zwei deutsche Küchen im Ort wären, dann hätte es Konflikte gegeben", ist er sich sicher.

Ralph Regus sieht das ähnlich: "Gegessen und getrunken wird immer", sagt der Gemeinderat (UWG). "Die schlechten Gasthäuser machen zu. Da trennt sich die Spreu vom Weizen." "Das kannst du aber nicht für alle sagen", widerspricht Bürgerin Anita Lauer. "Wir sollten uns freuen, wenn es einer Gaststätte gut geht", sagt sie engagiert. Es gibt nämlich noch eine andere Idee für das "Grüne Tal" - und diese Idee findet Lauer ganz hervorragend.

Ältere Bürger im Ort halten

Denn wie im gesamten Gebiet der Brückenauer Rhönallianz wird auch in Geroda die Bevölkerung zunehmend älter. Tritt der Pflegefall ein, ziehen einige ältere Leute in ein Seniorenheim nach Bad Brückenau um. Das müssten sie nicht, wenn es in ihren Heimatorten Angebote für Senioren gäbe. "Ich finde die Idee einer Senioren-WG gut, dann fühlen sich die älteren Leute nicht so ausgegrenzt", sagt Anita Lauer.

Tatsächlich kann sich der Gemeinderat vorstellen, das "Grüne Tal" seniorengerecht auszubauen. "Der Plan ist, eine Präsenzkraft im Haus zu haben, die immer da ist", erklärt der Bürgermeister. Das sei günstiger als das Wohnen in einem Heim. Je nach Bedarf könnten Pflegedienst-Leistungen dazugebucht werden. Ein weiterer Pluspunkt: Die älter werdenden Bürger könnten weiterhin am Dorfleben teilnehmen - ein Lebensmittelgeschäft und einen Bäcker gibt es ja noch vor Ort.

Diese Pläne aber sind noch Zukunftsmusik. "Wir suchen jetzt erst einmal nach einem Pächter", sagt Alexander Schneider. Vielleicht gelingt es ja, wieder einen zweiten Wirt nach Geroda zu holen, so wie es sich viele Bürger wünschen. Stefanus Papadopoulos jedenfalls, der griechische Wirt, würde das begrüßen. "Wir haben so viele Jahre keine Probleme gehabt", blickt er auf mehr als zwei Jahrzehnte in Geroda zurück. "Warum sollten wir jetzt Probleme haben?"


Eine Liste leerstehender Wirtshäuser im Landkreis Bad Kissingen finden Sie hier.

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