Bad Brückenau
Natur

Eine leuchtende Augenweide in der Rhön

Die Weidenröschen leuchten in der Rhön derzeit wieder an vielen Stellen. Anders als die Lupine sind sie in der Rhön willkommen.
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Die Weidenröschen sind ein beliebtes Fotomotiv bei Wanderern in der Rhön.Heike Beudert
Die Weidenröschen sind ein beliebtes Fotomotiv bei Wanderern in der Rhön.Heike Beudert
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Wer im Hochsommer durch die Rhön wandert, dem fallen vor allem die weithin leuchtenden Weidenröschen-Bestände auf. Die rosa blühende Pflanze bildet richtige Horste, beispielsweise am Dammersfeld, am Kreuzberg oder in der Langen Rhön. Dass die auffallende Blume Wanderer und Rhön-Besucher begeistert, sieht man auch in den sozialen Netzwerken. Dort finden sich zahlreiche Fotografien mit den Weidenröschen. Aber auch Naturprofis haben Gefallen an der Blütezeit. "Ich freue mich jedes Mal, wenn ich sie sehe", betont Tobias Gerlach; der Wissenschaftler betreut im bayerischen Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Forschungsprojekte und das ökologische Monitoring.

Das schmalblättrige Weidenröschen sei ein "wunderschöner Blickfang" und komme in der Rhön als typische Pflanze vor, erklärt Tobias Gerlach. Die Pflanze sei eine Pionierpflanze, die blüht, wo beispielsweise Wald gerodet wurde. Dort halte sie sich dann eine Weile, wird aber nach einigen Jahren wieder vom Wald oder auf Freiflächen von anderen Wildblumen verdrängt. Deshalb findet man das Weidenröschen auch immer wieder an neuen Stellen, besonders dort, wo es auch Feuchtigkeit findet.

Auffallend ist nach Angaben von Tobias Gerlach, dass es in der Rhön, besonders große Inseln bildet. Die Pflanze komme zwar in ganz Deutschland häufig vor, aber selten in solchen Ansammlungen. Bei seinen Gängen in der Rhön werde er immer wieder von Besuchern, die auch von weit herkommen, auf diese Pflanze angesprochen. Deshalb, glaubt der Biologe, hat die Blüte der Weidenröschen auch durchaus einen touristischen Effekt für die Rhön.

Für Tobias Gerlach ist die Pflanze aber auch dann schön anzusehen, wenn sie in den nächsten Wochen verblüht und ihre Samen ausbildet. Die sehen ein bisschen aus wie Baumwolle und werden vom Wind weitergetragen. Auch das findet Gerlach attraktiv. Dieser Samenflug trägt seiner Auskunft nach dazu bei, dass sich die Pflanze gut vermehrt.

Das Weidenröschen gefällt allerdings nicht nur den Menschen. Auch die Tier-, vor allem die Insektenwelt, hat daran ihre Freude. Denn die Pflanze produziere viel Nektar, erklärt Gerlach. Der komme gerade den heimischen Wildbienensorten zugute, vor allem weil das Weidenröschen dann blüht, wenn die meisten anderen Blumen der Rhön bereits abgeblüht sind.

Auch Günther Wischert, der Vorsitzende des Rhönklubzweigvereins Bad Brückenau, erfreut sich bei seinen sommerlichen Rhön-Touren an den Weidenröschen. Ob sie allerdings zusätzliche Wanderer oder Gäste in die Rhön bringen, vermag er nicht zu sagen. Für den Klubvorsitzenden ist klar: "Die Rhön ist zu jeder Jahreszeit schön". Dass das viele Naturfreunde so sehen, zeigen ihm die organisierten Busfahrten mit kleiner Wanderung, die der Rhönklub in Bad Brückenau zwischen April und Oktober immer dienstags anbietet. Die seien gut besucht. Nicht nur Einheimische, sondern auch Kurgäste seien immer gerne dabei.

Ein kleines touristisches Highlight sei die Blüte der Weidenröschen wohl schon, meint der Vorsitzende des Gesamtrhönklubs, Jürgen Reinhardt (Fulda). Allerdings hat sich diese Besonderheit noch nicht soweit herumgesprochen, dass bei der Rhönklub-Geschäftsstelle konkrete Reiseanfragen zur Weidenröschen-Saison einlaufen, vergleichbar mit der Lüneburger Heide zur Erika-Blüte. Allerdings seien alle die Besucher, die Blumenteppiche sehen, begeistert. Er habe erst in der vergangenen Woche eine Bustour geführt und dies erlebt, erklärt Jürgen Reinhardt.

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