Bad Brückenau
Jahrestag

Gedenken an die Opfer

Der Arbeitskreis "Stolpersteine" hatte am Jahrestag der "Reichspogromnacht" eine Gedenkveranstaltung organisiert, die gut besucht war. Zur Sprache kam dabei auch die gegenwärtigen antisemitischen Tendenzen.
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Auch in Bad Brückenau gedachten rund 60 Mitbürger der Reichspogromnacht. Für jedes Opfer zündeten sie eine Kerze an. Foto: Jan Marberg
Auch in Bad Brückenau gedachten rund 60 Mitbürger der Reichspogromnacht. Für jedes Opfer zündeten sie eine Kerze an. Foto: Jan Marberg

Über 60 Menschen, darunter zahlreiche Jugendliche, fanden sich am Abend des 9. November am Alten Rathaus ein, um am Jahrestag der "Reichspogromnacht" der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus auch in Bad Brückenau zu gedenken.

Eingeladen zu dieser öffentlichen Veranstaltung hatte der Arbeitskreis "Stolpersteine", ein Bündnis aus Kirchenvertretern, Schülern und Lehrern des Franz-Miltenberger-Gymnasiums, der Stadt Bad Brückenau sowie weiteren Akteuren der Zivilgesellschaft.

In Erinnerung wurde nicht nur gerufen, dass in Brückenau vor 81 Jahren die Synagoge angezündet worden war, dass jüdische Mitbürger drangsaliert und verhaftet, Geschäfte und Wohnungen demoliert wurden, sondern in der Folgezeit viele Brückenauer Juden ihr Leben im nationalsozialistischen Terror lassen mussten. All ihre Namen wurden verlesen, für jedes Opfer wurde eine Kerze angesteckt, sodass sie in ihrer Heimatstadt für einen Moment individuell präsent waren.

Schicksal von Irma Kahn

Erstmals genannt wurde Irma Kahn, deren Schicksal bis zum Sommer 2019 ungeklärt war: Geboren 1912, hatte sie als Brückenauer Mädchen das hiesige Gymnasium besucht, erkrankte später schwer und starb 1940 in Weilmünster bei Limburg: Opfer des Rassismus und des NS-"Euthanasieprogramms".

"Wer Menschen tötet, tötet immer seinesgleichen. Jeder, der sie ermordet, tötet sich selbst." Mit diesem Zitat aus einem Gedicht, verfasst von Erich Fried aus Anlass der sogenannten "Reichskristallnacht", machte Mirco Stankovic vom Franz-Miltenberger-Gymnasium deutlich, dass humanistische Grundeinsichten aus der Geschichte zutage gefördert werden können, die zeitlos sind.

Die schmerzliche Erkenntnis, dass aus der Geschichte lernen auch heißt, in der gegenwärtigen Gesellschaft antisemitische Tendenzen verzeichnen zu müssen, sie zu benennen und ihnen entgegenzuwirken, betonte Pfarrer Gerd Kirchner. Der Anschlag auf die Synagoge in Halle fordere ein beherztes Handeln.

Klare Antwort ist nötig

Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks verwies darauf, dass Passagen aus Reden Himmlers, einer der Hauptverantwortlichen für den Holocaust, heute wieder - nur leicht variiert - bei Einzelnen und einschlägigen Gruppierungen zu hören seien und öffentlich vertreten würden. Hier sei eine klare Antwort über Parteigrenzen und religiöse Zugehörigkeit hinweg notwendig. Das sei tatsächlich Arbeit, die geleistet werden muss, aber auch geleistet werden kann - nicht zuletzt, weil die junge Generation, wie die Gedenkveranstaltung zeigt, sich engagiert.

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