Bad Brückenau
Tourismusprojekt

Fahrrad-Highlight mit Schönheitsflecken

Steffen Standke, Redakteur der Saale-Zeitung, hat den Rhönexpress-Bahn-Radweg auf der früheren Trasse der Sinntalbahn von Jossa nach Wildflecken ausprobiert. Er entdeckte viele schöne Stellen, aber mancherorts auch Luft nach oben.
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Naturschauspiel: Anblicke wie dieser bieten sich vor allem im oberen Abschnitt zwischen Riedenberg und Wildflecken.  Foto: Steffen Standke
Naturschauspiel: Anblicke wie dieser bieten sich vor allem im oberen Abschnitt zwischen Riedenberg und Wildflecken. Foto: Steffen Standke
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Ein Freitagvormittag im Juni, angenehme 21 Grad, leichte Bewölkung, nur schwacher Wind: Ich möchte den rund 26 Kilometer langen Rhönexpress Bahn-Radweg auf der früheren Trasse der Sinntalbahn von Jossa nach Wildflecken erkunden, bevor er komplett freigegeben wird.

Die Radtour beginnt am Fränkischen Hof in Zeitlofs. Ja, der Bahn-Radweg reicht in Richtung Altengronau bis hinter die hessische Grenze. Das Teilstück sei, der Einfachheit halber und mangels besonders attraktiver Punkte ausgeklammert.

Ich starte also in Zeitlofs und freue mich, dass das glatte Asphaltband sich anders als die benachbarte Staatsstraße in tadellosem Zustand präsentiert. Und dass die gut beschilderte Strecke auch durch schattige Abschnitte führt. Manche Häuser und Gärten, die ich sonst im Auto nur vorbeihuschen sehe, kann ich in Ruhe betrachten.

Die drei Kilometer bis Rupboden habe ich bei im Wesentlichen gerader Strecke in wenigen Minuten hinter mir. Erstes Highlight: Das noch erhaltene Bahnhofsgebäude. Ende der 1930er-Jahre wurden dort zusätzlich Gleise gelegt und Brücken erweitert, um Baumaterial für eine Autobahn (Strecke 46) heranzuschaffen. Der Traum platzte mit Beginn des Zweiten Weltkriegs; der Radweg hingegen ist nach jahrelangem Stillstand endlich Realität.

Weiter talaufwärts passiere ich den Schmidthof - und registriere freudig, dass auch die Sanierung der parallel laufenden, in dem Abschnitt besonders maroden Staatsstraße 2289 beginnt.

Kurz nach dem Abzweig nach Eckarts wechselt der Weg die Straßenseite - von rechts nach links. Fortan führt er unterhalb von Wernarz vorbei an topgepflegten, fantasievoll gestalteten, aber auch verwilderten und verwunschenen Gärten.

Erwähnenswerte Randnotiz: Am Anwesen Albrecht zwischen Wernarz und Staatsbad schwenkt der Radweg von der ursprünglichen Bahntrasse weg um ein großes Hoftor herum - und wieder zur Trasse zurück. Der Besitzer der Villa Bavaria hatte das Tor 2013 erbauen lassen. Da lagen die Gleise noch und die Bahnstrecke war nicht entwidmet. Die Schienen zerschnitten hinterm Tor quasi das Grundstück. Das Problem wurde mit der Torumgehung gelöst.

Idealer Übergang ins Staatsbad

Kurz vorm Staatsbad kehrt der Radweg auf die rechte Straßenseite zurück, streift diverse Villen-Grundstücke. Wer will, fährt hier schon auf der Durchgangsstraße ins Staatsbad weiter, kann das aber auch kurz vorm Staatsbad-Bahnhof an einer Kreuzung tun. Der Abzweig ist gut beschildert. Praktisch: Von da sind es für E-Bikefahrer nur wenige Meter zur Ladestation am Gasthaus "Rhönstübchen".

Am Bahnhof, an dem früher Kurgäste ausstiegen und über eine schmale Treppe Bellevue und Kurpark erreichten, taucht der Radweg in einen waldigen Teil ein. Die Bäume spenden zwar angenehmen Schatten, verdecken aber im Sommer den Blick aufs Staatsbad und die Wiesen Richtung Stadt Brückenau.

Auf Höhe FC-Gelände und Kurstift lasse ich das schützende Blätterdach hinter mir - und erreiche den wohl unattraktivsten Wegabschnitt: Über Schlaglöcher polternde Lkw, ein heruntergekommenes Stellwerk und schließlich ein fast leer geräumtes Gelände rund um den Stadtbahnhof. Da bleibt viel Raum für Ideen - für Parkplätze, einen Spielplatz oder ein Medizinisches Versorgungszentrum?

Leider wird es nicht besser, als der Radweg parallel zur Ancenis-Straße entlangläuft. Die Rückansichten des Fachmarktzentrums in der Sinnaustraße und der Stadtwerke sowie das Rhön-Center laden nicht gerade ein, Brückenaus Kernstadt zu erkunden, auch nicht der Übergang am einstigen Ostbahnhof.

Schnell noch die ausgreifenden Betriebsgelände von GKN Sinter Metals und Heidelmeier hinter mich gebracht, dann tauche ich wieder in die Natur ein. Nebenan murmelt die Sinn an Schloss Römershag vorbei. Allerdings wird ihr Murmeln zunehmend vom Rauschen des Verkehrs auf der nahen Rhönautobahn verdrängt.

Etwas speziell die schräge Querung der B287 bei Römershag. Wie alle Schnittpunkte des Straßenverkehrs mit der Radtrasse lässt sie sich aber mit etwas Konzentration gut bewältigen.

Noch bevor ich die Sinntalbrücke der A7 passiert habe, beginnt eine leichte, aber stetige Steigung, die bis Wildflecken anhält. Die Geräusche von der Autobahn schwinden; das Sinntal, eingerahmt von Schwarzen Bergen, Auersberg und Co., zeigt seinen natürlichen Charme. Ebenso die Orte Riedenberg und Oberbach, durch die der Weg mitten hindurchführt.

Rund um die Trasse wird es immer bewachsener - und einsamer. Mit zunehmender Kilometerzahl wird mir mit müden Beinen und drückendem Sattel klar, was an der Strecke noch fehlt: Bänke zum Ausruhen.

Von meinem Ziel Wildflecken sehe ich erst etwas, als ich fast vor dem früheren Bahnhof stehe. Für mich der ideale Ort für eine Bewirtung. Denn da der Bahn-Radweg hier endet, könnten sich viele Nutzer vor oder nach der Fahrt stärken.

Fazit: Ein bequemer, abwechslungsreicher Radweg für Jedermann, mit optischen Abzügen in der B(rückenau)-Note und Entwicklungspotenzial. Allerdings sollten Radler von außerhalb des Sinntals schweißtreibende Steigungen und rasante Abfahrten einkalkulieren, bis sie zur Fahrradtrasse gelangen.

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